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DZI-Geschäftsführer Burkhard Wilke im Interview: "Eine Kultur des Spendens fördern"

Was bedeutet das DZI-Siegel, das auch Save the Children Deutschland trägt? Und warum ist Transparenz so wichtig? Antworten hierauf gibt Burkhard Wilke, Geschäftsführer des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI), das als unabhängige Instanz Spender berät und seit 1992 das Spenden-Siegel vergibt.

© DZI

Aktuell 240 deutsche Spendenorganisationen hat das DZI durchleuchtet und für besonders förderungswürdig befunden. Was genau sagt das Spenden-Siegel aus?
Organisationen, die es tragen, verfügen über leistungsfähige, gut funktionierende Strukturen in der Leitung und Aufsicht und sind den Grundsätzen von Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit verpflichtet. Die Vergütungen und Verwaltungskosten werden offengelegt und sind angemessen; akzeptabel ist für uns ein Anteil von maximal 30 Prozent – der Durchschnitt liegt sogar bei nur 14 Prozent. Das Siegel erhält nur, wer ehrlich und eindeutig wirbt, umfassend und transparent informiert, also mit seriösen Mitteln zu überzeugen versucht und niemanden überrumpelt. Geprüft wird auch, ob die Finanzen gut dokumentiert werden, ob Strukturmerkmale, Prozesse und die Entwicklung veröffentlicht werden und die Organisation die Wirksamkeit ihrer Aktivitäten angemessen überprüft.

Warum legen Sie so großen Wert auf Transparenz?
Generell nimmt in unserer Gesellschaft das Vertrauen in Institutionen ab – auch die Bindung an Spendenorganisationen. Stattdessen gibt es eine Tendenz, einzelne konkrete Projekte unterstützen zu wollen. Wir interpretieren das als einen Ersatz für das verlorene Vertrauen, und viele Organisationen ermöglichen daher auch gezielte, zweckgebundene Spenden. Ich denke aber, dieser Trend sollte eher ein Ansporn sein, sich zu bemühen, das Vertrauen in die Gesamtorganisation wieder zu stärken. Das geht nur, wenn man sich offen und vertrauenswürdig präsentiert und beispielsweise auch Fehler, die ja überall passieren, nicht versteckt. So können sich die Spender ein realistisches Bild machen. Beim Thema Spenden gibt es viele Mythen, positive wie negative, und eine transparente Darstellung hilft, diese aufzubrechen: etwa die weit verbreitete Annahme, das meiste Geld käme ja ohnehin nicht bei den Bedürftigen an. Insgesamt sehen wir auch tatsächlich, dass die meisten Spendenorganisationen transparenter werden.

Sehen Sie zweckgebundene Spenden grundsätzlich kritisch?
Projektbezogene Spenden können im Einzelfall sinnvoll sein, zum Beispiel nach großen Katastrophen, wo viele Menschen gezielt für die Betroffenen spenden wollen. Die Regel sollten sie unserer Auffassung nach nicht sein. Anders, als viele denken, sind zweckgebundene Spenden ja nicht „direkter“: Oft führen sie sogar zu mehr Verwaltungsaufwand und behindern die Flexibilität der Arbeit. Schließlich gibt es in allen Bereichen auch Themen, die vielleicht weniger Spender emotional bewegen, die aber dennoch besonders wichtig und sinnvoll sind. Entscheidender als eine Zweckbindung ist ja die Frage, wie die Projekte umgesetzt werden, ob sie ihre Ziele erreichen und welche Mechanismen es gibt, um das zu überprüfen. Die Wirkungsanalyse wird immer wichtiger, und mit dem Thema befassen sich die Organisationen auch zunehmend.

Über das Spenden-Siegel hinaus: Was raten Sie jemandem, der überlegt, zu spenden? 
Das Wichtigste: Es sich nicht zu kompliziert zu machen – und es zu tun! Denn rund 60 Prozent der Deutschen spenden gar nicht. Man sollte sich überlegen, welche Anliegen und Ziele einem persönlich besonders wichtig sind. Gute Organisationen gibt es genug. Ich rate auch dazu, sich zu fokussieren und eher eine oder zwei Organisationen zu fördern, als zehn oder 20 mit jeweils einem kleinen Betrag. Schließlich zieht jede Spende auch einen Verwaltungsvorgang nach sich. 

Was wünschen Sie sich für die Spendenkultur in Deutschland?
Zuallererst, dass es üblicher wird, zu spenden – und dass darüber auch gesprochen und diskutiert wird, damit das Thema salonfähiger wird. Weltweit belegen wir auf dem Index der Spendenbereitschaft Platz 27, sind also eher im Mittelfeld. Da ist noch Luft nach oben. Innerhalb des gemeinnützigen Sektors wünsche ich mir mehr Kooperation und Austausch zwischen den Organisationen. Länder wie Großbritannien oder die USA zeigen, dass solche Zusammenarbeit und die dazugehörige Offenheit am Ende allen nützt und langfristig eine Kultur des Spendens fördert.