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Katastrophen betreffen Mädchen und Jungen nicht nur in der unmittelbaren Zerstörungs- und Gefahrenzone. Die dramatischen Bilder einer Krise oder Katastrophe sind überall auf der Welt durch Fernsehen und Internet verfügbar und verstören Kinder mittelbar.
Oft wenden sich Kinder an Erwachsene, um das, was sie sehen, erklärt zu bekommen und fragen danach, was als nächstes passieren wird: Wird alles wieder gut? Warum ist das passiert? Wie geht es den Kindern, die so viel verloren haben?
Wie beantworten wir diese Fragen?
Aus den jahrelangen nationalen und internationalen Erfahrungen in Krisen und Katastrophen hat Save the Children die folgenden zehn Tipps für Erwachsene zusammengestellt, die helfen sollen, Kinder durch solche Krisenzeiten zu begleiten. Die Relevanz der einzelnen Punkte variiert aufgrund des Alters, der Erfahrungen und der konkreten Lebensumwelt von Mädchen und Jungen.
Während es für Erwachsene wichtig ist, informiert zu bleiben, können Bilder und Textnachrichten für Kinder verwirrend und beängstigend sein. Bildreportagen z.B. im Fernsehen, können insbesondere jüngere Kinder überfordern. Sie können nicht verstehen, dass Bilder/ ein Bericht eines Ereignisses ständig wiederholt werden. Sie nehmen diese Wiederholung als immer neu stattfindende Katastrophen wahr. Die dauerhafte Betrachtung solcher Berichte überfordert auch Jugendliche und Erwachsene. Darum sollten die Mediennutzungszeiten für Kinder und für Erwachsene begrenzt werden.
Bevor Sie Kindern antworten, sollten Sie sich zunächst ein möglichst genaues Bild davon machen, was das Kind/die Kinder verstanden haben und was zu ihren Fragen führt. Emotionaler Stress entsteht u.a., wenn sich Kinder gefährliche Erlebnisse nicht erklären können. Finden Sie heraus, was das Kind von dem Geschehenen verstanden hat. Das Wissen des Kindes ist durch Alter und Vorerfahrungen in ähnlichen Krisen- und Katastrophensituationen bestimmt. Beginnen Sie den Dialog damit, den Kindern ein altersentsprechendes Grundverständnis zu vermitteln, das die zugrunde liegende Besorgnis anspricht.
Versichern Sie Kindern, dass alles getan wird, um diejenigen Menschen zu schützen, die direkt von der Krise oder Katastrophe betroffen sind. Nutzen Sie diese Möglichkeit auch ihnen zu sagen, dass es Ihr wichtigstes Anliegen ist, sie im Fall einer Krise oder Katastrophe zu beschützen. Versichern sie den Mädchen und Jungen, das ihre Sicherheit für Sie an erster Stelle steht.
Eltern sollten auffällige Veränderungen z.B. im Schlaf- und Essverhalten, in der Konzentrationsfähigkeit, große Gefühlsschwankungen und Klagen über Schmerzen aufmerksam beobachten. Veränderungen sollten in kurzer Zeit wieder abklingen. Wenn diese Veränderungen allerdings über einen längeren Zeitraum zu beobachten sind, empfehlen wir, professionelle Hilfe und Beratung zu suchen. Das gilt insbesondere, wenn Kinder in der Katastrophe eine geliebte Person verloren haben. Die Hilfe sollte jedoch nicht allein für das betroffene Kind gesucht werden, sondern für die gesamte Familie. Denn auch andere Kinder der Familie können durch Bilder und Reportagen betroffen sein. In diesem Fall kann Beratung geeignet sein, präventiv zu wirken.
Jedes Kind nimmt die Krisen- und Katastrophenereignisse anders wahr, denn sie entwickeln ihre körperlichen, geistigen und emotionalen Fähigkeiten unterschiedlich. Jüngere Kinder werden stark von den Interpretationen ihrer Eltern/von Erwachsenen abhängig sein, während ältere Kinder und Jugendliche ihre Informationen aus verschiedenen Medien ziehen. Allerdings sind nicht alle Informationen verlässlich. Eltern, Lehrer und Erzieherinnen müssen darum berücksichtigen, dass ältere Jugendliche auch durch solche unzuverlässigen Informationen stark betroffen sein können. Obwohl Jugendliche mehr eigene Fähigkeiten zur Überwindung von Krisen und Katastrophen zugetraut werden, benötigen auch sie besondere Aufmerksamkeit, Zuwendung, Verständnis und Hilfe bei ihrer Verarbeitung.
Kinder brauchen eine enge persönliche Einbindung um wahrzunehmen, dass sie sicher und geborgen sind. Sprechen und spielen Sie mit ihnen. Das Wichtigste aber ist: „Hören Sie ihnen zu!“ Sie sollten unbedingt Zeit finden, besondere Aktivitäten mit Kindern jeden Alters zu unternehmen. Lesen Sie ihnen gute Nachtgeschichten vor, singen Sie Schlaflieder, um jüngeren Kindern das Einschlafen zu erleichtern.
Kinder lernen am Vorbild von Erwachsenen/Eltern mit Krisen- und Katastrophensituationen umzugehen. Offenbaren Sie ihre eigenen Gefühle je nach Alter und Entwicklungsstand jedes einzelnen Kindes. Erklären Sie Ihre Gefühle ruhig und bedacht.
Zeigen Sie Ihr Mitgefühl mit den betroffenen Menschen in der Katastrophe. Das ist eine Möglichkeit Ihren Kindern nahe zu bringen, dass wir alle anderen helfen müssen.
Kinder profitieren von einem klaren zielorientierten Handeln und von Gemeinschaftsaktivitäten. Stellen Sie darum sicher, dass die Schulumwelt Ihrer Kinder keine unangemessen großen zeitlichen Spielräume für Diskussionen der Krise/Katastrophe vorsieht, sondern zum normalen Schulalltag zurückkehrt.
Anderen zu helfen kann Kindern ein Gefühl von Kontrolle, Sicherheit und Mitgefühl vermitteln. In einer akuten Krise können Jugendliche und Erwachsene sogar als Agenten positiver Veränderungen wirken. Ermutigen Sie ihre Kinder lokale Hilfsaktivitäten für andere Kinder, die Hilfe benötigen, zu unterstützen.