Was mich bewegt: Lernen im Ausnahmezustand
von Florian Westphal, Geschäftsführer von Save the Children Deutschland
Von Minenspürhunden haben wir wahrscheinlich alle schon einmal gehört. Aber wussten Sie, dass es auch Ratten gibt, die Minen aufspüren? Das habe ich in einer „Mine Risk Awareness Session“ gelernt, an der ich kürzlich im Osten der Ukraine, in der Region Charkiw, teilgenommen habe. Ein beinahe kurioser Einstieg in ein bitterernstes Thema.
Denn Schulungen über die Gefahren von Minen sind für viele Kinder in der Ukraine längst Teil des Alltags – sie sollen Leben retten in einem Land, in dem große Gebiete vermint oder mit Blindgängern belastet sind. Etwa 15 Kinder zwischen sechs und 14 Jahren nahmen teil. Die Trainer*innen sind Fachleute, teils haben sie im Krieg gekämpft. Sie erklärten den Kindern, wie Landminen aussehen, wo Blindgänger liegen können und welche Regeln Leben retten: Stehenbleiben, umdrehen, in den eigenen Fußspuren zurückgehen. Ich war beeindruckt, mit welcher Selbstverständlichkeit und Ruhe die Kinder das übten.
Vielleicht hatte die hohe Aufmerksamkeit aber auch mit dem tierischen Ruhepol zu tun, der die gesamte Session begleitete. Ein Minenspürhund ließ sich geduldig von den Kindern streicheln und von einem Mädchen sogar einen Kuss geben – ein kurzer Moment der Unbeschwertheit. Doch solche Augenblicke ändern nichts daran, dass die Gefahr für die Kinder allgegenwärtig ist. Sie wirkt erschreckend vertraut, denn die Kinder wachsen mit ihr auf – genau wie mit Stromausfällen, Online-Unterricht und der ständigen Frage, wann der Krieg endlich aufhört.

Einen Tag zuvor hatte ich bereits einen weiteren Lernort besucht, den es eigentlich nicht geben sollte: eine Schule in einem Bunker sieben Meter unter der Erde. An den Wänden hingen Fotos und es waren Fenster auf die Wände gemalt, die den Blick auf schöne grüne Landschaften öffneten. Da in Charkiw das Lernen über der Erde zu gefährlich ist, findet der
Unterricht zumeist in U-Bahnhöfen und Nuklearbunkern statt –
nicht aus Angst vor einem Nuklear-angriff, sondern weil nur diese meterdicken Betonwände genug Schutz gegen die Angriffe bieten. Die Kinder können hier ungestörter lernen, da sie nicht ständig bei Luftalarm den Unterricht abbrechen müssen. Außerdem bedeutet die Bunkerschule für viele von ihnen das erste Mal seit Jahren überhaupt wieder Präsenz- statt Onlineunterricht.
In Gesprächen während meiner Reise wurde mir immer wieder deutlich, wie stark Kinder selbst in dieser extremen Situation sind. Ein Mädchen wollte Kindern in Deutschland etwas mitgeben und sagte schlicht: „Habt keine Angst, der Krieg ist bestimmt bald vorbei.“ Ein Satz voller Hoffnung.
Ich bin noch vielen weiteren Menschen begegnet, die mir von ihrem Leben erzählt haben, das schon so lange vom Krieg geprägt ist. Das möchte ich gern in einem Webinar mit Ihnen teilen.
Es findet statt am 24. Februar von 14:15 bis 15:00 Uhr.
Impact: 40 Tonnen Hilfe für den Sudan
Wichtige Medikamente wie Antibiotika, medizinische Geräte und therapeutische Notfallnahrung für mangelernährte Kinder waren an Bord des Frachtflugzeugs, das im November in Port Sudan landete. Die Hilfsgüter gelangten danach auf dem Landweg zu Kindern und Familien in den am schwersten zugänglichen Gebieten des Landes, darunter Tawila in Nord-Darfur. Die Lieferungen reichen aus, um Hunderte Gesundheitszentren für sechs bis zwölf Monate auszustatten, damit sie Kinder behandeln können.

Events: Art with Impact

Haben Sie ein Faible für Kunst? Wir auch – vor allem, wenn sie Gutes tut! Denn das ist der Fall bei unserer Benefizauktion Art with Impact in der Berlinischen Galerie. Der renommierte Auktionator Simon de Pury versteigert Werke namhafter internationaler Künstler*innen zugunsten unserer Arbeit. Auch außergewöhnliche Begegnungen mit prominenten Menschen können ersteigert werden. Hier können Sie sich vorab informieren. Die Violinistin und langjährige Botschafterin von Save the Children Anne-Sophie Mutter und weitere Personen aus der Kunst- und Kulturszene werden vor Ort sein.
Wir freuen uns sehr, wenn auch Sie dabei sind am
29. April (Einlass 18:00 Uhr)
Berlinische Galerie, Alte Jakobstr. 124 - 128, 10969 Berlin
Die Teilnahme an der Auktion ist auch digital oder per Telefon möglich. Bitte melden Sie sich per Mail an.



