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Publisher Save the Children06.04.2021Klimawandel

Die Klimakrise gefährdet die Gesundheit von Millionen Kindern

Am 7. April 2021 findet der World Health Day mit Fokus auf Ungleichheiten weltweit statt. Wir beleuchten in drei Beiträgen, wie der Zugang zu Gesundheitsversorgung fairer gestaltet werden kann. Wie hängt die Klimakrise mit Gesundheit zusammen? Im Nordwesten Kenias sind die Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit von Kindern bereits spürbar.

Ngicwae Emoni Amodoi mit einem Teil ihrer Familie in Turkana, Kenia. Zwei ihrer Töchter sind aufgrund akuter Unterernährung in medizinischer Behandlung durch Save the Children

Es ist ein heißer Nachmittag im Dorf Nayanaeapuu in Turkana, Kenia. Ngicwae Emoni Amodoi, 47 Jahre alt, kocht Mais und Bohnen für ihre achtköpfige Familie. Drei Mahlzeiten am Tag waren vorher eine Seltenheit für sie und ihre Kinder: Ngicwaes Einkommen aus dem Verkauf von Feuerholz ist durch Überflutungen und Dürre weggebrochen. Die Dürre hat zudem die Nahrungsversorgung in der Region beeinträchtigt, wodurch Ngicwaes Familie lange keinen Zugang zu ausreichend ausgewogener Ernährung hatte. Bei zwei von ihren Töchtern, Lopoli und Ewoton, wurde in der Folge akute Unterernährung festgestellt.

Mangelernährung zieht schwere Folgen nach sich: Ohne Behandlung beeinträchtigt sie die physische und kognitive Entwicklung von Kindern und schwächt ihr Immunsystem. Die betroffenen Kinder sind damit anfälliger für weitere Gesundheitsprobleme, zum Beispiel übertragbare Krankheiten. Noch immer trägt Mangelernährung weltweit fast zur Hälfte aller Todesfälle von Kindern unter fünf Jahren bei. Aufgrund der lückenhaften Gesundheitsversorgung in Turkana sind mangelernährte Kinder wie Lopoli und Ewoton besonders gefährdet. In einem von Save the Children unterstützten Projekt erhalten sie spezielle Nahrung und Vitamin-A-Präparate, sowie Routineimpfungen und weitere medizinische Versorgung.

MEHR ERAFHREN: Was Geschlechtergerechtigkeit mit Gesundheitsversorgung zu tun hat

Die Dürre war schlimm, wir hatten keine Nahrung und manchmal hatten wir den ganzen Tag nichts zu essen.

Ngicwae Emoni Amodoi aus Kenia

Die Klimakrise wirkt sich schon jetzt auf die Gesundheit von Kindern aus 

Lopoli und Ewoton gehören zu den Millionen von Kindern weltweit, für die die katastrophalen Auswirkungen des Klimawandels auf die menschliche Gesundheit längst zur Realität geworden sind. Am Horn von Afrika, wo Dürren oft auftreten, werden die klimatischen Bedingungen immer instabiler und unberechenbarer. Regenzeiten werden unregelmäßiger, ungewöhnlich starke Regenzeiten führen häufiger zu Überflutungen. 

Diese extremen Wetterereignisse wirken sich mehrfach auf die Gesundheit von Kindern aus: Wenn Überflutungen beispielsweise die Gesundheitsinfrastruktur zerstören, verlieren Kinder ihren Zugang zu lebensrettenden Maßnahmen und präventiver Versorgung, zum Beispiel durch Routineimpfungen. Dürren zerstören Ernten und erhöhen die Lebensmittelpreise. Dadurch können sich viele Familien keine ausgewogene Ernährung mehr leisten, so wie in Ngicwaes Fall. 

Manche Kinder sind besonders stark gefährdet, durch Extremwetterereignisse ihren Zugang zu ausgewogener Ernährung und grundlegender Gesundheitsversorgung zu verlieren. Dazu zählen Kinder, die ohnehin unter schwierigen und instabilen Bedingungen leben, zum Beispiel in Armut, in Konfliktgebieten oder auf der Flucht. Somit nimmt die Klimakrise den betroffenen Kindern ihre Chance auf ein gesundes Leben und verstärkt bestehende Ungleichheiten.

Eine Familie in Wajir, Kenia, muss aufgrund der Dürre ihr Zuhause verlassen. Durch den menschengemachten Klimawandel nehmen lange Trockenperioden in der Region zu.

Mit der Unterstützung konnte ich Nahrung kaufen, Kleidung für meine Kinder und sogar ein kleines Gewerbe mit dem Weben von Körben und Matten starten. Das hat unser Leben sehr verbessert.

Ngicwae Emoni Amodoi aus Kenia

Bargeldtransfers unterstützen Familien kurz- und langfristig 

In Turkana werden sich extreme Wetterereignisse und instabile Klimabedingungen in Zukunft häufen und die Ernährungssicherheit von vielen Familien gefährden. Deswegen ist es wichtig, Familien in Vorbereitung auf Krisen zu stärken und sie zu befähigen, sich auch in Krisensituationen ausgewogen und ausreichend zu ernähren. 

In einem Projekt von Save the Children erhalten 700 Familien, deren Kinder aufgrund von Mangelernährung behandelt werden, zusätzlich einen monatlichen Bargeldtransfer von 5000 Ksh (knapp 40 Euro). Ngicwae  kann dieses Einkommen flexibel einsetzen, um die dringendsten Bedarfe ihrer Familie zu decken. Dadurch kann sie sich auch im Krisenfall gesunde Lebensmittel leisten. Der Bargeldtransfer hilft ihr aber auch langfristig: Sie hat damit ein kleines Gewerbe gestartet, für das sie Körbe und Matten webt. Dieses Einkommen wird ihrer Familie nachhaltig helfen und Ewoton, Lopoli und ihren Geschwistern eine gesunde Zukunft ermöglichen.

Zum diesjährigen World Health Day mit dem Schwerpunktthema Ungleichheiten zeigt Ngicwaes Beispiel, dass die Klimakrise schon jetzt eine echte Bedrohung für die Gesundheit vieler Kinder darstellt. Hier zeigt sich außerdem, wie eng die Klimakrise mit Ungleichheiten verflochten ist und diese verstärkt. Die vielfältigen Auswirkungen der Klimakrise werden ihre Kinder lange begleiten. Deshalb ist es besonders wichtig, dass sie so früh wie möglich gesund und gut ernährt ins Leben starten können.

MEHR ERFAHREN: Wie mobile Gesundheitsteams dabei helfen, Ungleichheiten zu überwinden

 

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