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Publisher Save the Children21.02.2019

Blog: Ist das das Ende?

Sukaina* kommt aus dem Jemen und arbeitet dort für Save the Children. Seit 2015 herrscht Krieg und das Land ist Schauplatz einer der größten humanitären Krisen der Welt. Hier schreibt sie über ihr Leben.

Es ist früh am Morgen, aber während ich diesen Text schreibe, denke ich bereits an heute Abend. An das, was passieren könnte. Wird es Luftangriffe geben? In den letzten Monaten war es relativ ruhig, aber vor kurzem sind die Luftangriffe wieder mehr geworden. 

Ich erinnere mich noch, wie aufgeregt wir waren, als mein Mann und ich mit unserem Sohn in diese Wohnung gezogen sind. Sie liegt im 9. Stock! Das bedeutet, dass wir oft die Treppen laufen müssen, weil der Strom häufig ausfällt. Der Ausblick von unserer Wohnung über Sana'a, die Hauptstadt im Jemen, ist atemberaubend, aber in der Nacht unseres Einzuges fingen die Luftangriffe wieder an. 

Bei jedem Angriff lege ich mich neben meinen kleinen Sohn – er ist drei Jahre alt – und kuschele mit ihm und seinem einäugigen Kuschelschaf. Wir kuscheln so lange, bis der Angriff vorbei ist. Es gibt keinen Schutzraum, in dem wir uns vor den Bomben verstecken könnten.

Sukaina aus dem Jemen

Manchmal setzen wir uns Kopfhörer auf und spielen laut Musik, damit wir von draußen nichts hören. Manchmal liegen wir aber auch ganz still da und lauschen den Geräuschen der Flugzeuge. Es ist paradox, denn mein Sohn liebt Flugzeuge und nimmt immer sein kleines orangenes Flugzeug mit, wenn wir irgendwo hingehen. Er ist aufgeregt und ruft: "Komm Mama, lass uns die Flugzeuge anschauen!", aber ich halte ihn vom Fenster zurück, weil ich weiß, dass bei uns schon lange keine Flughäfen mehr in Betrieb sind. Ich weiß: Ein Flugzeug bedeutet Bomben. Wenn ich höre, wie sie sich uns nähern, denke ich: "Das könnte das Ende sein". 

Ich versuche ruhig zu bleiben, für meinen Sohn. Aber in mir tobt die Angst und ich denke mit Schrecken daran, wie wir hier nur herauskommen sollen, wenn eine Bombe unser Haus trifft. Kinder merken diesen innerlichen Stress. Mein Sohn sagt dann zu mir: "Mama, lächle mal. Mama, sei fröhlich und nicht traurig!"

Ich versuche es. Obwohl mein Land im Krieg versinkt, Bomben fallen, Menschen hungern, versuche ich zu lächeln und fröhlich zu sein. Für meinen Sohn. 

Bitte denken Sie heute Abend an uns, bevor Sie schlafen gehen – in Sicherheit, ohne die Geräusche von Kampfflugzeugen. Ohne Angst, im nächsten Augenblick von einer Bombe getroffen zu werden. 

*Name aus Schutzgründen geändert


Save the Children arbeitet seit 1963 im Jemen, unter anderem in den Bereichen Bildung, Kinderschutz, Gesundheit und Ernährung. Seit der Konflikt im März 2015 eskaliert ist, haben wir mehr als drei Million Menschen mit unserer Nothilfe erreicht – darunter mehr als 2 Millionen Kinder. 

Wenn auch Sie die Menschen im Jemen unterstützen möchten, können Sie hier spenden. 

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