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HRFFB21BangladeschPublisher Save the Children24.09.2021HRFFB21

"Bangla Surf Girls": Interview mit der Produzentin Lalita Krishna

Surfende Mädchen und Frauen sind in Bangladesch eine absolute Seltenheit. In dem Film "Bangla Surf Girls" begleiten die Produzentin Lalita Krishna und ihr Filmteam einige von ihnen bei ihrer Suche nach einer selbstbestimmten Zukunft. Über den Mut dieser jungen Frauen in einer Gesellschaft, die einen anderen Weg für sie vorgesehen hat, spricht Lalita Krishna hier im Interview.

Ausschnitt aus dem Film "Bangla Surfing Girls", Teil der Filmreihe von Save the Children beim Human Rights Film Festival Berlin 2021. © Human Rights Film Festival Berlin

Der Dokumentarfilm "Bangla Surf Girls" ist Teil der Filmreihe von Save the Children beim diesjährigen Human Rights Film Festival Berlin. Zwischen dem 16.-25. September 2021 werden im Rahmen des Filmfestivals 40 Dokumentarfilme gezeigt – online als Stream, in Berliner Kinos sowie den Atelier Gardens @BUFA (Tempelhof). Den Dokumentarfilm "Bangla Surf Girls" können Sie hier sehen.


Die Protagonistin Ihres Films sagt: "Ich bin 13 Jahre alt und ich verstehe alles" – ein sehr beeindruckendes Zitat. Wie haben Sie eine so beeindruckende Gruppe von Mädchen für ihren Film gefunden?

Lalita Krishna: Elizabeth D. Costa, die Regisseurin und Kamerafrau dieses Films, lebt und arbeitet in Bangladesch. Sie war in Cox's Bazar, einer Gegend, in der es zwar einen Strand gibt, das Surfen allerdings nicht besonders populär ist. Trotzdem sah sie diese jungen Mädchen mit Surfbrettern unterm Arm. Mädchen, die normalerweise ab einem Alter von fünf, sechs oder sieben Jahren bereits auf der Straße Waren verkaufen müssen. Da begann diese Geschichte. Und weil die Kinder in vielen Gegenden gezwungen sind, den Lebensunterhalt für ihre Familie mitzuverdienen, werden sie sehr schnell erwachsen. Diese Mädchen sind sehr klug. Sie sagten Dinge wie: "Wie kann ich eine Zukunft haben, wenn ich meine Zukunft nicht selbst gestalte?". Sätze, die so philosophisch waren, dass man meinen könnte, sie stammten aus einem Buch.

Ist dies ein Film über weibliche Selbstbestimmung, über die Handlungsfähigkeit von Frauen im Allgemeinen, über ihren eigenen Körper und ihre Entscheidungen im Leben?

Ja, das ist die Botschaft des Films. Diese jungen Frauen sind in gewisser Weise in ein Schicksal hineingeboren. Ihre Mütter, ihre Schwestern, ihre Tanten, ihre Großmütter, alle haben die Erwartung, dass sie diesen vorbestimmten Weg einschlagen. Als Frauen geboren zu werden, bedeutet für sie oft, früh zu heiraten, Kinder zu bekommen und so den Kreislauf der Armut fortzusetzen. Die Eltern meinen das nicht böse, sie kennen es nichts anders.

Als die Mädchen das Surfen und diese Freiheit für sich entdeckten, fanden sie sich auch in einer Gruppe zusammen, in der über solche Themen gesprochen wird. Es gibt eine erstaunliche Art von Ermächtigung, die durch den Sport zustande kommt, die ihnen die Freiheit gibt, zu träumen. Diese Mädchen werden den Weg, der ihnen von ihren Eltern vorgegeben wurde, nicht einfach akzeptieren. Sie rebellieren und versuchen, ihre eigene Zukunft zu gestalten und hoffentlich Vorbilder für eine neue Generation von Kindern zu werden.

Glauben Sie, dass die Mädchen in ihrer Gemeinde etwas bewirken und andere junge Frauen und Mädchen mit ihrer Einstellung inspirieren?

Wir hofften, es würde wie in einem Bilderbuch ablaufen, wo ein Mädchen so lange das Surfen übt, bis sie zu einem internationalen Wettbewerb fährt und ein Champion wird. Aber in der Realität ist alles viel komplizierter.

Die Regisseurin Elizabeth entwickelte eine enge Beziehung zu unserer Protagonistin und wurde schließlich auch von der Familie sehr willkommen geheißen – selbst vom Vater. Der Surf Club war hingegen gar nicht gern gesehen. Es ist leicht, der Gesellschaft oder den Eltern die Schuld [für diese Umstände] zu geben, aber der eigentliche Bösewicht in diesem Zusammenhang ist die Armut. Der Organisator des Surfclubs, Rashid, hat sich daher eine Lösung überlegt: Warum ersetzen wir nicht das Einkommen, das diese Kinder der Familie einbringen sollen, durch ein Lebensmittelpaket für die Familie, damit die Mädchen nicht arbeiten müssen und stattdessen zur Schule gehen und surfen können? Es scheint eine so einfache Lösung zu sein, die dazu überhaupt nicht teuer ist.

Ich hoffe sehr, dass alle Menschen, der gemeinnützige Sektor sowie [große globale Partnerschaften wie] die Weltbankgruppe sehen, wie einfach eine lokale Initiative sein kann und wie viel sozialen Wandel sie bewirken kann.

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