Ein interkulturelles Kochstudio lädt zum Austausch ein

Essen wir heute beim Italiener, Inder oder Vietnamesen? Pizza, Curry oder Reisgerichte sind inzwischen kaum noch aus unseren Speiseplänen wegzudenken. Neue Rezepte wecken meist unsere Neugier und sorgen schnell für Gesprächsstoff. Noch interessanter kann ein solcher Austausch werden, wenn die verschiedenen Gerichte gemeinsam zubereitet und ausprobiert werden.

Menschen in Erstaufnahmeeinrichtungen sind meist an den Speiseplan einer Kantine gebunden und müssen somit auch auf das gewohnte Essen aus der eigenen Heimat verzichten. Umso schöner kann es gerade für jugendliche Mädchen sein, sich in einem „Kochstudio“ auszuprobieren und dabei Rezepte aus der Heimat einzubringen sowie Gerichte und Essrituale unterschiedlicher Regionen kennenzulernen. Selbst über Sprachbarrieren hinweg kann die Zubereitung von Mahlzeiten in der Gruppe durch einfach Gesten und Hinweise gut funktionieren und bietet damit eine optimale Basis für die Knüpfung neuer Freundschaften und Kontakte.

Mädchen kochen

Ein Kochstudio als psychosoziale Unterstützung

Das „Interkulturelle Kochstudio“ bietet den teilnehmenden Mädchen eine regelmäßige Gelegenheit, sich in einem geschützten Rahmen auszuprobieren. Es geht auf den Wunsch der Mädchen nach Mitbestimmung und einem vielfältigeren Essensangebot ein. Gleichzeitig können sie sich mit Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen verschiedenen Koch- und Esskulturen auseinandersetzen und ihr Wissen aus der Heimat in die neue Umgebung einfließen lassen. Da in vielen Kulturen die Verantwortung für Kochen und Tätigkeiten in der Küche den weiblichen Familienmitgliedern übertragen wird, erhalten die Teilnehmerinnen zudem die Möglichkeit, sich mit Gender-Stereotypen und ihren eigenen Rollenvorstellungen auseinanderzusetzen. In Begleitung von pädagogischem oder psychosozialem Fachpersonal werden sie auf diese Weise dazu angeregt, über ihre Erfahrungen, Veränderungen und Identitäten zu reflektieren. 

Für Familien mit wenig Bildungs- und Freizeitmöglichkeiten kann ein produktiver Arbeitsprozess entlastend wirken. Das Erlernen neuer Fertigkeiten und die partizipative Gestaltung des Projekts mit eigenverantwortlichen Ernährungsmöglichkeiten ermöglichen den Mädchen ein Erleben von Selbstwirksamkeit. Während der gemeinsamen Arbeit kommen sie und ihre Familien in den Austausch mit anderen Bewohnerinnen und Mitarbeiter*innen der Einrichtung. Soziale Teilhabe, Teamfähigkeit und freundschaftliche Beziehungen mit Gleichaltrigen sollen so gestärkt werden und entsprechen damit auch entwicklungspsychologischen Bedarfen.

Mögliche Umsetzung des Kochstudio-Projekts:

Das Projekt „Interkulturelles Kochstudio“ wurde gemeinsam mit Mädchen und ihren Müttern aufgebaut und gab ihnen die Gelegenheit, gemeinsam zu kochen. Die Mädchen brachten eigene Rezept-Ideen aus ihren Heimatländern ein, aber auch Gerichte aus ihrem neuen Lebensumfeld in Deutschland konnten zusammen ausprobiert werden. Besonderheiten der verschiedenen Kulturen in Bezug auf Gerichte, Gewürze und Kochen wurden thematisiert und erläutert. Die Mädchen beteiligen sich aktiv an der Planung und am Einkauf der notwendigen Zutaten. Hierfür stand ihnen pädagogisches Fachpersonal zur Seite und begleitete Gespräche über Erinnerungen an die Herkunftsregion, neue Erfahrungen im Aufnahmeland oder praktische Fragen zu Rezepten und Ernährung. 

Eine gemeinschaftliche Küche wurde für das Projekt mit neuen Küchenutensilien und geeigneten Gewürzen aus verschiedenen Regionen erweitert. Den Mädchen setzten sich dabei auch mit einer gesunden Ernährung auseinander, aber der Austausch in der Gruppe und das eigenständige Einbringen von Rezepten, Ideen und vorhandenem Wissen stand im Vordergrund. Das Kochstudio lässt sich optimal mit dem Projekt „Säen und Ernten“ kombinieren.

Mögliche Anzahl der Teilnehmerinnen: je nach Platz 4-15
Geeignete Altersgruppe: flexibel nach Interesse, hier 10-20 Jahre mit Familienangehörigen
Benötigte Materialien: ausgestattete Küche, Küchenutensilien, Lebensmittel je nach Bedarf, Gewürze nach Bedarf und Wunsch der Teilnehmerinnen
Materialien: flexibel, hier einmal wöchentlich
Empfohlene Kooperationen: pädagogisches, soziales oder psychologisches Fachpersonal

Das Kochstudio-Projekt als PDF zum Ausdrucken

Impressionen vor Ort