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Publisher Save the Children10.10.2019Emergency

Syrien: Lage nach Truppeneinmarsch verzweifelt

Die Türkei hat ihre Drohungen wahr gemacht. Nach Luftangriffen gegen kurdische Stellungen in Nordsyrien sind nun auch Bodentruppen im Einsatz. Leidtragende dieser kriegerischen Handlungen sind einmal mehr Zivilisten. Auch zwei Kinder sollen bereits unter den Toten sein.

Ein syrisches Kind hält die rechte Hand zu einem Stop-Zeichen nach oben gestreckt.

Seit mehr als acht Jahren tobt der Bürgerkrieg in Syrien. Immer wieder müssen Menschen fliehen. Sie lassen alles zurück, um wenigstens ihr Leben zu retten. Unzählige Familien mussten bereits mehrfach fliehen. Gewalt und Blutvergießen haben zu einer der größten humanitären Krisen unserer Zeit geführt. Mehr als 13,5 Millionen Menschen benötigen dringend Hilfe – die Hälfte davon sind Kinder. 

Türkische Medien haben gemeldet, die Armee sei an mindestens drei Stellen in Nordsyrien über die Grenze vorgerückt. Insgesamt seien seit Beginn der Operation mehr als 180 militärische Ziele angegriffen worden, so das türkische Verteidigungsministerium. Nach Angaben von Aktivisten wurden bereits mindestens 15 Menschen getötet. Unter den acht zivilen Opfern seien auch zwei Kinder, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

Massive internationale Kritik

Die Offensive löste international scharfe Kritik aus. Auch die Bundesregierung hat sich geäußert. Die Türkei nehme damit in Kauf, die Region weiter zu destabilisieren und riskiere ein Wiedererstarken des IS, so Bundesaußenminister Heiko Maas. Es drohe eine weitere humanitäre Katastrophe sowie eine neue Fluchtbewegung. Save the Children fordert einen Rüstungsexportstopp in die Türkei, Sicherheit für die Zivilbevölkerung und eine Fortsetzung der humanitären Hilfe in Nordsyrien.

Die aktuelle Lage in Nordsyrien ist extrem besorgniserregend. Zivilisten müssen geschützt werden und dürfen kein Spielball von machtpolitischen Bestrebungen sein. Bomben unterscheiden nicht zwischen Kindern und Kämpfern. Bereits jetzt wächst jedes fünfte Kind in Kriegen und Konflikten auf – die internationale Gemeinschaft darf das nicht länger tolerieren. Unser Appell richtet sich vor allem an die Bundesregierung, die mit ihrem Sitz im UN-Sicherheitsrat eine besondere Verantwortung für das Wohl und den Schutz der Kinder hat. Zudem fordern wir, dass die Bundesregierung den Verkauf und die Lieferung von Rüstungsgütern an die Türkei aussetzen muss, solange die Gefahr besteht, dass diese Güter für völkerrechtswidrige Angriffe verwendet werden, insbesondere auf Kinder.

Susanna Krüger, Vorstandsvorsitzende von Save the Children Deutschland

Save the Childrens Arbeit in Syrien

Save the Children ist seit Beginn des Syrien-Konflikts vor Ort. Wir unterstützen Kinder und ihre Familien mit Hilfe von lokalen Partnerorganisationen. Sie versorgen betroffene Familien mit Nahrungsmitteln und Hilfsgütern. Die Mitarbeiter unserer lokalen Partner arbeiten oft unter sehr gefährlichen Bedingungen und sind in verschiedenen Regionen Syriens tätig. Darüber hinaus helfen wir geflüchteten Kindern und ihren Familien in den Nachbarländern Jordanien, Ägypten, Irak, Libanon und Türkei.

Viele Kinder, die in Konfliktgebieten und Flüchtlingscamps leben müssen, können jahrelang nicht zur Schule gehen. Sie haben schlechtere Chancen, Arbeit zu finden und sind häufiger von Armut betroffen. Ohne Bildung verlieren sie ihre Zukunft! In unserer aktuellen Petition fordern wir von der Bundesregierung, dass Schulen in Konflikten unter allen Umständen vor Angriffen geschützt werden müssen. Bitte unterstützen Sie unsere Forderung mit Ihrer Stimme! Vielen Dank!

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