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Publisher Save the Children26.04.2018

D.R. Kongo: Der aktuelle Konflikt zwingt Tausende zur Flucht

Obwohl der Bürgerkrieg in der D.R. Kongo 2003 offiziell für beendet erklärt wurde, halten die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Regierungskräften und Milizen weiter an. Im April 2012 kam es erneut zu massiven Kämpfen. Seitdem sind eine halbe Million Menschen auf der Flucht. Save the Children ist vor Ort, um Nothilfe zu leisten.

Die 14-jährige Lillian kommt gerade von der Schule, als sie bemerkt, dass bewaffnete Gruppen ihr Dorf eingenommen haben. Es gelingt ihr, sich unbemerkt in ihr Haus zu schleichen, doch sie findet es verlassen vor. Ihre Mutter und ihre Geschwister sind bereits geflohen. Vier Schulfreundinnen von Lillian werden von den Rebellen entdeckt und vergewaltigt. „Ich sah zu, als es passierte – ich hatte solche Angst und bin einfach weggerannt“, erzählt sie. Lillian erfährt später, dass zwei ihrer Freundinnen an den schweren Verletzungen des Überfalls starben. Auf der Flucht trifft sie andere Vertriebene und schließt sich ihnen an.


Auf der Flucht getrennt

Wenn bewaffnete Gruppen in ein Dorf einfallen, fliehen die meisten, so schnell sie können. Nach Schätzungen wurden dabei mehr als tausend Kinder von ihren Familien getrennt. Die meisten von ihnen haben weder Geld noch etwas zu Essen und keine Möglichkeit, ihre Familien zu kontaktieren. Gerade unbegleitete Kinder sind in besonderer Gefahr: Wenn sie auf die Rebellen treffen, drohen ihnen schwere Misshandlungen, sexueller Missbrauch – oder sie werden gezwungen, sich den Gruppen anzuschließen. Lillian lief zu Fuß nach Goma, ein sechsstündiger Marsch. „Ich bin durch den Busch gelaufen und hatte die ganze Zeit Angst. Ich wusste, dass es nicht ungefährlich ist.“

 


Save the Children versucht, Familien zusammenzuführen

Seit dem Völkermord im benachbarten Ruanda im Jahr 1994 unterstützt Save the Children Flüchtlinge in der Demokratischen Republik Kongo. In der aktuellen Krise helfen die Mitarbeiter von Save the Children den Kindern, ihre Familien ausfindig zu machen. Doch es ist nicht einfach: „Es ist wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen“, erzählt Save the Children-Mitarbeiterin Katie Seaborne. „Die Kinder haben keine Handys und die Häuser haben keine Postanschrift. Der gesamte Prozess stützt sich auf Mundpropaganda.“ In den Flüchtlingslagern werden sogenannte „Horchposten“ errichtet, an denen die Kinder Ansprechpartner finden. Die Teams registrieren die Kinder und verteilen Informationen in einem Netzwerk. 923 Kinder sind derzeit registriert. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass die Dunkelziffer weit höher ist. Bis ihre Eltern gefunden sind, werden die Kinder in Pflegefamilien untergebracht und mit dem Nötigsten versorgt.

Unsere Nothilfemaßnahmen, mit Schwerpunkt auf dem Schutz der Kinder:

  • Versorgung und Unterbringung von Kindern, die auf der Flucht von ihren Familien getrennt wurden, sowie Hilfe bei der Familienzusammenführung.
  • Verteilung von Nothilfegütern, wie Nahrungsmittel, Haushalssets etc.
  • Einrichtung von insg. 19 ambulanten Ernährungsstationen, u.a. zur Behandlung von mangelernährten Kindern.

Bisher konnten wir 16.491 Menschen erreichen.


Anicet hat seine Eltern gefunden

Lillian hat ihre Mutter und ihre Geschwister bisher nicht wiedergefunden. Sie lebt immer noch im Flüchtlingslager in Goma, unter unsicheren Bedingungen. 

Es gibt jedoch auch Erfolge. Der 10-jährige Anicet zum Beispiel ist eines der Kinder, denen Save the Children helfen konnte, seine Familie wiederzufinden. „Ich erinnere mich an den Tag unserer Trennung. Ich hörte Schüsse und hatte große Angst. Ich dachte, meine Eltern sind tot.“ Mehrere Monate lebte Anicet alleine und war auf fremde Hilfe angewiesen. Vor einem Monat dann die gute Nachricht: Seine Eltern wurden gefunden. Die Freude war groß. „Ich bin so glücklich, meinen Vater wiederzusehen. Bitte macht mit eurer Hilfe weiter, damit auch andere Kinder ihre Eltern wiederfinden.“
 

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