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Publisher Save the Children11.04.2020Corona

Krisengebiete im Nahen Osten nicht auf Corona vorbereitet

Mehr als 15 Millionen Kinder und ihre Familien in den Krisengebieten des Nahen Ostens können bei einer Ausbreitung der COVID-19-Pandemie nicht auf lebensrettende Maßnahmen zählen.

In Syrien leiden die Menschen seit über 9 Jahren unter Krieg und Zerstörung. Niemand ist hier ausreichend auf die Corona-Pandemie vorbereitet. © Save the Children

In Nordsyrien, im Gazastreifen und im Jemen gibt es insgesamt weniger als 730 Beatmungsgeräte und 950 Betten auf Intensivstationen. Die Lieferung von Hilfsgütern und medizinischer Ausrüstung in diese schwer zugänglichen Gebiete muss dringend sichergestellt werden. Der Gazastreifen ist seit 13 Jahren abgeriegelt, in Syrien hat gerade das zehnte Kriegsjahr begonnen und der Jemen-Konflikt dauert seit fünf Jahren an. Nach all diesen Jahren sind die Gesundheitssysteme kaum noch funktionsfähig, in einigen Regionen sind sie vollständig zum Erliegen gekommen. Nicht einmal die medizinische Grundversorgung ist gesichert. Bis zum 29. März wurden in Syrien und im Gazastreifen jeweils neun COVID-19-Fälle registriert. Im Jemen wurde noch keine Ansteckung gemeldet. 

Dort, wo es so gut wie keine medizinische Versorgung gibt, ist Prävention entscheidend. Aber Maßnahmen wie soziale Distanzierung sind in Konfliktländern praktisch unmöglich. Wenn alle Bewohner des Gazastreifens zwei Meter Abstand voneinander halten müssten, müsste das Gebiet zehnmal größer sein. In Nordsyrien haben die Menschen schon ohne soziale Distanzierung nicht genügend Unterkünfte. Im Jemen, wo rund zwei Millionen Kinder an akuter Unterernährung leiden, müssten erstmal Lebensmittel verteilt werden, bevor man daran denkt, die Menschen voneinander fernzuhalten.

Jeremy Stoner, Regionaldirektor von Save the Children für den Nahen Osten

Die Kliniken in diesen Konfliktregionen sind schon für normale Zeiten unzureichend ausgestattet. Im gesamten Nordwesten Syriens, wo sich fast eine Million Flüchtlinge im Grenzgebiet zur Türkei drängen, gibt es nur 153 Beatmungsgeräte und 148 Betten auf Intensivstationen. In Nordostsyrien ist die Situation noch schlechter: Hier gibt es weniger als 30 Intensivbetten sowie nur zehn Beatmungsgeräte für Erwachsene und eines für Kinder.

Kinder haben Angst vor Corona

Im Gazastreifen, einem der am dichtesten besiedelten Gebiete der Welt, gibt es für zwei Millionen Einwohner nur 70 Intensivbetten und 62 Beatmungsgeräte. Viele Bewohner des Gazastreifens leben in Flüchtlingslagern mit eingeschränktem Zugang zu Wasser und anderer Grundversorgung. Im Jemen, wo nur noch die Hälfte der Krankenhäuser voll funktionsfähig ist, existieren für das ganze Land 700 Intensivbetten, davon 60 für Kinder, und 500 Beatmungsgeräte. Kinder im Gazastreifen berichteten Save the Children von ihrer Angst vor dem Corona-Virus.

Ich habe von Corona gehört. Einige in meiner Familie sagen, dass es sehr gefährlich ist und wir es nicht überleben würden. Jeden Tag geht meine Mutter 15 Minuten zum Brunnen, um Wasser zu holen, und 15 Minuten wieder zurück. Das Wasser sieht nicht sauber aus, aber wir brauchen es. Wir benutzen es zum Kochen, Trinken und Waschen. Wir versuchen, so wenig wie möglich zu verbrauchen, damit wir nicht noch einmal Wasser holen müssen.

Moneer (17) aus dem Jemen

Ausbreitung von Corona muss verlangsamt werden

Um die Ausbreitung von Corona zu verlangsamen, müssten humanitäre Organisationen uneingeschränkten Zugang zu den Menschen in Not haben, jedoch wird genau dies durch die Konfliktsituation erschwert. Händewaschen und Abstandhalten sind schwierig bis unmöglich.

Save the Children fordert alle Verantwortlichen auf, das Recht der Kinder auf Gesundheit zu garantieren und die Versorgung der Menschen im Gazastreifen, in Nordsyrien und im Jemen zu ermöglichen. Humanitäre und medizinische Hilfsgüter müssen ungehindert die Grenzen passieren können. In Nordwestsyrien müssen sich die Konfliktparteien vollständig an die Vereinbarungen des Waffenstillstands halten. Auch im Jemen muss der angekündigte Waffenstillstand eingehalten werden, damit sich das Land auf eine Corona-Ausbreitung vorbereiten kann.

Die Arbeit von Save the Children im Jemen ist schon jetzt wegen der Schließung der internationalen Grenzen, des Flugverbots und der neuen Einschränkungen der Bewegungsfreiheit beeinträchtigt. Die Mitarbeiter vor Ort müssen in der Lage sein, die Menschen in Not mit der bestehenden humanitären Hilfe zu erreichen, Aufklärung zu betreiben und Hilfen wie Hygieneprodukte, Sim-Karten und Bargeld zu verteilen.

Save the Children WELTWEIT IM EINSATZ GEGEN CORONA

Das Corona-Virus breitet sich immer weiter aus. Save the Children ist in Deutschland, Europa und weltweit im Einsatz, um besonders benachteiligte Kinder und Familien in der Corona-Krise zu unterstützen. Bitte helfen Sie mit einer Spende, danke. 

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