Jetzt spendenDZI Siegel

Schutz- und
Spielräume für Kinder

Einrichtung und Betrieb von Schutz- und Spielräumen in der Notunterkunft Berlin-Tempelhof

Ziel: Schutz für Kinder in Unterkünften für Geflüchtete
Laufzeit: Dezember 2015 - März 2017
Teilnehmer: Notunterkunft Flughafen Berlin-Tempelhof
Region: Berlin
Geber: IKEA Deutschland, IKEA Stiftung, C&A, C&A Foundation, The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints, private Spenden


Die Idee

In den Jahren 2015 und 2016 flüchteten rund 500.000 Kinder nach Deutschland. Die meisten von ihnen kamen aus Kriegs- und Krisengebieten wie Syrien, Afghanistan, Irak und Eritrea. Sie benötigen besonderen Schutz. Doch viele von ihnen wurden in schnell eingerichteten, oft unübersichtlichen und nicht auf Kinder und Familien ausgerichteten Großunterkünften untergebracht. Verbindliche Richtlinien und Verfahren für den Schutz von Kindern existieren oft gar nicht oder nur unzureichend. Die Kinder sind zahlreichen Risiken und Gefahrenausgesetzt.

Mit unserem Projekt „Schutz- und Spielräume für Kinder“ wollen wir die Situation geflüchteter Kinder in der Notunterkunft verbessern. Dazu adaptieren wir das international erprobte Konzept der Child Friendly Spaces (CFS) und schaffen sichere Räume, in denen Kinder geschützt spielen, lernen und einfach nur Kind sein können. Zudem schulen wir Mitarbeitende in kinderschutzrelevanten Themen und identifizieren Risiken und Gefahren innerhalb der Unterkunft. Denn jedes Kind hat das Recht auf Schutz.


Die Umsetzung

Im Rahmen des Projekts „Schutz- und Spielräume für Kinder“ wurde das international erprobte Konzept Child Friendly Space (CFS) erstmals in Deutschland angewendet. Zwischen Dezember 2015 und März 2017 entstanden in Kooperation mit der Berliner Senatsverwaltung sowie dem Unterkunftsbetreiber Tamaja GmbH vier Schutz- und Spielräume für geflüchtete Kinder in der Notunterkunft auf dem ehemaligen Flughafengelände Berlin-Tempelhof.

Folgende Bausteine trugen zum nachhaltigen Erfolg des Projekts bei.

Schutz- und Spielräume

Das Konzept der Child Friendly Spaces (CFS) ist ein international erprobtes Konzept für den Schutz von Kindern in Krisensituationen und wird von Save the Children weltweit genutzt. Die Errichtung sogenannter Schutz- und Spielräume gibt den Kindern einen geschützten Raum, Struktur sowie Stabilität und ermöglicht ihnen vor allem eins: wieder Kind zu sein. In der Notunterkunft für Geflüchtete auf dem ehemaligen Flughafengelände Berlin-Tempelhof haben wir das Konzept erstmals auch in Deutschland umgesetzt.

Auf Grundlage des Konzepts entwickelten wir kindgerechte Raumkonzepte für insgesamt vier Schutz- und Spielräume in der Notunterkunft. Die Räume sind geschützte Rückzugsorte, an denen Kinder sicher spielen, lernen und lachen können. Ganz wichtig bei der Einrichtung: Die Kinder gestalten die Räume mit. Sie sollen sich hier wohlfühlen und erfahren, dass ihre Stimme und ihre Gedanken wichtig sind.

Für alle vier Räume stellte Save the Children im Rahmen des Projekts das Personal, darunter Sprachlehrer, eine Psychologin, ein Theaterpädagoge, eine interkulturelle Pädagogin und eine Kinderrechtsexpertin. Ehrenamtliche Helfer schulten wir in Kinderrechten, Kinderschutz und Psychologischer Erster Hilfe. Darüber hinaus wurden drei der Räume mit Hilfe des Projektpartners IKEA mit Spielzeug und Mobiliar ausgestattet.

Psychologische Erste Hilfe

Kinderschutz steht für uns an erster Stelle. Das Betreuungspersonal der Schutz- und Spielräume hat sich deshalb den weltweit bestehenden Kinderschutzstandards („Minimum Standards for Child Protection in Humanitarian Action“) verpflichtet und neben Schulungen in Kinderrechten und Kinderschutz ein Training zur Psychologischen Ersten Hilfe (engl.: Psychological First Aid [PFA]) durchlaufen.

Psychologische Erste Hilfe ist ein international anerkannter Ansatz für den Erstkontakt und Umgang mit von Krisen betroffenen Kindern. So wird das Personal darin gestärkt, psychosoziale Probleme von Mädchen und Jungen zu erkennen, ihre unmittelbare Not zu lindern und die Kinder in ihren Bewältigungsmechanismen zu unterstützen. Psychologische Erste Hilfe ersetzt dabei keine professionelle Beratung oder Therapie, doch sie stärkt die Handlungssicherheit des Personals im Umgang mit Kindern in Krisensituationen.

Kinderschutzrisikoanalyse

Damit Kinder in der Unterkunft besser geschützt werden können, wurde im Herbst 2016 eine Kinderschutzrisikoanalyse durchgeführt. Es wurden Interviews mit den Kindern und ihren Eltern sowie mit weiteren Angestellten wie Hausmeistern oder Mitarbeitenden des medizinischen Dienstes geführt und die Unterkünfte auf mögliche Risiken und Gefahren für Kinder untersucht. Als Gefahrenquellen wurden beispielsweise schlecht beleuchtete Wege, ungesicherte Baustellen, nicht abschließbare Toiletten und Duschbereiche identifiziert. Aber auch unzureichendes Wissen und mangelnde Verantwortlichkeiten im Fall von Gewalt oder Missbrauch wurden benannt. Die Analyse formulierte ganz konkrete Empfehlungen für die Unterkunft, die den Verantwortlichen zur Verfügung gestellt wurden.

Eine zentrale Maßnahme waren Beratungen und Schulungen für die Mitarbeitenden der Unterkünfte in psychologischer Erster Hilfe und psychosozialer Unterstützung. Zudem konnten Fachkräfte der Einrichtungen einen Lehrgang zum Thema Kinderschutz besuchen und wurden kontinuierlich von unserer Kinderschutzreferentin beraten.

Bevor es den Schutz- und Spielraum gab, gab es für uns Kinder hier nichts zu tun. Ich konnte immer nur in der Nähe unseres Zimmers spielen und musste Blickkontakt zu meiner Mutter halten. Hier im Schutz- und Spielraum möchte ich jetzt immer spielen.

Mada (4) aus Syrien

Bevor es den Schutz- und Spielraum gab, war ich fast nur in unserem Zimmer, […] weil ich die Atmosphäre da draußen mit den vielen Streitereien nicht mag.

Rita (12) aus Syrien

Der Kinderraum ist wunderschön!

Samira (9) aus Syrien

Projekt

Das BMFSFJ förderte die Errichtung weiterer Schutz- und Spielräume in Unterkünften für Geflüchtete.

Zum Projekt

Interview

Mitarbeiterin Johanna Zukova berichtet über die Arbeit in unseren Schutz- und Spielräumen.

Zum Interview

Ihre Ansprechpartnerin


Ein Programm von:


Gefördert durch: