Jetzt spenden DZI Siegel
Publisher Save the Children16.04.2020Corona

Corona in Deutschland: Was Kindern und Eltern Sorgen macht

Eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag von Save the Children zum Umgang von Familien mit den Schulschließungen und Kontaktbeschränkungen hat ergeben, dass sich jedes zehnte Kind daheim allein und unwohl fühlt.

Forsa hat im Auftrag von Save the Children Kinder und Eltern in Deutschland zu ihren Sorgen während der Corona-Krise befragt. © Chris de Bode / Save the Children

Forsa befragte in der Woche vor Ostern Kinder zwischen acht und 17 Jahren sowie Erwachsene, die Kinder in diesem Alter haben. Die Umfrage ergab außerdem, dass die meisten Kinder in Deutschland in der Corona-Krise den Kontakt zu ihren Freunden vermissen, aber die zusätzliche Zeit zu Hause genießen. Für die meisten Eltern stellt die Ungewissheit über die Dauer der Maßnahmen die größte Belastung dar. 

Ein großer Teil der Familien scheint mit der Situation insgesamt gut umgehen zu können. Aber darüber dürfen wir die Kinder und Familien nicht vergessen, die in der aktuellen Krise stark überfordert sind. Wie unsere Umfrage zeigt, haben viele Kinder schlichtweg Angst, fühlen sich eingesperrt und sorgen sich um Streit in der Familie.

Susanna Krüger, Vorstandsvorsitzende von Save the Children Deutschland

Fast die Hälfte der Mädchen und Jungen stört außerdem, dass sie nicht zur Schule gehen können. Zudem bedrückt ein Drittel der befragten Kinder, dass sie vielleicht in der Schule den Anschluss verlieren oder den Schulabschluss nicht machen könnten. Die Frage, welche Konsequenzen der ausfallende Schulbesuch für ihre Kinder hat, macht auch 33 Prozent der Eltern Sorgen. Mehr als ein Viertel der Kinder wissen nicht, was sie mit ihrer Zeit anfangen sollen oder empfinden sich als "zu Hause eingesperrt". Die Hälfte der Eltern macht die Ungewissheit zu schaffen, nicht zu wissen, wann ihre Kinder wieder zur Schule gehen können. 

Furcht vor Infektion, schulischen Problemen und mehr Streit in der Familie

Welche Sorgen und Ängste treiben die Kinder und die Eltern in der Corona-Krise um? Bei den Kindern ist die Sorge am größten, dass ein Freund oder Familienmitglied krank werden könnte. Bei den Eltern äußern 63 Prozent diese Sorge. Vor einer eigenen Erkrankung fürchten sich 32 Prozent der Mädchen und Jungen. Bei den jüngeren Kindern zwischen acht und zehn Jahren ist diese Sorge besonders stark: In dieser Altersgruppe haben knapp die Hälfte der Kinder Angst, selbst mit dem Virus angesteckt zu werden. Über die Hälfte der Eltern bedrückt zudem die berufliche Unsicherheit und die Angst, infolge der Corona-Krise ihren Arbeitsplatz verlieren zu können. Fast jedes fünfte Kind sorgt sich auch, dass es in seiner Familie zunehmend Streit geben könnte. 

Elf Prozent der Kinder fühlen sich laut unserer Forsa-Umfrage traurig, sieben Prozent haben Angst. Das sind die Kinder, die wir jetzt in Deutschland erreichen müssen. Das sind die Kinder, denen wir Angst nehmen und vor allem Sicherheit geben müssen.

Susanna Krüger, Vorstandsvorsitzende von Save the Children Deutschland

Die Forsa-Umfrage zeigt auch einige positive Ergebnisse. So funktioniert in den meisten Familien die Kommunikation über das Coronavirus und seine Gefahren gut. 88 Prozent der Eltern finden es eher leicht oder sogar sehr leicht, mit ihren Kindern über das Thema zu reden. Fast allen Kindern fällt es leicht, mit ihren Eltern über das Corona­-Virus zu sprechen. Ebenso scheint das Lernen ohne Schule aus Sicht vieler Familien recht gut zu klappen. 70 Prozent der Eltern meinen, dass es bei ihrem Kind bzw. ihren Kindern gut oder sehr gut funktioniert. Die Kinder teilen diese Einschätzung: Fast zwei Drittel finden, dass das Lernen zu Hause gut läuft. Einige Familien können der Situation sogar etwas direkt Positives abgewinnen: So sagen 43 Prozent der befragten Eltern und 38 Prozent der Kinder, dass sie es genießen, jetzt mehr Zeit mit ihrer Familie zu haben.

Corona-Krise: So hilft Save the Children

Angesichts der Ausbreitung von Covid-19 verstärkt Save the Children nicht nur in Deutschland, sondern weltweit die Aktivitäten in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Kinderschutz. Zusätzlich zu ihrer bisherigen Arbeit rund 120 Ländern setzt sich die Kinderrechtsorganisation dafür ein, Neuansteckungen zu verhindern, medizinisches Personal zu unterstützen und die Auswirkungen der Pandemie für Kinder erträglich zu machen. Bitte unterstützen Sie Kinder und ihre Familien in der Corona-Krise mit einer Spende, danke!

Artikel teilen

Auch interessant

CoronaBildung

Äthiopien: Kinderbücher per Kamel-Express

Wegen der Corona-Pandemie sind auch in Äthiopien die Schulen geschlossen. Damit Kinder vor allem in entlegenen Gebieten weiter lernen und lesen…

Ein Gesundheitshelfer von Save the Children in Somalia misst bei einer Frau und ihrem Kind Fieber als Maßnahme gegen die Ausbreitung des Corona-Virus. © Abdirahman Mohamed / Save the Children
Corona

Corona-Pandemie: Aufklärung gegen Stigmatisierung und Mythen

In vielen afrikanischen Ländern führen Mythen und Fehlinformationen über COVID-19 zu Ausgrenzungen Betroffener und ihrer Familien. Save the…

Vor allem in Subsahara-Afrika und Südasien drohen viele Kinder durch die Corona-Pandemie in noch mehr Armut abzurutschen. © Rajan Zaveri / Save the Children
Corona

86 Millionen Kindern droht Armut durch Corona

Laut einer aktuellen Analyse von Save the Children und UNICEF könnte die Zahl der Kinder in von Armut betroffenen Haushalten weltweit in Folge…

Trockenheit in Simbabwe: Immer öfter auftretende klimabedingte Katastrophen verschärfen die Ernährungssituation in zahlreichen Ländern. © Sacha Myers / Save the Children
KlimawandelCoronaHunger und Mangelernährung

Global Nutrition Report 2020: Mangelernährung weit verbreitet

Jahrzehntelang sank die Zahl der Hungernden weltweit, seit drei Jahren steigt sie allerdings wieder an. Im Mai wurde der Global Nutrition Report…

Im Jemen herrscht seit 2015 Krieg, viele Krankenhäuser wurden bereits zerstört. Nun droht die Gesundheitsversorgung noch weiter einzubrechen, da medizinisches Person nicht über ausreichend Schutzkleidung verfügt, um sich vor Corona schützen zu können. © Mohammed Awadh / Save the Children
CoronaJemen

Jemen: Immer mehr Menschen sterben an Corona-ähnlichen Symptomen

Mindestens 385 Menschen sind letzte Woche im Jemen verstorben: Alle an COVID-19 ähnlichen Symptomen.

Eine Mutter mit ihrem 10 Monate alten Baby im Rohingya-Camp in Cox Bazar. Im größten Flüchtlingscamp der Welt ist Abstand halten kaum möglich. © Allison Joyce / Save the Children
CoronaRohingya

Erster COVID-19 Fall in Cox's Bazar

Im Rohingya-Camp in Bangladesch gibt es den ersten nachgewiesenen Corona-Fall. Unsere Kollegin Athena Rayburn arbeitet vor Ort und warnt, dass…

Ahmad* (13) lebt mit seinem Vater seit über zwei Jahren im Al Hol Camp in Syrien, nachdem sie aus ihrer Heimat vertrieben wurden. © Save the Children
CoronaSyrien

Corona in Syrien: Save the Children fordert Rückführungen aus al Hol

Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie fordert Save the Children die Evakuierung von mehr als 7.000 ausländischen Kindern, die unter…

Ein Junge arbeitet zu Hause am Schreibtisch. © Jonathan Hyams / Save the Children
Corona

Umfrage zeigt: Kinder entwickeln wegen der Corona-Maßnahmen Angstgefühle

Eins von vier befragten Kindern, das von den Corona-Maßnahmen, sozialen Einschränkungen und Schulschließungen betroffen ist, hat mit…

Corona

Spendenaktion „Ein Schutz fürs Leben“ gestartet

Um unsere weltweite Corona-Nothilfe zu unterstützen, hat das Frauenmagazin BRIGITTE gemeinsam mit dem Modeunternehmen gardeur Atemschutzmasken…

Susanna Krüger, Vorstandsvorsitzende von Save the Children und ehrenamtliches Aufsichtsratsmitglied der KARUNA eG. (links) und Jörg Richert, Vorstandsvorsitzender der KARUNA Sozialgenossenschaft (rechts) beim gemeinsamen Pressetermin im Haus der Statistik am Alexanderplatz in Berlin. © Jule Müller / Save the Children
CoronaDeutschland

Corona: Hilfsprogramm für Straßenjugendliche in Berlin gestartet

Save the Children und die Inklusionsgemeinschaft KARUNA bündeln ihre Expertise aus 100 Jahren humanitärer Hilfe und 30 Jahren Jugendhilfe, um…

Eine Mutter mit ihrem Kind beim Impfen. In Äthiopien sind durchschnittlich 43 Prozent aller Kinder geimpft. © Zacharias Abubeker / Save the Children
InterviewCorona

Weltimpfwoche 2020: "Die COVID-19-Pandemie hat uns gezeigt, dass die Welt ein kleines Dorf ist."

Mirafe Solomon leitet für Save the Children das Impfprogramm in Äthiopien und unterstützt Impfprojekte für besonders schwer erreichbare,…

Kämpfe im Jemen erschweren die Prävention gegen COVID-19. © Noora Nasser / Save the Children
CoronaJemen

Jemen: Verstöße gegen Waffenruhe erschweren Corona-Prävention

Heute endet die von der Militärallianz unter Führung von Saudi-Arabien ausgerufene Waffenruhe im Jemen. Seit deren Verkündung am 9. April wurden…

Die Corona-Pandemie droht in Westafrika eine Hungerkrise auszulösen. © Rachel Palmer / Save the Children
CoronaHunger und Mangelernährung

50 MILLIONEN MENSCHEN IN WESTAFRIKA DURCH COVID-19 VOM HUNGER BEDROHT

Laut der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) könnte die Zahl der Menschen, die von Ernährungsunsicherheit und Unterernährung…

Adriana* aus Mexiko lebt derzeit mit ihrer Mutter und ihren beiden älteren Schwestern in einem Flüchtlingscamp an der Grenze zu den USA. Sie hat an einem von Save the Children organisierten Workshop zum Thema: 'Was ist der Corona-Virus' teilgenommen und ein Hygiene-Set bekommen. © Save the Children Mexico
InterviewCorona

Corona und die Folgen - Susanna Krüger im Interview

Das neue Corona-Virus trifft sowohl gut versorgte als auch arme Länder weltweit. In Europa und den USA ist zu sehen, wie selbst…

Forsa hat im Auftrag von Save the Children Kinder und Eltern in Deutschland zu ihren Sorgen während der Corona-Krise befragt. © Chris de Bode / Save the Children
CoronaDeutschland

Corona in Deutschland: Was Kindern und Eltern Sorgen macht

Eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag von Save the Children zum Umgang von Familien mit den Schulschließungen und Kontaktbeschränkungen…

Ein einjähriges Kind auf den Philippinen trägt eine Atemschutzmaske, um sich vor Corona zu schützen. © Save the Children / Lei Tapang
CoronaGesundheit

Corona-Krise: 100 Millionen Dollar Spendenaufruf gestartet

Wir haben weltweit einen 100 Millionen Dollar Spendenaufruf für die Corona-Hilfe gestartet. Das ist der höchste Spendenaufruf in der…

Gesundheitspersonal wie Benjamin Eleyo in Turkana, Kenia, tragen an vorderster Stelle zur Eindämmung des Corona-Virus bei. © Hesboun Etyang / Save the Children
CoronaGesundheit

Weltgesundheitstag: Anerkennung für Gesundheitsfachkräfte

Am heutigen Weltgesundheitstag möchten wir gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation denjenigen unsere Anerkennung aussprechen, die an…

Geflüchtete, unter ihnen viele Kinder und ältere Menschen, haben nicht die Möglichkeit, sich ausreichend vor einer Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus zu schützen. Save the Children fordert Bund und Länder auf, bestehende Rechtslagen einzuhalten. © Christof Rieken / Save the Children
CoronaFlucht

Corona-Krise: Geflüchtete Kinder nicht ausreichend geschützt

Geflüchtete, unter ihnen viele Kinder und ältere Menschen, haben in Deutschland nicht die Möglichkeit, sich ausreichend vor einer Ansteckung mit…

In Syrien leiden die Menschen seit über 9 Jahren unter Krieg und Zerstörung. Niemand ist hier ausreichend auf die Corona-Pandemie vorbereitet. © Save the Children
CoronaJemenSyrien

Krisengebiete im Nahen Osten nicht auf Corona vorbereitet

Mehr als 15 Millionen Kinder und ihre Familien in den Krisengebieten des Nahen Ostens können bei einer Ausbreitung der COVID-19-Pandemie nicht…

Eine kenianische Mutter wäscht ihrem kleinen Kind die Hände. © Fredrik Lerneryd / Save the Children
CoronaGesundheit

Corona-Virus: Schnelles Handeln überlebenswichtig

Save the Children warnt: Die Ausbreitung des neuartigen Corona-Virus könnte in Südasien und Afrika zu Millionen von Toten führen und die…

Ein Mädchen spielt im Haus. ©Chris de Bode / Save the Children
CoronaGesundheitKinderschutz

Kinderschutz in Zeiten von Corona

Schulen und Kitas sind geschlossen, Kinder müssen zu Hause bleiben. Viele Familien stellt die derzeitige Corona-Krise vor eine Zerreißprobe und…

CoronaGesundheit

Corona-Krise: Weltweite Waffenruhe nötig, um Kinderleben zu retten

Save the Children unterstützt die Forderung von UN-Generalsekretär António Guterres nach einer sofortigen globalen Waffenruhe. Gerade für 415…

Menschen im größten Flüchtlingscamp weltweit in Cox's Bazar in Bangladesch. © Allison Joyce / Save the Children
CoronaGesundheit

Corona-Virus: Weltweit Millionen geflüchtete Kinder in Gefahr

Weltweit sind 70 Millionen Menschen auf der Flucht, darunter 12 Millionen Kinder. In Syrien, im Megacamp Cox‘s Bazar oder in Subsahara-Staaten.…

CoronaGesundheit

Corona-Virus in Italien: Kinder können nicht zur Schule gehen

Mehr als 3,7 Millionen italienische Kinder und Jugendliche können derzeit nicht zur Schule gehen. Mit dieser Maßnahme möchte die italienische…

Arzt mit Stethoskop in Bangladesch © Ellery Lamm / Save the Children
CoronaGesundheit

Corona-Virus: Besondere Gefahr für Kinder?

Das Corona-Virus könnte vor allem für Kinder in Teilen Asiens, des Mittleren Ostens und Afrikas gefährlich werden. Dort sind Gesundheitssysteme…