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Publisher Save the Children13.08.2020Libanon

Beirut: MEHR ALS EINE HALBE MILLION KINDER KÄMPFEN UMS ÜBERLEBEN

Die Wirtschaftskrise im Libanon hat sich durch die Corona-Pandemie dramatisch verschärft. Besonders im Großraum Beirut können sich Familien weder die überlebenswichtigen Grundnahrungsmittel und Trinkwasser, noch Brennstoff zum Kochen und Basis-Hygieneartikel leisten.

Der zweijährige Faris* ist einer von über 500.000 Kindern im Großraum Beirut, die von Hunger bedroht sind. © Baraa Shkeir / Save the Children Lebanon

Dunkelziffer der Hilfsbedürftigen könnte weit höher liegen

Seit September letzten Jahres sind die Preise für Nahrungsmittel und Unterkünfte um 169 Prozent in die Höhe geschnellt, während die Arbeitslosigkeit um 35 Prozent und im informellen Sektor sogar um 45 Prozent gestiegen ist. Die Inflation hat die Kaufkraft der Familien, die bereits um 85 Prozent gesunken ist, weiter verringert.

Diese Krise trifft ausnahmslos alle – libanesische Familien, palästinensische und syrische Geflüchtete gleichermaßen. Noch vor Ende des Jahres werden die ersten Kinder an Hunger sterben.

Jad Sakr, Länderdirektor von Save the Children im Libanon

Uns erreichen schreckliche Erlebnisberichte, die die ganze Dramatik der Familien widerspiegeln. Eine Mutter berichtet: "Wenn wir etwas zu essen haben, essen wir. Wenn wir nichts [zu essen] haben, dann essen wir auch nichts. Es gibt Zeiten, in denen wir uns Geld leihen, nur um zu essen. (…) Es gibt Tage, da weinen sich meine Töchter in den Schlaf. Manchmal vor Hunger, manchmal [wegen] des Coronavirus. Diese Krise hat sie tief getroffen." Ihr Ehemann verlor seine Arbeit aufgrund der Corona-Pandemie.

Meine neunjährige Tochter fragt uns, ob sie anfangen darf zu arbeiten – Taschentücher auf der Autobahn verkaufen. Ich konnte damit nicht umgehen und brach in Tränen aus. Meine Tochter will arbeiten, nur um einen Teil der Last mit uns zu tragen. Nur um uns zu helfen, damit ihre Geschwister nicht verhungern. Aber genau das fürchte ich für meine Töchter.

Mutter aus dem Libanon

Einer Umfrage des Welternährungsprograms zufolge haben ein Drittel der libanesischen Haushalte während der Krise Einkommensverluste hinnehmen müssen. So konnten sie deutlich weniger Geld für Lebensmittel ausgeben. Viele Familien haben ihre Ersparnisse aufgebraucht oder sich verschuldet. Eine von fünf libanesischen Familien und 33 Prozent der syrischen Familien verzichtete auf eine Mahlzeit des Tages oder gar einen ganzen Tag lang auf alle Mahlzeiten. 50 Prozent der Libanesen, 63 Prozent der Palästinenser und 75 Prozent der Syrer waren besorgt, dass sie nicht mehr genug zu essen haben würden.

Wir helfen vor Ort

Um die Kinder und ihre Familien zu unterstützen, hat Save the Children gemeinsam mit Partner*innen begonnen, Lebensmittelpakete zu verteilen. © Baraa Shkeir / Save the Children Lebanon

Save the Children appelliert an die libanesische Regierung, unverzüglich ein transparent verteiltes und finanziell angemessenes Hilfspaket für besonders betroffene Familien aufzusetzen. Damit könnten die Grundbedürfnisse abgedeckt, und die durch COVID-19 verursachten Einkommensverluste ausgeglichen werden. Außerdem haben wir mit der Verteilung von Lebensmittelpaketen begonnen. Mit der Unterstützung von lokalen Partner*innen und Verteilungsteams werden 1.554 Lebensmittelpakete an syrische, libanesische und palästinensische Haushalte verteilt. Die Lebensmittelpakete decken 80% des Ernährungsbedarfs einer fünfköpfigen Familie für einen Monat. Außerdem geben wir Mehrzweck-Bargeldhilfen an etwas mehr als 1.000 bedürftige Familien aus und stellen die kontinuierliche Bereitstellung von Bildungs- und Kinderschutzdiensten für die bedürftigsten Mädchen und Jungen sicher.

UNSERE NOTHILFE IN AKUTEN KRISEN

Wirtschaftskrisen, Corona-Pandemie, Naturkatastrophen oder Kriege: Kinder leiden am meisten. Unsere Nothilfe-Einsätze sind nur durch Ihre Spenden möglich. Bitte helfen Sie mit einer Spende, damit wir Kinder wie beispielsweise im Libanon unterstützen können. 

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