Sie haben kein Javascript aktiviert. Bitte beachten Sie, dass einige Elemente dieser Seite ohne Javascript nicht einwandfrei funktionieren.

DZI-Spendensiegel
30.07.2012 12:54

Syrienkonflikt: Schicksale hinter den Schreckensmeldungen

Ein Ende der Gewalt in Syrien ist nicht in Sicht. Fast täglich erreichen uns neue Schreckensmeldungen. Jeden Tag zwingt der anhaltende Konflikt mehr Menschen zur Flucht aus ihrem Heimatland – einem Land, in dem sie sich nicht mehr sicher fühlen. Doch wer sind diese Menschen? Was haben sie erlebt und wie geht es ihnen?

Viele der Flüchtlinge, die aus Syrien über die Grenze kommen, sind Kinder. Sie haben Schreckliches erlebt, vielen der Mädchen und Jungen kann man es ansehen. Dem kleinen Khaled und seiner zweijährigen Schwester steht die Angst noch ins Gesicht geschrieben. Sie flohen mit ihrer Mutter vor der Gewalt in Homs in die libanesische Stadt Baalbek. Die Provinzhauptstadt in der Beeka-Ebene ist Zufluchtsort für tausende syrische Flüchtlinge, denn viele von ihnen haben Verwandte in dieser Gegend.

Auch die sechsjährige Raghad hat mit ihrer Familie in Baalbek Schutz gesucht – und besucht nun einen von Save the Children eingerichteten „kinderfreundlichen Raum“. Hier haben sie und andere syrische Flüchtlingskinder die Möglichkeit, gemeinsam mit libanesischen Kindern in einem sicheren Umfeld zu spielen, zu lernen und mit Sozialarbeitern, Erziehern oder Psychologen über ihre Erlebnisse zu sprechen. Save  the Children hat in Baalbek zusammen mit örtlichen Hilfsorganisationen vier dieser Räume eingerichtet.

Raghad kam bereits vor sieben Monaten mit ihrer Familie in den Libanon. Ihr Vater ist sogar schon länger hier. Raghads Mutter, Sabah, erzählt, dass er in Syrien verfolgt wurde. Da sie ihre Kinder nicht aus ihrem schulischen Umfeld reißen wollten, blieb Sabah mit ihnen zunächst in Syrien. Doch dann begannen die Kämpfe auch in ihrer Heimatstadt Zabadani, und ihr Haus wurde zerstört. Ihren Kindern erzählte sie, sie würden den Großvater besuchen, der im Libanon lebt. „Zu Beginn haben sich Raghad und ihr kleiner Bruder gefreut, ihren Großvater zu sehen“, erzählt Sabah. „Doch nun fragen sie immer öfter, wann wir nach Hause gehen. Ich weiß nicht, was ich ihnen sagen soll. Zum Glück gibt es die Räume von Save the Children. Das Spielen mit den anderen Kindern bedeutet den beiden sehr viel.“

Dreimal die Woche nimmt Raghad an den Aktivitäten in den kinderfreundlichen Räumen von Save the Children und der lokalen Partnerorganisation SAWA teil. Raghads Betreuer bescheinigen ihr viel Talent und ausgezeichnete Englischkenntnisse. „Ich liebe Englisch. Mein Lehrer hat mir gesagt, dass meine englischen Texte wirklich gut sind“, erzählt Raghad, während sie begeistert ihr Englischbuch zeigt.

Im kinderfreundlichen Raum hat Raghad die Möglichkeit, die Schwierigkeiten des Alltags zu vergessen. Das Leben in dem fremden Land ist nicht leicht. Inzwischen lebt Raghads Familie zusammen mit fünf anderen syrischen Familien und insgesamt 25 Kindern in einem Haus in Baalbek. Jede Familie hat ein kleines Appartement mit einem Zimmer. Raghad schläft zusammen mit ihren Eltern und ihrem kleinen Bruder auf Matratzen auf dem Boden, das Wasser ist knapp, und auch Strom gibt es nur selten.

„Das Leben im Libanon ist hart“, sagt die 65 Jahre alte Amina, die im selben Haus wie Raghad lebt. „Aber die immer schlechter werdende Situation in Syrien zwingt uns zum Bleiben.“ Auch die 33-jährige Nouha würde lieber heute als morgen zurück in ihre Heimat. „Wir können uns gerade so die Miete leisten. Das meiste Geld, das wir aus Syrien mitgebracht haben, ist aufgebraucht“, berichtet sie. So wie ihnen geht es vielen Flüchtlingsfamilien. Sie haben kein Einkommen und bei den teuren Lebenshaltungskosten im Libanon ist das wenige Ersparte schnell aufgebraucht. 

In dieser unsicheren Situation ist es wichtig, den Kindern Stabilität zu geben. Save the Children versorgt die Flüchtlingsfamilien deshalb nicht nur mit Hilfsgütern, wie Kleidung oder Hygienesets, sondern bietet den Kindern Orte, an denen sie einfach nur Kind sein können – denn der Syrienkonflikt zwingt sie dazu, viel zu schnell erwachsen zu werden.  

Kinderfreundliche Räume in Balbeek

Save the Children hat zusammen mit den zwei lokalen Hilfsorganisationen SAWA und AMEL kinderfreundliche Räume in Baalbek eingerichtet. Vier Räume sind bereits vollständig ausgestattet und bieten seit Anfang Mai Platz für 300 Kinder. Hier wird ihnen geholfen mit der neuen Situation zurechtzukommen. Daneben werden Nachhilfekurse angeboten, in denen die Flüchtlingskinder auf das kommende Schuljahr vorbreitet werden. 

Newsletter

Erfahren Sie alles Wichtige über Save the Children in unserem Newsletter.