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Publisher Save the Children10.07.2018

Ankerzentren sind kein Ort für Kinder

Die deutschen Innenminister treffen sich in dieser Woche in Quedlinburg. Ein Thema ihrer Konferenz: Die Länderminister wollen mit Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) über die geplante Einführung von so genannten Ankerzentren für Geflüchtete sprechen.

Anker, dieses Wort steht für „Ankunft, Entscheidung, kommunale Verteilung beziehungsweise Rückführung (AnKER)“. Bis zum Herbst, so lauten Seehofers Pläne, sollen sechs solcher Sammelunterkünfte eingerichtet werden, insgesamt könnte es bundesweit längerfristig bis zu 40 solcher Einrichtungen geben. In den Zentren sollen die Geflüchteten, unter ihnen viele Familien mit Kindern und Jugendlichen, ihr komplettes Asylverfahren durchlaufen. Insgesamt würden bis zu 1.500 Menschen für bis zu 18 Monaten in den Großunterkünften untergebracht werden. Im Fall einer Ablehnung würden die Geflüchteten direkt aus den Ankerzentren abgeschoben werden. Nur Menschen mit von vornherein positiven Aussichten, hier zu bleiben, sollen auf die Städte und Gemeinden verteilt werden.

Wir von Save the Children sagen: Ankerzentren sind kein geeigneter Ort für Kinder und Jugendliche.
Deshalb haben wir schon Ende Mai gemeinsam mit 23 anderen Familien- und Flüchtlingsverbänden in einem offenen Brief vor dem Projekt gewarnt und an die Länder und Kommunen geschrieben. „Kinder haben ein Recht auf Bildung. Die Jungen und Mädchen müssen hier deshalb so schnell wie möglich in die Schule gehen. Und, das ist ebenso wichtig: Sie müssen nach ihrer Kriegserfahrung hier gute medizinische Versorgung, Sicherheit und Geborgenheit erfahren“, sagt Susanna Krüger, Geschäftsführerin von Save the Children Deutschland. All das aber können solche Ankerzentren nicht bieten. Geflüchtete Familien werden aus unserer Sicht am besten dezentral und in eigenen Wohnungen untergebracht.

Ankerzentren werden Lage geflüchteter Kinder verschlimmern

Im vergangenen Jahr waren 45 Prozent der nach Deutschland Geflüchteten Kinder und Jugendliche. Die Rechte dieser Kinder müssen im Asylverfahren berücksichtigt werden. „Es steht pädagogisch und vor allem rechtlich außer Frage, dass Kinder nicht nur besonderen Schutz benötigen, sondern ihnen elementare Rechte nicht vorenthalten werden dürfen. Das Kindeswohl muss Vorrang haben“, betont unsere rechtspolitische Sprecherin Meike Riebau. Die Pläne der Bundesregierung lassen diese Erkenntnisse nicht nur außer acht – sie laufen ihnen zuwider. Bereits in bestehenden Unterkünften werden die Rechte von Kindern immer wieder verletzt, wie die Studie „Zukunft! Von Ankunft an.“ zeigt. Ob es um Gesundheit, Zugang zu Bildung, Rückzugsorte, Schutz oder Partizipation geht – es besteht viel Verbesserungsbedarf. In Ankerzentren droht sich all dies zu verschlimmern.

Auch viele Länderminister haben sich in den vergangenen Wochen skeptisch zu Seehofers Ankerzentren geäußert. Sie vermissen ein Konzept und kritisieren, dass die Zuständigkeiten ungeklärt sind. Bisher haben nur Bayern und Sachsen klar signalisiert, mitziehen zu wollen; auch das Saarland und Sachsen-Anhalt zeigen sich aufgeschlossen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und sein Kabinett  haben am 4. Juni beschlossen, dass jeder Regierungsbezirk ein Ankerzentrum bekommt, sieben werden es also insgesamt in Bayern. Dabei sollen zum Teil bestehende Erstaufnahmeeinrichtungen umgewandelt werden. In Bayern wird im Herbst ein neuer Landtag gewählt.

Unser Appell: 

Unser Appell an die Innenministerkonferenz lautet: Ankerzentren sind kein Zuhause für Kinder. Kinder haben ein Recht auf kindgerechte Lebensbedingungen. Stoppen Sie die Ankerzentren!

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