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Publisher Save the Children08.07.2020Kinderschutz

Jemen: Medizinische Grundversorgung für Kinder stoppt fast vollständig

Der anhaltende Krieg, fehlende Hilfsgelder und die Corona-Pandemie haben die medizinische Grundversorgung für Kinder im Jemen beinahe vollständig gestoppt. Save the Children warnt, dass allein zwischen Januar und April die Zahl der Besuche bei Gesundheitsdiensten für Kinder um 81 Prozent gesunken ist.

Auch fehlt es an Geld: Von den 627 Millionen Dollar, die im Jahr 2020 für Hilfseinsätze im Jemen benötigt werden, ist bisher weniger als die Hälfte eingegangen. 

In dieser tödlichen Kombination aus Gewalt, Krankheiten und Hunger sind die Menschen im Jemen mehr denn je auf Unterstützung angewiesen. 

Susanna Krüger, Vorstandsvorsitzende von Save the Children

„Die gesamte jemenitische Bevölkerung leidet unter der fehlenden Gesundheitsversorgung, aber die Kinder, die seit fünf Jahren ums tägliche Überleben kämpfen, trifft es am härtesten. Tausende Mädchen und Jungen brauchen jeden Tag Hilfe. Die Welt schaut zu und reduziert sogar die Hilfsgelder, während Kinder sterben.“, so Susanna Krüger.

Alles auf Maßnahmen gegen COVID-19 konzentriert

Bereits vor der Pandemie war nur noch die Hälfte der jemenitischen Gesundheitseinrichtungen funktionsfähig. In den verbliebenen Kliniken konzentrieren sich die Maßnahmen jetzt auf den Kampf gegen COVID-19. Zudem fehlt es an Personal und Schutzausrüstung. Kliniken wurden in COVID-19-Behandlungszentren umgewandelt, die Behandlung von Kindern wird häufig zweitrangig behandelt.

Viele Familien können sich den Weg zu einer Krankenstation außerdem nicht leisten oder haben wegen der Ansteckungsgefahr Angst, inmitten der Pandemie eine Klinik aufzusuchen.

Xavier Joubert, Landesdirektor von Save the Children im Jemen: „Einige Kliniken, die wir unterstützen, mussten ihre Kapazitäten herunterfahren, auch im Bereich Ernährung. Das hat Folgen: In Lahj und Hajjah ist die Rate der mangelernährten Kinder um 11 Prozent gestiegen.

Wir müssen der Realität ins Gesicht blicken, dass tausende Kinder in den kommenden Monaten sterben könnten, wenn die Unterstützung so gering bleibt.“

Xavier Joubert, Landesdirektor von Save the Children im Jemen

Der 45-jährige Salem* aus Sada, Vater von sechs Kindern, berichtet: „Wir haben wegen des tödlichen Virus Angst ins Krankenhaus zu gehen, aber wenn wir die Todesangst in den Augen unseres kranken Kindes sehen, haben wir keine andere Wahl, als uns Geld für ein Taxi zu leihen und das Risiko einzugehen. Viele Familien isolieren sich wegen des Coronavirus zu Hause, aber was bringt das, wenn das Kind dort durch einen Luftangriff stirbt oder weil es nicht ins Krankenhaus gebracht werden kann?“

Zahl mangelernährter Kinder unter 5 Jahren steigt

Seit Januar beobachtet Save the Children auch in den eigenen Gesundheitseinrichtungen für Kinder einen Rückgang an Patienten, der sich ab Mai noch deutlich verstärkte. Im Schnitt konnten pro Klinik 450 Patienten im Monat nicht behandelt werden, darunter rund 200 Kinder, die unter vermeidbaren – bei fehlender Behandlung jedoch tödlichen – Krankheiten wie Denguefieber und Cholera litten. Schätzungen zufolge könnte die Zahl der mangelernährten Kinder unter fünf Jahren im Jemen bis zum Jahresende auf 2,4 Millionen ansteigen. Auch die Versorgung mit Wasser- und Sanitäreinrichtungen ist unterfinanziert.

„Anstatt zu kämpfen, sollten alle Konfliktparteien sich dem internationalen Aufruf zur Waffenruhe anschließen, um sich auf die Eindämmung von COVID-19 und von dessen Auswirkungen für die Kinder zu konzentrieren“, sagt Susanna Krüger. 

Ich hoffe, dieser Weckruf kommt nicht zu spät und die Geber machen weitere Zusagen, damit die Kinder im Jemen die Hilfe bekommen, die sie verdienen.

Susanna Krüger, Vorstandsvorsitzende von Save the Children

Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit im Jemen mit einer Spende, damit wir Kinder und ihre Familien u.a. mit Nahrungsmitteln, sauberem Trinkwasser und Hygiene-Sets versorgen können.

*Name zum Schutz der Identität geändert

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