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Publisher Save the Children26.04.2018

Mangelernährung – Die versteckte Krise

Mangelernährung ist ein weit verbreitetes – doch oft unterschätztes - Problem. Die Gründe für Mangelernährung sind vielfältig: Nicht nur Krisensituationen, wie aktuell die Dürre am Horn von Afrika sind die Auslöser.

Oft fehlt es generell am Zugang zu bestimmten Nahrungsmitteln und sauberem Wasser. Auch eine schlechte Gesundheitsversorgung, mangelnde Hygiene und damit einhergehende Infektionen können Gründe für die Mangelernährung sein.

Den Folgen und möglichen Lösungsansätzen der Thematik Mangelernährung widmet sich Save the Children in dem neu veröffentlichten Bericht „A Life free from Hunger – Tackling Child Malnutrition“.

Demzufolge sterben jedes Jahr mehr als 2,6 Millionen Kinder an den Folgen von Mangelernährung. Dabei ist es vor allem die chronische Mangelernährung, die ihre Opfer fordert. Trotzdem wird dieser anhaltenden Krise vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit gewidmet. So konnte die Zahl der mangelernährten Kinder seit 1990 nur um durchschnittlich 0,65% gesenkt werden.

 


Chronische Mangelernährung – Die Fakten

 

  • Schätzungsweise 171 Millionen Kinder sind chronisch mangelernährt und dadurch in ihrer physischen und psychischen Entwicklung gehemmt.
     
  • 80% dieser chronisch mangelernährten Kinder leben in nur 20 verschiedenen Ländern
     
  • Mehr als ein Drittel der Kinder in Asien weisen Entwicklungsverzögerungen auf, das sind rund 100 Millionen Kinder.
     
  • Unter den Ländern mit zuverlässigen Angaben ist Madagaskar das Land mit den meisten chronisch mangelernährte Kindern, mehr als die Hälfte weist Verzögerungen in der Entwicklung auf.
     
  • Indien, ein Land im unteren Bereich der mittleren Einkommensgruppe, weist eine schockierende Rate von 48% entwicklungsverzögerter Kinder auf, wobei große Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesstaaten zu beobachten sind.

  

Doch was genau ist eigentlich Mangelernährung? Und warum sind vor allem Kinder so gefährdet?


Grundsätzlich unterscheidet man zwischen zwei Formen von Mangelernährung: der kurzfristigen/akuten Mangelernährung und der chronischen Mangelernährung.
 

Kurzfristige akute Mangelernährung

Die kurzfristige Mangelernährung wird durch den  ernsthaften und oft plötzlichen Mangel an Nahrungsmitteln oder Krankheiten ausgelöst, wie es aktuell bei der Hungerkrise am Horn von Afrika zu beobachten ist. Bei der kurzfristigen Mangelernährung werden die Kinder nicht mit ausreichend Kalorien und Nährstoffen versorgt. Der Körper beginnt daraufhin Muskeln abzubauen, um sein Verlangen nach Proteinen, Mineralien und Energie zu stillen. Die Folge ist ein stark abgemagerter, ausgezehrter Körper.  Der Mangel an Nährstoffen, Mineralien und Vitaminen kann beispielsweise  durch ein Organversagen lebensbedrohlich werden. Derzeit sind rund 55,5 Millionen Kinder von der akuten Mangelernährung betroffen, das sind rund 9% der Kinder weltweit.
 

Chronische Mangelernährung

Noch problematischer wird es, wenn die Mangelernährung über einen längeren Zeitraum anhält. Chronische Mangelernährung hemmt die physische sowie die psychische Entwicklung von Kindern und führt so zu lebenslangen Defiziten.

Die chronische Mangelernährung ist die Folge eines über  Jahre anhaltenden Zustands der Fehlversorgung mit Nährstoffen. Diese resultiert nicht zwangsläufig aus einem Mangel an Nahrungsmitteln generell, sondern kann auch die Folge einer zu einseitigen Ernährung sein. So stehen in vielen  Entwicklungsländern zwar viele stärkehaltigen Grundnahrungsmitteln - wie Reis, Mais oder Hirse- zur Verfügung, an Gemüse und Proteinen mangelt es jedoch oft, sodass lebenswichtige Vitamine und Mineralien fehlen. Auch Infektionen (z.B. Wurmbefall) können dazu führen, dass der Körper nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt wird.

Besonders für Säuglinge und Kleinkinder ist dieser Zustand fatal. Die ersten 1000 Tage im Leben eines Kindes – beginnend mit der Empfängnis und der Schwangerschaft bis hin zum zweiten Lebensjahr – sind die kritische Phase in der Entwicklung eines Kindes. Wird es hier nur unzureichend mit Nährstoffen versorgt, wird seine körperliche sowie geistige Entwicklung nachhaltig beeinträchtigt.

 Zur Verdeutlichung hat Save the Children die Größe von Kindern im Alter von zweieinhalb Jahren – in diesem Alter wird das Ausmaß der Entwicklungsverzögerung am deutlichsten – verglichen. Mangelt es dem Körper an Nährstoffe, werden nur die lebenswichtigen Funktionen unterstützt -  Wachstum gehört nicht dazu. Dies wird unter anderem am Beispiel Niger deutlich: Die durchschnittliche Größe eines zweieinhalbjährigen Kindes im Niger liegt bei 82,2 cm -  das sind 8,5 cm weniger als der Durchschnitt bei gesunden Kindern. Daneben wirkt sich der Mangel an Nährstoffen auch auf die geistige Entwicklung aus. So kann der IQ eines mangelernährten Kindes sein Potential nicht voll entfalten und liegt somit bis zu 15 IQ Punkten unter dem eines gesunden Kindes. 

Und auch nach den kritischen 1000 Tagen bleibt eine chronische Mangelernährung gefährlich.
Der Mangel an Mikronährstoffen, wie Zink, Eisen und Vitamin A, stellt ein lebensgefährliches Risiko für Kinder jeden Alters dar. Deutlich wird: Das Thema Mangelernährung darf nicht unterschätzt werden!


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