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Publisher Save the Children26.04.2018

Die Zukunft Afghanistans

von Ingo Zamperoni

 

„Der Erfolg des Einsatzes in Afghanistan misst sich in den Augen der Menschen nicht darin, wie viele schwer gepanzerte Patrouillen durch ihre Dörfer donnern, sondern wie sie ihre Familien ernähren können und ob es eine Zukunft für ihre Kinder gibt.“

Vorwärts in den Rückzug. Mit einer neuen Strategie will die Bundesregierung die Lage in Afghanistan in den Griff bekommen. Symbolisch werden noch einmal 850 neue Soldaten Richtung Hindukusch geschickt, im kommenden Jahr soll dann aber zügig mit dem Abzug begonnen werden.

Politisch ein verständliches Signal an die eigenen Bürger in Deutschland, bei denen der kostspielige Einsatz alles andere als breite Zustimmung findet. Ein falsches Signal allerdings an die vielen afghanischen Familien, Frauen und Kinder, die in den abgelegenen Dörfern allein gelassen werden und abgeschnitten sind von jeder Hilfe.

Was sich dringend ändern muss in dem bitterarmen Land habe ich bei meinen Reportage-Reisen nach Afghanistan und durch die dortige Arbeit meiner Frau für Save the Children selbst gesehen und erlebt. Letztlich misst sich der Erfolg des Einsatzes in den Augen der afghanischen Bevölkerung nicht darin, wie viele schwer gepanzerte Patrouillen durch die Dörfer donnern, sondern wie die Menschen ihre Familien ernähren können, welche Perspektiven sich ihnen bieten, ob es eine Zukunft für ihre Kinder gibt. Und die gibt es eben nur, wenn die Mittel zur Verfügung stehen, um zum Beispiel genügend Schulen einzurichten.

Natürlich geht das nicht ohne Sicherheit. Entscheidend für mehr Sicherheit ist aber nicht nur die Zahl der Soldaten, sondern der Aufbau der afghanischen Polizei. Und das ist Deutschlands Baustelle! Gerade die für ihr Polizeiwesen so gerühmten Deutschen haben schlichtweg versagt. Seit 2002, so das Auswärtige Amt, wurden in Afghanistan 30.000 Polizisten ausgebildet. Laut ISAF bräuchte das Land, das flächenmäßig doppelt so groß ist wie Deutschland, aber mindestens fünfmal so viele. Zwar soll die Zahl der zivilen Polizei-Ausbilder vor Ort von derzeit 123 auf 200 erhöht werden, aber ich fürchte, dass ist wenig mehr als der Tropfen auf den heißen Stein.

Welches Signal auch immer von der Afghanistan-Konferenz in London ausgeht – Hoffnung machen mir in erster Linie die überraschenden Ergebnisse der jüngsten ARD-Umfrage. Denn trotz der anhaltenden Gewalt, der Korruption, der Armut und zahlloser anderer Probleme, blickt eine große Mehrheit der Afghanen erstmals seit Jahren wieder optimistisch in die Zukunft. 70 Prozent der Menschen sehen demnach ihr Land auf dem richtigen Weg. Das ist ein Wert, der Mut macht sich weiter dort zu engagieren. Und das müssen wir. Denn so unbeliebt der Afghanistan-Einsatz in Deutschland derzeit auch sein mag – es gibt keine Alternative zu einem Erfolg am Hindukusch.
 

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