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Publisher Save the Children25.09.2019Flucht

Kinderrechte für alle!

Kinder, die aus ihrer Heimat flüchten mussten, werden in Deutschland oft in Unterkünften untergebracht. Julia Gädke, im Projekt „Qualität in der Vielfalt sichern“ unter anderem verantwortlich für die Kinderpartizipation, erzählt im Interview, wie Save the Children die Situation für geflüchtete Kinder in Deutschland verbessern möchte.

1. Wie ist die Situation für geflüchtete Kinder in Deutschland?

Julia Gädke:  Allein in den Jahren 2015 und 2016 kamen circa 350.000 geflüchtete Kinder nach Deutschland. In ihrem Heimatland und auf der Flucht haben sie oft Schreckliches erlebt. Sie sind in allen Phasen der Flucht – aber auch nach der Ankunft in einem sicheren Land wie Deutschland – besonders schutzbedürftig. Kinder und ihre Familien brauchen daher eine besondere kind- und familiengerechte Unterbringung und die Möglichkeit, in ihren Potenzialen und ihrer Entwicklung gefördert zu werden. Die Lebensbedingungen von geflüchteten Kindern in Deutschland sind vielerorts nicht kindgerecht. So werden Kinder in Unterkünften untergebracht, in denen ihnen oft Rückzugsmöglichkeiten und Privatsphäre fehlen. Die Bedarfe für medizinische Versorgung und psychosoziale Unterstützung von Kindern sind oft höher als der tatsächliche Zugang, den sie zu entsprechenden Angeboten haben. Während in manchen Bundesländern geflüchtete Kinder Schulen besuchen können, gibt es an anderen Standorten keinen oder nur eingeschränkten Zugang zu Bildungsangeboten – abhängig von der Art der Unterkunft und den jeweiligen Regelungen im Bundesland.

Geflüchtete Kinder und Jugendliche sind genau wie alle anderen Kinder Träger*innen der in der Kinderrechtskonvention garantierten Rechte. Ihr Recht auf Bildung, umfassende Gesundheit, Partizipation und Schutz vor Gewalt müssen ungeachtet ihrer Herkunft und ihres Aufenthaltsstatus von Ankunft an in Deutschland umgesetzt werden.

2. Was macht Save the Children, um die Situation für geflüchtete Kinder und Jugendliche zu verbessern?

Julia Gädke:  In unserem EU-geförderten Projekt „Qualität in der Vielfalt sichern“ (durch den AMIF) haben wir in den letzten drei Jahren ein Qualitätsinstrument entwickelt, das die Umsetzung von Kinderrechten in Unterkünften für geflüchtete Menschen überprüfen und nachhaltig verbessern soll. Anhand der Kriterien unseres sogenannten „Unterbringungs-TÜV“ für Kinder kann die Unterbringung auf die Umsetzung von Kinderrechten überprüft und konkrete Schritte zur Verbesserung der Lebenssituation von Kindern und ihren Familien eingeleitet werden. Für uns ist es besonders wichtig, dass hier vor allem auch betroffene Kinder als Expert*innen wahrgenommen werden. Darum haben wir eine Berater*innengruppe aus Kindern und Jugendlichen des Kinder- und Jugendparlaments Tempelhof-Schöneberg und aus einer Gemeinschaftsunterkunft in Berlin gebildet, die sich in interaktiven Workshops über Kinderrechte austauschen konnten. Außerdem bekommen sie die Möglichkeit, sich bei unseren Aktivitäten der Politikberatung auf Landes- und Bundesebene zu engagieren, damit auch dort die Kinderperspektive mit einbezogen wird.

3. Wie hast du die Kinder und Jugendlichen bei dem Workshop erlebt?

Julia Gädke:  Es gab ein großes Interesse auf beiden Seiten voneinander zu lernen, Perspektiven auszutauschen und einander zuzuhören. Bewundernswert waren das Vertrauen und die Empathie, mit der sich die beiden Gruppen begegnet sind. So konnten alle sehr offen über Ihre Situation sprechen. Alle Kinder und Jugendlichen haben großes Interesse, ihr Engagement weiterzuführen und die angestoßene Zusammenarbeit voranzutreiben. Ich wünsche mir, dass wir die Expert*innengruppe weiter ausbauen können, damit wir gemeinsam und partizipativ eine nachhaltige und langfristige Verbesserung der Unterbringung erreichen.  

Weitere Informationen zum Projekt "Qualität in der Vielfald sichern" finden Sie hier: 

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