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Rumänien
Kindernhandel und mangelnde Schulbildung
In Rumänien leben 25 % der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Der durchschnittliche Nettolohn lag 2005 bei nur etwa 200 Euro im Monat. Der Übergang zur Marktwirtschaft hat gravierende sozi-ökonomische Folgen. Noch immer herrscht hohe Arbeitslosigkeit und die schlechte wirtschaftliche Lage des Landes beeinträchtigt den Lebensstandard vieler Menschen.
Ende der 1980er Jahre wurde der rumänische Diktator Ceausescu gestürzt. In Europa ist er bis heute für sein Programm zur Steigerung der Geburtenrate bekannt: Verhütungsmittel und Schwangerschaftsabbrüche waren verbot, weil sich die Bevölkerung Rumäniens innerhalb einer Generation verdoppeln sollte. Die Folgen auf die Gesellschaft sind noch heute an jeder Ecke zu spüren. Viele Kinder landeten nicht in behüteten Verhältnissen, sondern auf der Straße oder in Heimen.
Körperliche und seelische Gewalt gehören heute zum Alltag vieler Kinder genauso, wie mangelnde Bildungschancen. Besonders Roma-Kinder und Kinder mit Behinderungen werden diskriminiert und gesellschaftlich ausgegrenzt. Save the Children steht in einem der ärmsten Länder Europas vor großen Herausforderungen.
Die zentralen Herausforderungen für Save the Children
Prostitution und Kinderhandel ist zu einem alarmierenden Problem in Rumänien geworden. Jedes Jahr werden bis zu 140.000 Kinder Opfer von Menschenhändlern. Für ein junges Mädchen zahlen Menschenhändler ca. 1.000 €. (Das Anfangsgehalt eines Arztes in Rumänien ist 200 €.) Die Mädchen und Jungen werden nach Spanien und Italien, aber auch nach Deutschland geschafft, wo sie betteln gehen, als Haushaltsangestellte wie Sklaven behandelt oder an die Sexindustrie verkauft werden. - In Rumänien müssen Schätzungen zufolge 70.000 Kinder arbeiten. Mädchen und Jungen sind gezwungen, ihre Familien finanziell zu unterstützen. Kinderarbeit geht oft mit dem Abbruch der Schule, sozialer Ausgrenzung und psychischer oder physischer Ausbeutung einher. Vor allem Kinder von ethnischen Minderheiten gehen nicht in die Schule: 100.000 Roma im Alter zwischen 15-25 Jahren sind Analphabeten.
- In Rumänien ist die Kindersterblichkeitsrate immer noch sehr hoch, auch wenn sie in den letzten Jahren gesunken ist. 1990 betrug sie 26,9 pro Tausend Lebendgeburten, im Jahr 2005 nur noch 16. (Der Durchschnitt in Westeuropa liegt gerade einmal bei 4/1.000).
- Auch Jahre nach dem Sturz des Regimes leben noch immer viele Kinder unter erbärmlichen Umständen in Heimen. Viele der Heime sind mangelhaft ausgestattet und gleichen Verwahrungsstätten. Trotz dieser Zustände in den Heimen landen noch immer viel zu viele Kinder hier: Sie werden von Ihren Eltern verlassen oder weggegeben. Alkoholsucht, mangelnde Bildung oder einfach Armut sind nur einige der Gründe, warum sich Eltern von ihren Kindern trennen.
Die Antwort von Save the Children
„Salvati Copiii“ heiß Save the Children in Rumänien. Seit 1990 hilft die Organisation den Kindern und ihren Familien im Land. Mittlerweile gibt es 15 Büros, die über das Land verteilt sind, das Generalsekretariat befindet sich in Bukarest. Unsere Projekte richten sich gegen die Missachtung von Kinderrechten, bieten aber ganz praktische Hilfe für die betroffenen Kinder. Wir unterstützen zum Beispiel Straßenkinder, missbrauchte, in Armut lebende oder an HIV/ AIDS erkrankte Mädchen und Jungen. Unsere Projekte richten sich weiterhin an Kinder, die aufgrund ihres ethischen oder sozialen Hintergrunds diskriminiert werden.
Drei Beispiele für die Arbeit von Save the Children
Kinderhandel und Prostitution bekämpfen:
Mit fundierter Aufklärungsarbeit an Schulen, für Eltern und für gefährdete Kinder will Save the Children den Kinderhandel eindämmen. Dafür ist es besonders wichtig, dass auch Kinder aus ärmsten Verhältnissen zur Schule gehen können. Salvati Copiii hat deshalb mehrere Hilfs- und Lernzentren für Opfer von Kinderhändlern eingerichtet. An diesen Zufluchtsorten bekommen Kinder psychologische Hilfe und Schulunterricht. Die Zentren dienen auch als Beratungsstelle und zur Aufklärung von Kinderhandel.
Um gegen Kinderhandel vorzugehen, ist es aber auch notwendig, den Ursachen auf den Grund zu gehen. Save the Children untersucht, welche Faktoren den Kinderhandel begünstigen, mit dem Ziel gefährdete Kinder schneller zu identifizieren. Auch Polizeibeamten wollen wir künftig mehr Wissen über Kinderhandel vermitteln. So können Hinweise schneller erkannt und ein schneller Eingriff der Polizei sichergestellt werden.
Diskriminierung verhindern:
Die Diskriminierung von ethnischen Minderheiten, z.B. von Roma-Kindern, gehört immer noch zum rumänischen Alltag. Meist sind Familien der Minderheiten in Rumänien sehr arm. Zusätzlich herrschen bei der Bevölkerung Vorurteile gegenüber diesen Volksgruppe vor. Um gegen die anhaltende Diskriminierung in Schulen vorzugehen hat Save the Children allein im Jahr 2005 Aufkläruingskurse für 400 Lehrer, Schuldirektoren und Erziehern in ganz Rumänien veranstaltet. Ebenfalls wurden Kindergartengruppen mit besonders benachteiligten Kindern gegründet. Ziel ist es, die Kinder auf die Einschulung vorzubreiten.
Über HIV/AIDS aufklären:
In Rumänien leben derzeit knapp 6.000 HIV-infizierte Kinder. Bereits seit 1998 führt Salvati Copiii Aufklärungskampagnen durch, denn die Anzahl infizierter Kinder steigt, da beispielsweise der Drogenkonsum von Jugendlichen zunimmt. Im Rahmen der Kampagnen werden Kinder über die Übertragung des HIV-Virus und über Verhütungsmethoden aufgeklärt.
Infizierte Kinder werden häufig diskriminiert, isoliert und abgelehnt. Medizinische Versorgung und Bildung wird ihnen verwehrt. Daher gründete Save the Children das “Roxana Haus”. Hier betreuen wir betroffene Kinder in familiärer Atmosphäre und führen Resozialisierungsmaßnahmen durch.