Sicherheitsnetz
Für die kleine Lufee geht es vor allem um eines: Überleben. Ihre Mutter Lucille hat sie in die Gesundheitsstation von Save the Children gebracht, um sie untersuchen zu lassen. Die Diagnose: Sie ist ein gesundes, sieben Monate altes Baby. Das ist längst keine Selbstverständlichkeit in Lufees Heimat Liberia. Eines von sieben Kindern in dem westafrikanischen Land stirbt vor seinem fünften Geburtstag, so wie Lufees Bruder. In den abgelegenen ländlichen Gebieten müssen die Menschen oft stundenlange Fußmärsche zum nächsten Gesundheitszentrum zurücklegen. Malaria ist vor allem in den Dörfern im feucht-heißen Tropenwald Todesursache Nummer eins bei Kindern unter fünf Jahren. Vor allem während der Regenzeit kommen täglich Patienten, die über die typischen Symptome Fieber, Kopfschmerzen, Erbrechen klagen. Ein einfaches Moskitonetz kostet nur wenige Euro und könnte vor der heimtückischen Krankheit schützen. Trotzdem schlafen die wenigsten Kinder unter einem Netz. Weltweit sterben jährlich 700 000 Kinder an Malaria.
Eine Hand voll Erdnüsse
Der kleine Thomas aus Kebele im Süden Äthiopiens ist ein Jahr alt, wiegt aber nur soviel wie ein wenige Monate altes Baby. Seine Mutter, Tsehaynesh, hat das ausgemergelte Kind in die Gesundheitsstation von Save the Children in Tulla gebracht. Sie hat einen mehrstündigen Fußmarsch hinter sich und ist völlig erschöpft. In ihrem Heimatdorf gibt es weder einen Arzt noch Medikamente. „Meine Nachbarin hat mir geraten hierher zu kommen, damit Thomas und ich nicht zu Hause sterben müssen“, erzählt Tsehaynesh. Sie ist selbst sehr krank und zu schwach, um Thomas zu stillen. Eine Hand voll Maismehl, das ist alles, was die Familie zu essen hat. In der Gesundheitsstation untersucht Schwester Almaz den kleinen Thomas und misst seinen Armumfang. Weil chronisch unterernährte Kinder besonders anfällig für Infektionskrankheiten sind, erhält er ein Antibiotikum. Seine Mutter bekommt für ihn eine Wochenration Plumpy’nut. Diese vitamin- und kalorienreiche Spezialnahrung aus Erdnüssen wird dafür sorgen, dass Thomas in den kommenden Tagen und Wochen an Gewicht zunimmt. Für nur 72 Euro kann ein unterernährtes Kind acht Wochen lang mit Plumpy’nut satt werden und zu Kräften kommen.
Eine einfache Lösung
Hunger ist auch in Sierra Leone Alltag für Tausende Kinder. Die Chance zu Überleben ist nirgendwo auf der Welt so schlecht wie hier: Eines von vier Kindern stirbt vor seinem fünften Geburtstag. Besonders dramatisch ist die Situation in Kroo Bay, einem Elendsviertel am Rande der Hauptstadt Freetown. Die Menschen leben hier buchstäblich auf einer Müllhalde. Toiletten gibt es kaum, sauberes Trinkwasser ebenso wenig. Täglich sterben Mädchen und Jungen an Durchfall, weil ihre Eltern sich Medikamente schlicht nicht leisten können. Adia ist eine der Slumbewohnerinnen von Kroo Bay. An ihrer Hütte aus Wellblech hat sie eine blaue Flagge aufgehängt. Ihre Nachbarn wissen, dass sie zu ihr kommen können, wenn sie krank sind. Adia ist „Blue Flag volunteer“, eine freiwillige Gesundheitshelferin. Save the Children-Mitarbeiter haben hunderte Frauen wie Adia ausgebildet, sie über Hygiene aufgeklärt und ihnen einfache medizinische Handgriffe gezeigt. Nach einem dreitägigen Training bekommt jeder freiwillige Gesundheitshelfer eine blaue Flagge, Desinfektionsmittel, Handschuhe und eine Zucker-Salz Lösung zur Behandlung von Durchfall.
Für die Menschen in Kroo Bay ist Adia Lebensretterin, auch für den kleinen Mohammed. „Er war sehr schwach, er hatte Durchfall und erbrach sich. Sein Zustand war so schlecht, dass ich dachte er würde sterben. Ich habe ihm die Zucker-Salz Lösung gegeben. Nach zwei Tagen ging es ihm besser“, erzählt Adia stolz. Eine einfache Zucker-Salz-Lösung kostet nur ein paar Cent. Weil viele Familien sich diese paar Cent nicht leisten können, kostet das täglich 5000 Kinder das Leben.
Kleine Pille, große Wirkung
Lungenentzündung gehört zu den Haupttodesursachen bei Babys und Kleinkindern in Entwicklungsländern. Zum Beispiel in Tibet. In den abgelegenen, sehr kühlen Bergregionen bekommen Kinder häufig Lungenentzündung. „Tsering Wangmo ist die kleinste meiner drei Kinder. So wie ihr Bruder Thundrup und ihre Schwester Migma, ist sie im vergangenen Monat an Lungenentzündung erkrankt. Ich dachte, sie würde sterben. Das Fieber war sehr hoch und sie Hat fürchterlich gehustet“, erzählt die Mutter, Kyi Dolma. Die Familie lebt in einem einfachen Zelt. Um zur nächsten Klinik zu kommen, muss Kyi Dolma einen dreistündigen Fußmarsch durch die Berge zurücklegen. Ihr acht Monate alte Baby, dessen Name Tsering Wangmo soviel bedeutet wie „die Langlebige“, hat tatsächlich wie durch ein Wunder überlebt. Und auch ihre beiden Geschwister konnten gerettet werden. In der von Save the Children unterstützten Klinik bekam Kyi Dolma Antibiotika für ihre Kinder. Außerdem erhielt sie eine warme Wollmütze für das Baby, um es vor erneuter Auskühlung zu schützen.
Jedes Jahr sterben zwei Millionen Kinder an den Folgen einer Lungenentzündung, obwohl es billige Antibiotika gibt, mit denen die Krankheit einfach geheilt werden kann. Ganze neun Euro kostet es, Lungenentzündung zu behandeln und zu heilen.
Starthilfe für Mütter und Babys
Yarwah ist Hebamme. Seit mehr als 50 Jahren hilft sie Schwangeren in ihrem Dorf bei der Geburt. „Ich habe viele gesunde Kinder zur Welt gebracht, aber ich habe auch unzählige Babys sterben sehen.“ Die meisten Frauen in Yarwahs Heimat Liberia haben noch nie einen Arzt besucht. Sie können es sich auch nicht leisten Medikamente zu kaufen. In Liberia finden nur 15 % aller Geburten unter der Aufsicht eines Arztes in einer Klinik statt. Statt dessen kommen die Frauen zu Yarwah. „Ich gebe ihnen Medzin aus Kräutern und helfe ihnen bei der Geburt. Aber bei manchen Komplikationen war ich lange Zeit einfach machtlos“, sagt die 70-Jährige. Yarwah musste mit ansehen, wie Schwangere verbluteten oder Säuglinge Stunden nach der Geburt starben.
„Seit Save the Children-Mitarbeiter mir gezeigt haben, wie wichtig häufiges Händewaschen ist, wie Babys nach der Geburt versorgt werden müssen und wie ich Komplikationen frühzeitig erkenne, hat sich meine Arbeit verändert.“ Yarwah weiß jetzt zum Beispiel, dass es überlebenswichtig sein kann, die Nabelschnur mit einer sauberen Klinge durchzuschneiden und das Neugeborene warm zu halten, anstatt es nur abzutrocknen. Sie zeigt den Müttern, dass sie ihre winzigen Babys unter den Kleidern ganz nah am Körper tragen sollen. Außerdem erklärt sie ihnen, dass sie ihre Kinder in den ersten Lebensmonaten ausschließlich stillen sollen. Im Schnitt kostet es gerade einmal 100 Euro eine Gesundheitsberaterin wie Yarwah auszubilden.

