Jetzt spenden DZI Siegel
RohingyaFluchtPublisher Save the Children24.06.2021Rohingya

Mehr als 700.000 Rohingya-Kinder sind ohne Grundrechte

Sie sind die am meisten verfolgten Kinder der Welt: Hunderttausende Kinder, die zur muslimischen Minderheit der Rohingya gehören, werden in Asien systematisch diskriminiert und in ihren Rechten verletzt. Das dokumentiert unser neuer Bericht "No Safe Haven".

Hafsana* ist ein sechsjähriges Rohingya-Mädchen und wurde mit ihrer Familie aus ihrer Heimat vertrieben.Hilfsorganisationen wie Save the Children versorgen Betroffene mit Notunterkünften, Trinkwasser und warmen Malzeiten.

Der neue Report "No Safe Haven" von Save the Children beleuchtet die Situation der Rohingya-Kinder in Myanmar, Bangladesch, Malaysia, Thailand und Indonesien. Er zeigt: Diese Kinder haben nicht nur in ihrer Heimat Myanmar, sondern auch als Geflüchtete in vier asiatischen Ländern keinen Zugang zu Bildung und rechtlichem Schutz. Sie sind dadurch besonders gefährdet, Opfer von Ausbeutung, Kinderarbeit, Frühverheiratung und Menschenhandel zu werden.

Die Kinder werden ihrer grundlegendsten Rechte beraubt. Sie können nicht lernen oder in Sicherheit aufwachsen, Diskriminierung und Vorurteile bestimmen ihren Alltag. Die jahrzehntelange Ausgrenzung und Gewalt muss ein Ende haben – in ihrer Heimat, aber auch in den Aufnahmeländern.

Hassan Noor, Asien-Regionaldirektor von Save the Children

Staatliche Gewalt gegen muslimische Rohingya

In Myanmar ist die muslimische Minderheit der Rohingya seit Jahrzehnten staatlicher Verfolgung und Gewalt ausgesetzt. 2017 eskalierte der Konflikt. Die Gewalt trieb hunderttausende Rohingya in die Flucht, die meisten von ihnen nach Bangladesch. An ihren Zufluchtsorten sind die Rohingya jedoch nicht vor Diskriminierung geschützt. Sie werden unter strengen Ausgangsbeschränkungen in Aufnahmelagern festgehalten oder sind gezwungen, monatelang unter Lebensgefahr auf Flüchtlingsbooten auf hoher See zu treiben, weil kein Land sie einreisen lässt. Etwa 450.000 Rohingya-Kinder sind in Flüchtlingslagern in Bangladesch gestrandet.

Cox's Bazar: Brandkatastrophe im größten Flüchtlingscamp der Welt

Wenn den Rohingya die gefährliche Flucht vor Verfolgung nach Bangladesch gelingt, kommen viele von ihnen nach Cox’ Bazar. Der Name des Distrikts im südöstlichen Bangladesch an der Grenze zu Myanmar ist ein Synonym geworden für das dort existierende größte Flüchtlingscamp der Welt. Von den dort lebenden 640.000 Menschen gehören die meisten zu den Rohingya. Das Camp machte zuletzt Schlagzeilen, als am 22. März dieses Jahres ein Feuer ausbrach, das 15 Menschen das Leben kostete und mehr als 10.000 Unterkünfte zerstörte. Das musste auch die sechsjährige Hafsana* erleben: Sie gehört zu den Rohingya und hat bei der Brandkatastrophe ihr Zuhause verloren. Sie und ihre Geschwister können nachts nicht mehr schlafen, weil sie Angst haben, dass das Feuer wieder ausbricht.

Corona schränkt Hilfe für Rohingya weiter ein

Die Covid-19-Pandemie hat die Situation für geflüchtete Rohingya weiter verschärft. Regierungen haben die Bewegungsfreiheit eingeschränkt und Staatsgrenzen geschlossen. Einige Staaten nutzen die Pandemie als Vorwand, um Flüchtlingsboote zurückzuweisen, undokumentierte Migrant*innen festzunehmen und Hilfen einzuschränken.

    Der Bericht "No Safe Haven" fasst die größten Probleme der Rohingya so zusammen:   

    • Staatenlosigkeit und fehlender rechtlicher Status:  Myanmar verwehrt der gesamten Rohingya-Bevölkerung die Staatsbürgerschaft. Doch auch keines der vier untersuchten Fluchtländer gewährt den auf ihren Territorien geborenen Kindern die Staatsbürgerschaft. Ebenso wenig werden sie offiziell als Geflüchtete anerkannt, da sie als Staatenlose kein Asyl beantragen können. Dadurch drohen ihnen Drangsalierung, Abschiebung und Gefangenschaft, zudem sind sie größtenteils vom Gesundheitssystem und anderen sozialen Dienstleistungen ausgeschlossen.
    • Erschwerter Zugang zu Bildung: Entweder werden Rohingya-Kinder aufgrund explizit diskriminierender Gesetze vom Bildungssystem ausgeschlossen oder ihnen wird der Zugang verwehrt. In Thailand haben zwar alle Kinder, unabhängig von ihrem rechtlichen Status, ein Recht auf Grundbildung. Doch im Alltag findet dies keine Anwendung. 
    • Kinderehe und Schwangerschaft: Bildung für Mädchen wird angesichts finanziellen Drucks und kultureller Einstellungen als zweitrangig angesehen. Jugendliche Rohingya-Mädchen gehen deshalb tendenziell noch seltener zur Schule und werden früh verheiratet.
    • Festnahme und Gefangenschaft: Diese sind für viele Rohingya-Kinder Realität, ebenso das Festhalten in Aufnahme- und Flüchtlingslagern.
    • Diskriminierung: Diskriminierende Äußerungen werden teilweise von Regierungsbeamten in Medien verbreitet, wodurch die Sicherheit der Kinder gefährdet ist.

    Artikel teilen

    Auch interessant

    Ein Ausschnitt aus dem Film "Wandering. A Rohingya Story", der Kinder beim Fußballspielen im größten Flüchtlingscamp der Welt Kutupalong, Bangladesch, zeigt. © Renaud Philippe
    HRFFB21Rohingya

    "Wandering. A Rohingya Story": Interview mit Regisseur Olivier Higgins

    Innerhalb weniger Monate wurde das Flüchtlingscamp Kutupalong in Bangladesch zum größten der Welt. 700.000 Angehörige der muslimischen…

    Rajiya* mit ihrer Mutter Jannat* (links) im Juni 2021. Rajiya* kam im größten Flüchtlingscamp der Welt, Kutupalong in Bangladesch, zur Welt.
    Rohingya100 Jahre

    Rohingya: 4 Jahre zwischen Vertreibung und Hoffnung auf ein besseres Leben

    Rund eine Million Angehörige der muslimischen Rohingya leben in dem Flüchtlingscamp Kutupalong nahe der Küstenstadt Cox’s Bazar in Bangladesch.…

    Hafsana* ist ein sechsjähriges Rohingya-Mädchen und wurde mit ihrer Familie aus ihrer Heimat vertrieben. Hilfsorganisationen wie Save the Children versorgen Betroffene mit Notunterkünften, Wasser und warmen Malzeiten.
    RohingyaFlucht

    Mehr als 700.000 Rohingya-Kinder sind ohne Grundrechte

    Sie sind die am meisten verfolgten Kinder der Welt: Hunderttausende Kinder, die zur muslimischen Minderheit der Rohingya gehören, werden in…

    Kamal* (15) und Abdul* (12) leben mit ihren Großeltern im größten Flüchtlingscamp der Welt in Cox's Bazar. Ihre Eltern und Geschwister wurden bei der gewaltsamen Vertreibung aus ihrer Heimat Myanmar getötet. Save the Children unterstützt die beiden Brüder mit psychosozialer Hilfe. © Sonali Chakma / Save the Children
    InterviewCoronaRohingya

    Was Corona für geflüchtete Menschen bedeutet

    Überall auf der Welt sind die Auswirkungen der Corona-Krise zu spüren. Besonders kritisch ist die Lage jedoch für diejenigen ohne festen…

    Hamida* hat ihre Tochter Runa* auf der Flucht von Myanmar nach Bangladesch zur Welt gebracht. Das Mädchen leidet an Mangelernährung und wird vom Save the Children Team regelmäßig behandelt. © Sonali Chakma / Save the Children
    Rohingya

    Vertriebene Rohingya: Keine Rechte – keine Perspektive

    Mehr als 100.000 Rohingya-Kinder sind in den vergangenen Jahren in Myanmar und Bangladesch in Lagern für Geflüchtete und Vertriebene zur Welt…

    Nur* (12) verlor seine Eltern auf der Flucht von Myanmar nach Bangladesch. Jetzt lebt er bei einer Pflegefamilie in einem der größten Flüchtlingscamps der Welt in Cox's Bazar. © Allison Joyce / Save the Children
    RohingyaKinderschutz

    Myanmar: Zahl getöteter Kinder steigt dramatisch

    Die Gewalt gegen Kinder innerhalb des bewaffneten Konflikts in Myanmars Zentralstaat Rakhine ist in den ersten Monaten dieses Jahres sprunghaft…

    Raisa ist Projektleiterin für Kinderschutz in Cox's Bazar. Gemeinsam mit ihrem Team kümmert sie sich um die etwa 400 Rohingya-Flüchtlinge, die vor einigen Tagen aus der Bucht von Bengalen gerettet wurden. © Sonali Chakma / Save the Children
    Rohingya

    Rohingya berichten von Hunger, Tod und Verzweiflung

    Knapp 400 Angehörige der Rohingya-Minderheit trieben monatelang in Booten im Golf von Benaglen. Kinder und Jugendliche haben Save the Children…

    Eine Mutter mit ihrem 10 Monate alten Baby im Rohingya-Camp in Cox Bazar. Im größten Flüchtlingscamp der Welt ist Abstand halten kaum möglich. © Allison Joyce / Save the Children
    CoronaRohingya

    Erster COVID-19 Fall in Cox's Bazar

    Im Rohingya-Camp in Bangladesch gibt es den ersten nachgewiesenen Corona-Fall. Unsere Kollegin Athena Rayburn arbeitet vor Ort und warnt, dass…

    EmergencyRohingya

    Rohingya-Krise: Wo bleibt die Gerechtigkeit?

    Auch zwei Jahre nachdem mehr als eine Million Rohingya aus ihrer Heimat Myanmar ins benachbarte Bangladesch fliehen mussten, ist die Situation…

    Kinder, die aus Myanmar nach Bangladesch gefluechtet sind, haben ihre Wuensche fuer die Zukunft auf Polaroids geschrieben.
    EmergencyRohingya

    Kinderwünsche aus Bangladesch

    Vor knapp zwei Jahren flohen mehr als eine Million Angehörige der muslimischen Rohingya vor der eskalierenden Gewalt in ihrem Heimatland…

    InterviewRohingya

    Auf Projektreise in Myanmar

    Mario Pilz ist Projektreferent von Save the Children und hat drei unserer Projekte in Myanmar besucht. Im Interview berichtet er von seinen…

    Zerstörte Notunterkünfte in einem Flüchtlingslager in Cox's Bazar. © Save the Children
    RohingyaBangladeschNepalIndien

    Monsun in Südasien: Mehr als 3 Millionen Kinder betroffen

    Die Monsun-Saison hat erst begonnen, aber massive Regenfälle haben in Indien, Bangladesch und Nepal bereits weit über 100 Todesopfer gefordert.…

    Save the Children Logo
    BlogRohingyaFlucht

    „Ich konnte meine Mutter nicht retten. Sie war krank und konnte das Haus nicht verlassen.“

    Was kann dazu führen, dass mehr als 430.000 Menschen ihr Zuhause und ihr Land verlassen? Und das innerhalb nur weniger Wochen? Angriffe auf…