Katastrophenvorsorge - Disaster Risk Reduction
Was ist Disaster Risk Reduction?
In unseren Projekten zur Katastrophenvorsorge (Disaster Risk Reduction) lernen Kinder, Gefahren frühzeitig zu erkennen und Risiken einzuschätzen. Außerdem erfahren sie, wie sie sich in Katastrophensituationen richtig verhalten. Konkret heißt das zum Beispiel: Kinder entwerfen Fluchtpläne für den Ernstfall. In Gebieten, die häufig von Flutkatastrophen betroffen sind, kann auch Schwimmunterricht Kinderleben retten. In den kommenden fünf Jahren wird Save the Children in besonders gefährdeten Regionen drei Millionen Kinder auf Katastrophen vorbereiten, um die Auswirkungen im Ernstfall möglichst gering zu halten.
Lernen aus der Katastrophe: Min Mins Geschichte
Der sechsjährige Min Min lebt in Kamar Kalun, einem kleinen Ort, eineinhalb Stunden von der Hauptstadt Rangun entfernt. Im Mai 2008, verwüstete ein verheerender Zyklon sein Dorf, das von Reisfeldern umgeben ist. Viele Bewohner, darunter auch acht Kinder, starben. Min Mins Haus wurde völlig zerstört. „Als der Sturm kam, rannen wir zu einer alten Scheune. Ich lief mit meiner Mutter einfach nur los, wir hatten keine Zeit nachzudenken." Sie brachten sich in einer alten Scheune in Sicherheit und überlebten. Nach dem Sturm war das Dorf überflutet. An manchen Stellen mussten die Menschen durch das Wasser waten und versanken bis zum Bauch im Schlamm. In den Tagen und Wochen danach wurden überall Leichen angeschwemmt.
Heute, ein Jahr nach der Katastrophe, lebt Min Min mit seinen Eltern und seiner Großmutter in einem neuen Haus. Er geht auch wieder zur Schule. Save the Children-Mitarbeiter errichteten ein neues Schulgebäude, zunächst aus Bambus und Plastikplanen. Drei Lehrer unterrichten hier 94 Schüler. „Wir sind sehr glücklich, dass wir diese Schule haben", sagt eine der Lehrerinnen und zeigt nach draußen. Von der alten Schule ist nur noch ein Trümmerhaufen übrig geblieben. In der Schule lernt Min Min nicht nur lesen und schreiben, sondern auch, wie er sich im Katastrophenfall schützen kann. Die Schüler erarbeiten Fluchtpläne und lernen Erste Hilfe zu leisten – einfache Dinge, die im Ernstfall Leben retten können.
Katastrophenvorbereitung - Emergency Preparedness
Auf den Ernstfall vorbereitet sein
Um im Katastrophenfall schnelle Hilfe leisten zu können, müssen wir gut vorbereitet sein. Wir stocken deshalb Lebensmittel, Medikamente und wichtige Haushaltsgegenstände in unseren Lagerhäusern ständig auf, damit wir sie unmittelbar nach einer Katastrophe verteilen können. Darüber hinaus bereiten wir unsere Mitarbeiter vor Ort in speziellen Schulungen gezielt auf ihren Einsatz in Katastrophengebieten vor. Außerdem arbeiten wir eng mit lokalen Behörden zusammen. In Kolumbien haben wir beispielsweise Angestellte im öffentlichen Dienst weitergebildet und für das Thema Kinderschutz im Katastrophenfall sensibilisiert. So sind wir für den Ernstfall gerüstet und in der Lage sofort zu reagieren.
Vietnam: Vorbereitung auf die nächste Flut
Oktober 2007: Eine Flutwelle vernichtet im Oktober 2007 die Ernte in Thach Lam, Vietnam. Tausende Menschen, darunter viele Kinder, fliehen vor den Wassermassen. Der neunjährige Moi, Em (6) und Hanh (9) haben überlebt. Save the Children für und mit den Menschen dort Katastrophenpläne erarbeitet, damit sie künftig besser auf solche Katastrophen vorbereitet sind. Auch die Kinder waren an der Ausarbeitung beteiligt. In unseren Lagerhäusern lagern Sandsäcke und - ganz wichtig - Schwimmwesten speziell für Kinder!Außerdem gibt es inzwischen einen Fluchtweg, der es Kinden wie Moi und seinen Freunden ermöglicht, auch im Katastrophenfall noch ihre Schule zu erreichen.
Nothilfe - Emergency Response
Schnell Hilfe leisten
Unmittelbar nach einer Katastrophe verteilen wir Lebensmittel und Medikamente. Mit mobilen Krankenstationen erreichen unsere Ärzteteams Verwundete und Verletzte auch in besonders abgelegenen Regionen. Außerdem errichten wir Schutz- und Spielzelte, wo Kinder Zuflucht finden, psychologisch betreut werden und vor Ausbeutung und Gewalt geschützt sind. Darüber hinaus helfen wir Familien, ihre Existenz wieder aufzubauen und so ihre Zukunft zu sichern.Beispiel Ostkongo: Save the Children kümmert sich um Kinder, die vor den blutigen Kämpfen in ihrer Heimat fliehen mussten. Wir versorgen Familien mit Nahrungsmitteln und Medikamenten und bieten traumatisierten Kindern psychologische Hilfe.
Auf der Flucht im Ostkongo: Gasigwas Geschichte
Der 10-jährige Gasigwa ist allein. Seine Eltern und fünf Geschwister sind tot. Alles, was er besitzt, trägt er am Körper: Kleider und ein paar alte Schuhe. „Ich bin aus Rugari geflohen, weil ich Angst vor den Kämpfen hatte. Am meisten fürchte ich mich vor den Gewehrsalven. Als ich die Schüsse hörte, rannte ich weg.“ Gasigwa hatte Glück. Er wurde nicht von Soldaten gekidnappt. Er schaffte es, sich allein bis in die Provizhauptstadt Goma durchzuschlagen. Dort nahm ihn eine Familie auf. „Wir haben kein Dach über dem Kopf. Aber die Familie, bei der ich jetzt bin, gibt mir jeden Tag zu essen, meistens Maniok oder Bohnen. Aber oft sind wir danach noch hungrig.“
Wie Gasigwa sind Tausende Kinder im Osten der Demokratischen Republik Kongo auf der Flucht vor Hunger, Krieg und Krankheit. In den vergangenen sieben Jahren sind in dem afrikanischen Land vier Millionen Menschen ums Leben gekommen. Save the Children-Mitarbeiter versorgen unterernährte Kinder mit Essen und Trinkwasser. Wir impfen Mädchen und Jungen gegen tödliche Infektionskrankheiten. Wir bieten traumatisierten Jungen und Mädchen psychologische Hilfe an und kümmern uns um die Zusammenführung von Familien, die durch Flucht und Vertreibung auseinandergerissen wurden.