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Sechs Geschichten
von Krieg und Überleben

Unsichtbare Wunden

Abertausende syrische Kinder kennen nichts anderes als Krieg. Erfahren Sie hier die Geschichten von sechs Kindern, die aus Syrien geflohen sind. Sie haben überlebt, doch sechs Jahre Krieg haben Wunden hinterlassen, die vielleicht niemals heilen werden. Fotograf Nick Ballon und Konzeptkünstlerin Alma Haser haben ihre Geschichten in animierten Videos verarbeitet.


Razan (7)

Razans Mutter und eine ihrer Schwestern starben, als eine Bombe in das Haus einschlug, in dem sie Schutz gesucht hatten. Razan wurde aus den Trümmern gerettet.

Razan ist durch die Hölle gegangen. Die Erlebnisse haben tiefe Spuren bei ihr hinterlassen. Tagsüber wird sie von Halluzinationen heimgesucht, während sie nachts schreckliche Albträume durchlebt.

Razans Schwester erkennt sie nicht wieder. „Sie sieht aus wie Razan, doch sie ist nicht mehr dieselbe“, erzählt sie. „Sie ist nur noch eine Hülle.“


Hassan (6)

Hassan musste miterleben, wie seine Mutter und seine Schwester Feuer fingen, als sie im Winter einen Ofen mit Gas füllten. Seine Schwester starb, die Mutter überlebte mit schweren Verbrennungen. Hassan und seine Familie sind nun in der Türkei. Doch die vielen schrecklichen Erlebnisse haben dazu geführt, dass Hassan kaum noch spricht. „Ein Auto kam zu uns und sie befahlen uns einzusteigen", erzählt er. „Mein Vater blieb draußen. 'Komm her, du Hund', riefen sie. Und dann haben sie ihn getötet. Sie erschossen ihn mit fünf Kugeln. Ich habe Angst, wenn ich allein im Dunkeln bin. Ich habe Angst, wenn ich Schüsse höre. Wenn die Angst kommt, schlägt mein Herz schneller, mein Atem geht schneller und mein Körper fängt an zu zittern."


Nesreen (9)

Sie haben Verwandte und Freunde verloren und mussten mit ansehen, wie Menschen bei den Bombenangriffen ums Leben kamen. Auf der Flucht in die Türkei sah Nesreen einen vierjährigen Jungen in den Armen seines Vaters sterben, nachdem ihm in den Kopf geschossen wurde. 

„In Syrien war es wunderschön, bevor die Flugzeuge kamen", erzählt Nesreen. „Meine Tante, meine Cousinen und Cousins – sie sind alle gestorben. Ich dachte, ich müsste auch sterben. Es war keiner mehr da. Ich hoffe, dass meine Stimme gehört wird, wenn ich für Frieden in Syrien bete. Das Einzige, was wir wollen, ist Frieden für Syrien."


Mohammed (5)

Mohammed und seine Schwester sahen die Leiche ihres Vaters. Seine Schwester schrie und weinte, doch Mohammed zeigte keine Reaktion.

Später zog sich Mohammed immer mehr in sich zurück, er fing an zu stottern und ins Bett zu machen. Seit er in die Türkei geflohen ist, zeigt er außerdem aggressives Verhalten. 

„Ich habe Angst vor dem Krieg in Syrien“, sagt Mohammed. „Ich habe schreckliche Angst davor, dass mich Männer umstellen und ihre Waffen auf mich richten. Das passiert hier nie, doch in Syrien war das anders. Kämpfer kamen in unser Haus und haben meinen Vater erschossen.

Ich werde wütend, wenn ich spiele und jemand kommt und ärgert mich. Sie kommen und machen alles kaputt. Wenn ich wütend werde, fühlt es sich an, als würde mein Herz nach unten fallen. Mein Kopf wird heiß und meine Hände werden taub." 


Abbas (7)

Abbas Familie floh, als Kämpfer des sogenannten IS ihre Heimatstadt einnahmen. Sie flohen nach Jordanien und fanden Schutz in einem Flüchtlingscamp – bis es Ziel eines Selbstmordattentäters wurde. 

Seine Eltern trugen Abbas 600km zurück, durch ganz Syrien bis in die Türkei. „Unser einziges Ziel war, die Türkei zu erreichen und meinen Sohn behandeln zu lassen“, erzählt Abbas Mutter Adira.

„Ich weiß nie, was in seinem Kopf vorgeht, doch ich weiß, dass er immer schreckliche Angst hatte, wenn er die Bombeneinschläge hörte. Sein Vater und ich wechselten uns ab, mal trugen wir ihn auf dem Rücken, mal auf den Schultern. Ich hatte selbst große Schmerzen – körperlich und seelisch –, doch das Einzige, woran ich denken konnte, war, dass Abbas medizinische Hilfe bekommt.“


Ahmed (9)

Als seine Familie versuchte, aus Syrien zu fliehen, verlor Ahmed seine Mutter. Ahmed fand sich allein in einem Gebiet wieder, das vom sogenannten IS kontrolliert wurde. Er sah Enthauptungen, Auspeitschungen und Tote.

Ahmed gelang schließlich die Flucht in die Türkei. Hier fand er seine Mutter wieder. Doch er stotterte, litt unter Schlafstörungen und schlug oft um sich.

Ahmed erzählt: „Ich mag keine Flugzeuge oder Bomben oder Granaten oder Minen. Du gehst einfach irgendwo lang und eine Mine explodiert und du stirbst. Oder jemand wirft eine Bombe und die kann dich töten. Oder eine Rakete zersplittert und tötet die Hälfte der Menschen, die sie trifft. Ich habe Angst vor Blut, und ich habe Angst, Tote zu sehen oder jemanden, dessen Kopf abgehackt wurde."


Save the Children in im Einsatz

Gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen sorgen wir dafür, dass syrische Kinder emotionale Unterstützung erhalten, um ihre traumatischen Erlebnissen zu verarbeiten. Darüber hinaus helfen wir Familien in Syrien und den Nachbarländern mit Nahrungsmitteln, sauberem Wassern, medizinischer Versorgung sowie Unterkünften und sind in den Bereichen Schutz und Bildung für Kinder aktiv.

Seit Beginn des Konflikts konnten wir mehr als 2,4 Millionen syrischen Kinder mit unseren Nothilfemaßnahmen erreichen. Mit Ihrer Hilfe können wir noch viel mehr tun. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit für syrische Kinder mit Ihrer Spende. 

IBAN: DE92100205000003292912
BIC: BFSWDE33BER
Stichwort: Syrien-Nothilfe