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Publisher Save the Children26.04.2018

Tausenden syrischen Kindern fehlt der Zugang zu Bildung

In humanitären Krisensituationen verlieren viele Kinder die Möglichkeit zur Schule zu gehen. Dabei ist ihre Bildung oft das Einzige, was den Betroffenen noch bleibt.

Der siebenjährige Ahmed Shakkji ist bereits seit 3 Monaten nicht mehr zur Schule gegangen. Der Konflikt in Syrien dauert nun schon über ein Jahr und Ahmed und  tausende andere Syrer mussten ihre Heimatstadt Homs verlassen, um in den Nachbarländern Schutz zu suchen.

Da Ahmed und seine Geschwister im Gastland Libanon nicht in die Schule gehen können, beschäftigen sie sich viel mit dem Erlebten und träumen von einer besseren Zukunft: „Ich würde sehr gerne hier zur Schule gehen, besonders weil sie hier Schulbusse haben, die die Kinder zur Schule fahren“, erzählt Ahmed. Im Kinderschutzzentrum, das von Save the Children für Flüchtlinge eingerichtet wurde, hat er die Möglichkeit mit gleichaltrigen Kindern  zu spielen und zu lernen.


Die Schlüsselrolle der Bildung

Die Bereitstellung von Bildungseinrichtungen spielt in humanitären Krisensituationen viel zu häufig eine untergeordnete Rolle und wird bei internationalen Hilfsprogrammen viel zu oft vernachlässigt. In den letzten 10 Jahren flossen lediglich 2,4% der humanitären Hilfe in den Bildungsbereich. Dabei spielt Bildung gerade in Krisensituationen eine Schlüsselrolle. Möglichst lückenlose Bildungsförderung bzw. schnelle Wiederaufnahme des Unterrichts wird von ExpertInnen immer wieder angemahnt. Laut Weltbildungsbericht der UNESCO, kommen 28 Millionen der gegenwärtig 67 Millionen Kinder, die weltweit nicht zur Schule gehen, aus Konfliktländern.  Um gerade diese Kinder zu erreichen, bedarf es größter Anstrengungen, damit sie nicht durch ihre Flucht, Verlust von Hab und Gut und verbaute Zukunftsaussichten ohne Schulbildung doppelt bestraft werden.

Ahmed und seine Eltern verdeutlichen, wie wichtig es ihnen ist, kontinuierliche zur Schule gehen zu können. Denn Bildung bietet gerade in dieser Zeit physischen und psychologischen Schutz und dient als wichtige Plattform für andere humanitäre (Schutz-)Maßnahmen, wie zum Beispiel Schulspeisungen, Basisgesundheitsdienste und Impfungen. Da Bildung Aufgabe des Staates ist, springen Hilfsorganisationen wie Save the Children nur im Notfall ein. Um die Versorgung von Flüchtlingen außerhalb Syriens zu ermöglichen, arbeiten Save the Children, Unicef und die UNESCO gerade aktiv im Bildungsbereich zusammen.


Ihre Bildung kann den Flüchlingen niemand mehr nehmen

Die Flüchtlinge selbst messen ihrem Schulbesuch und ihrer Bildung eine sehr hohe Priorität zu. Wenn alle Besitztümer zurückgelassen werden müssen, gewinnt die Bedeutung einer guten Schulausbildung umso mehr an Wert. Alles was Flüchtlinge mitnehmen können, ist das, was sie gelernt haben. Das, was in ihren Köpfen ist, kann ihnen kein Krieg und kein Konflikt mehr nehmen. Darüber hinaus mehren sich die Berichte aus Syrien, dass Kinder, die  auf der Flucht vor Gewalt, in Flüchtlingslagern, Gastfamilien oder den Verwandten im Ausland ankommen, oft Schreckliches erlebt haben. Um dies zu verarbeiten, ist die Widerherstellung strukturierter Tagesabläufe und alltäglicher Beschäftigungen besonders wichtig. Hinzu kommt: Je länger Kinder nicht zur Schule gehen und ihre Ausbildung unterbrechen, umso schwieriger ist es, sie jemals wieder in ein normales Schulsystem zu integrieren. Eine möglichst schnelle und unkomplizierte Fortsetzung des Unterrichts ist deshalb von besonderer Bedeutung, um den Kindern die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht zu verbauen.


Besondere Schulschwierigkeiten für Flüchtlingskinder

Flüchtlingskinder in die örtlichen Schulsysteme zu integrieren, erweist sich jedoch als schwer, nicht nur weil Schulen in den Nachbarländern meist schon überlaufen sind, sondern auch auf Grund von Sprachbarrieren und unterschiedlichen Unterrichtsplänen. Flüchtlingskindern sind außerdem oft Opfer von Diskriminierung und haben es schwer, sich in den neuen Schulen zu behaupten. Ahmed El Mezeny berichtet für Save the Children aus Jordanien, dass viele syrische Eltern Angst vor Diskriminierung ihre Kinder in der Schule haben und somit ihre Kinder gar nicht in die Schule schicken.


Bildung fördern! Bildung für Alle einfordern!

Ob kurz-, mittel- oder langfristig gesehen: Es ist ungeheuer wichtig und vorausschauend, Schulbildung von Flüchtlingskindern in Krisensituationen zu fördern, denn oftmals verliert eine ganze Generation durch fehlende Bildungsmöglichkeiten ihre Zukunftschancen. Gerade nach humanitären Krisensituationen ist Schulbildung unerlässlich um die Überlebenschancen, Gesundheitschancen und die Möglichkeit auf den Ausweg aus der Armut zu gewährleisten. Durch Bildungsförderung schaffen es Flüchtlinge schneller wieder auf eigenen Beinen zu stehen, gesund zu bleiben, sich aktiv in ihrer Gesellschaft einzubringen und ihr Leben unabhängig von externer Hilfe zu gestalten. Deutschland darf deshalb auch in schwierigen und komplexen Krisensituationen nicht wegschauen. Wir dürfen unsere international gegebenen Versprechen, sich gemeinsam dafür einzusetzen, dass Bildung für alle bis 2015 Wirklichkeit wird, nicht vergessen!

Save the Children hat ein Kinderschutzzentrum eingerichtet, damit Kinder wie Ahmed, die Möglichkeit haben zu spielen, zu lernen und pädagogische Unterstützung von lokalen Sozialpädagogen zu erhalten. Save the Children, Unicef und UNESCO setzten sich dafür ein, dass:

  • Örtlichkeiten und Räumlichkeiten bereitgestellt werden, damit Unterricht überhaupt stattfinden kann,
     
  • Bücher und Materialien für den Unterricht vorhanden sind,
     
  • Trainings für Lehrerinnen und Lehrer stattfinden , damit diese mit den besonderen Bedürfnissen der Flüchtlingskinder überhaupt umgehen können und diese den Unterricht überhaupt richtig wahrnehmen können.

  

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