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China
Eine Großmutter berichtet – Pu Bens Geschichte
Pu Bens Großmutter ist 50 Jahre alt. Sie hat schon viel erlebt: Die Gründung der Volksrepublik China, die Kulturrevolution und die Modernisierung des Landes. Aber was sie am 12. Mai erlebte, ist für sie auch heute, Tage nach dem Erdbeben in China, nur schwer zu verstehen.
Die eigentlich lebenslustige und sehr freundlich wirkende Frau lebt in Mianzhu, in der Provinz Sichuan. Als die Erde dort um 14.28 Uhr bebte, begann für Millionen Menschen in der Provinz die Apokalypse. Häuser fielen wie Streichhölzer zusammen. Auch zahlreiche Schulgebäude, in denen sich oft auch Kindergärten befinden, überstanden das Erdbeben nicht. Es war Schulzeit, viele Kinder waren in den Schulen und hatten sich gerade vor Beginn des Nachmittagsunterrichts zum Mittagsschlaf hingelegt.
„Als die Erde bebte, war mein erster Gedanke: Du musst zum Kindergarten. Meine Enkelin Pu Ben war wie jeden Tag dort. Weil ihre Eltern in einer anderen Stadt arbeiten, kümmere ich mich um sie. Wie hätte ich ihren Eltern erklären sollen, dass ihre Tochter unter den Trümmern begraben wurde?“ Glücklicherweise muss Pu Bens Großmutter diese Frage nicht beantworten, denn der Kleinen geht es gut: Von den 40 Kindern in Pu Bens Kindergartengruppe überlebten nur zehn, darunter auch Pu Ben.
Wie ihre Freunde schlief die 3-Jährige im Jiu-Long-Kindergarten, als das Erdbeben begann. Ihr Lehrer griff das kleine Mädchen, wickelte es in eine Decke, um es zu schützen, und warf es aus dem Fenster des zweiten Stocks. Sekunden danach brach das ganze Gebäude in sich zusammen. „Viele Eltern liefen sofort nach dem Beben zum Kindergarten, um ihre Kinder zu suchen. Das Gebäude war vollkommen zerstört und überall war Chaos“, erzählt Pu Bens Großmutter. „Die verletzten Kinder, die ausgegraben werden konnten, wurden ins Krankenhaus gebracht. Aber keiner der Lehrer überlebte. Ich weiß nicht, wie es jetzt weitergehen soll.“
„Seit dem Erdbeben ist Pu Ben vollkommen verängstigt“, erzählt uns die Großmutter. „Sie weint die ganze Zeit und spricht kein einziges Wort. Sie ist doch erst drei Jahre alt und viel zu klein, um so etwas Schreckliches zu verarbeiten. Was für ein furchtbares Unglück. Ich hoffe, dass sich jemand um die Kinder kümmert, die überlebt haben.“
Save the Children arbeitet in der Katastrophenregion eng mit dem Roten Kreuz zusammen. Die Versorgung mit Hilfsgütern, die psychologische Betreuung von Kindern und die Ausbildung neuer Lehrer sind Schwerpunkte unserer Arbeit.