Unser Schwerpunkt: Es ist eine Gemeinschaftsaufgabe
In Tiépa, einem kleinen Dorf zwischen Kautschuk- und Kakaoplantagen in Côte d’Ivoire, gibt es keine Krankenstation – aber den „Doktor“. So wird Michel Bayoro, der eigentlich Landwirt ist, hier genannt. Michel ist einer von unseren rund 8.300 kommunalen Gesundheitshelfer*innen im Land. Er hilft, Malaria zu behandeln, und hat die besonders gefährdeten Menschen im Blick: Kinder unter fünf Jahren und schwangere Frauen. Geschult durch eine unserer Partnerorganisationen misst er Fieber, macht Tests, gibt Medizin aus und überweist schwere Fälle an eine Krankenstation. Dafür bekommt er eine kleine Aufwandsentschädigung. Doch es ist nicht die zusätzliche Einnahme, die ihn antreibt, sondern der wichtige Dienst für die Gemeinschaft. „Ich möchte mein Dorf nicht im Stich lassen“, sagt Michel. Für sein Engagement und Wissen genießt er großen Respekt.
Auf die schnelle Diagnose kommt es an
Jeden Tag vor der Feldarbeit dreht der 36-Jährige auf dem Fahrrad, das ihm von Save the Children zur Verfügung gestellt wurde, seine Runde durchs Dorf. Immer dabei: ein Koffer mit Test-Kits und Medikamenten. Seine erste Patientin heute ist Mahion*, zwei Jahre alt. Sie hat Fieber, ist schlapp und klammert sich an ihre Mutter. Vorsichtig nimmt Michel aus einem Finger des Mädchens etwas Blut, gibt es auf den Teststreifen und hat nach wenigen Minuten das Ergebnis: „Zwei Streifen. Der Test ist positiv“, sagt er. Mahion bekommt ein Medikament gegen das Virus. Am nächsten Tag wird Michel wieder nach ihr sehen.
Prävention und Aufklärung retten Leben
95 Prozent der weltweiten Malaria-Fälle werden in Afrika südlich der Sahara registriert. Die Krankheit gehört zu den häufigsten Todesursachen bei Kindern. In der Schwangerschaft ist die Krankheit für die Mutter wie auch für das ungeborene Kind lebensgefährlich. Zwar gibt es inzwischen einen Impfstoff, doch es wird noch Jahre dauern, bis alle Kinder immunisiert sind. Bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung sind die Heilungschancen jedoch gut. Deshalb achten Helfer*innen wie Michel nicht nur auf kleinste Anzeichen der Krankheit, sondern geben den Familien auch Tipps: Etwa, dass es in der Nähe des Hauses keine Wasserpfützen oder Regentonnen geben sollte. Sie sind ideale Brutstätten für Mücken, die mit ihren Stichen die Krankheit übertragen. Auch Moskitonetze über den Betten sind wichtig.
Der Kampf gegen Malaria ist und bleibt eine Gemeinschaftsaufgabe. Save the Children unterstützt daher viele engagierte Menschen und lokale Gruppen – damit Michel und seine Mitstreiter*innen noch so lange wie nötig mit ihren Rädern die Patient*innen erreichen können.
Das Porträt: Vom Reisen inspiriert

„Wir haben so viel zu tun als Rentner, das hätte ich nicht gedacht“, erzählt Johann M. am Telefon. Und dass er Save the Children vor rund zwei Jahren beim Googeln gefunden hat. Die Suche: Wem kann ich mein Vermögen vererben außer der Familie?
Johann M. ist Rentner und wohnt in Fellbach, das schon seit 25 Jahren sein Zuhause ist. Lange arbeitete er bei Carl Zeiss in Oberkochen, war dort erst in der Medizin- und Messtechnik, später in der Mikroskopie und wechselte nach einem späteren Studium der Betriebswirtschaft schließlich in den kaufmännischen Bereich und den Vertrieb. Als er Reiner S. kennenlernte, hätte eigentlich ein Stellenwechsel nach Thüringen angestanden. Aber Johann M. entschied sich, in Baden-Württemberg zu bleiben – der Liebe wegen.
Prägende Erlebnisse
Schon immer ist Johann M. gern gereist. Er erzählt von vielen Ländern und dass er sich zuletzt einen großen Traum erfüllt hat: „In Ruanda war ich bei den Berggorillas. Ich hatte mich schon in den 90er Jahren mit Dian Fosseys Forschung beschäftigt und wollte das immer machen. Und dann war ich nur drei Meter von den Berggorillas entfernt. Das war eigentlich das Beste, was ich in meinem Leben erlebt habe.“
Damit stand nun der Entschluss fest: Bedrohte Tierarten will Johann M. auch nach seinem Tod geschützt wissen. Doch damit nicht genug. Gemeinsam mit seinem Mann hat er gleich mehrere Organisationen im Testament bedacht. Save the Children und der WWF gehören dazu, außerdem die Obdachlosenhilfe Stuttgart, die AIDS-Hilfe und ein kleines Krankenhaus in Südafrika, das sich um aidskranke Waisen kümmert.
Auch auf die Frage, warum das Erbe aufgeteilt werden soll, nimmt uns Johann M. mit auf vergangene Reisen: „Wir haben 2015 eine Rundreise in Südafrika gemacht. Die Kinderarmut und die aidskranken Waisen haben mich sehr erschüttert. Aber auch schon in den 80er Jahren hab’ ich auf Sri Lanka gesehen, wie arm die Menschen dort sind und wie die Kinder mitarbeiten müssen auf den Teeplantagen. Das hat mich richtig erschreckt.“ Gleichzeitig ist ihm bewusst, dass auch hierzulande Kinder in Armut aufwachsen. Deshalb war es ihm wichtig, Save the Children zu bedenken: Nicht nur Kinder in anderen Ländern sollen unterstützt werden, sondern auch in Deutschland.
Warum gemeinnützig vererben?
Johann M. und sein Mann sind verpartnert. Sie haben keine Kinder. „In der Familie haben alle genug“, finden sie. Aber gegenseitig wollen die beiden sich schon erst einmal absichern. Deshalb haben sie sich in einem gemeinschaftlichen Testament gegenseitig bedacht und dann Save the Children und den WWF als sogenannte Schlusserben – das bedeutet, erst wenn Johann M. und Reiner S. nicht mehr leben, geht es an die beiden Organisationen. Und: „Wir haben auch noch Vermächtnisse für meine Halbschwester und den Bruder meines Mannes bestimmt“, erklärt Johann M.
Schlusserbe, Vermächtnis – klingt kompliziert!? „Man muss sich halt mal Zeit nehmen“, meint Johann M. Aber er habe sich dann gut zurechtgefunden. Es gab Formulare, Vordrucke und Checklisten von uns und dem WWF. Zudem hat unsere Ansprechpartnerin fürs Erben und Vererben das Testament von Johann M. und seinem Mann anwaltlich prüfen lassen. „Zwei kleine Korrekturen waren noch nötig. Danach haben wir es beim Amtsgericht hinterlegt. Also wir haben alles in die Wege geleitet. Und so ist es doch gut, wenn das jemand bekommt, wo es ja richtig und gut eingesetzt wird. Sinnvoll vor allem“, findet Johann M.
Emotional sei das Ganze für ihn nicht gewesen. Und dennoch sagt er am Ende etwas, das bewegt: „Es würde mich schon freuen, wenn Menschen, die wirklich viel Geld haben, sich für solche Organisationen einsetzen würden. Das wäre mein Anliegen, für die ganzen Kinder, wenn man sieht, was da alles so passiert in der Welt.“
Was mich bewegt: Zwischen Zuversicht und Not
von Florian Westphal, Geschäftsführer von Save the Children Deutschland
Vor kurzem war ich in Syrien. Es ist ein Land voller Widersprüche. In der Altstadt von Damaskus liegt die wunderschöne Omajjaden-Moschee, eine der ältesten Moscheen der Welt. Aber nur wenige Kilometer entfernt kommt man in das im Krieg völlig zerstörte Viertel Jobar – eine Ruinenlandschaft mitten in der Großstadt.
Solche Kontraste begegnen mir auch in Gesprächen mit den Menschen. Es gibt viel Hoffnung, aber auch viele Sorgen. So erzählte mir ein Kollege aus der Stadt Rakka, dass er zum ersten Mal seit neun Jahren seine Verwandten in Aleppo wiedersehen konnte. Der Krieg hatte diese Reise, die eigentlich nur ein paar Stunden mit dem Auto dauert, unmöglich gemacht. Nach vorn blicken auch die jungen Männer und Frauen, die eine lokale Partnerorganisation in Rakka im Friseurhandwerk oder als Elektriker ausbildet. Sie möchten sich selbstständig machen, um auf eigenen Füßen zu stehen und ihren Familien helfen zu können.
Doch auf der anderen Seite erfahren wir von großen Herausforderungen: 14 Jahre Bürgerkrieg haben Spuren hinterlassen. Die Armut ist unübersehbar. In einem von uns unterstützten Ernährungszentrum treffe ich Reham*, eine junge Mutter, die mir berichtet: „Maher*, mein acht Monate alter Sohn, war durch Mangelernährung so geschwächt, dass er sich überhaupt nicht bewegen konnte. Nach fünf Besuchen hier bin ich nicht mehr so besorgt.“ Rehams Mann ist Tagelöhner und verdient etwa 15 Euro die Woche – wenn er Arbeit findet. Das Ehepaar hat noch weitere Kinder und das Geld reicht einfach nicht. Die Familie sah sich gezwungen, ihre 14-jährige Tochter zu verheiraten, damit für sie gesorgt ist.
Was bringt die Zukunft?
2,4 Millionen Kinder in Syrien können nicht zur Schule gehen. Oft müssen sie stattdessen arbeiten, um zum Einkommen der Familie beizutragen. „Mein zwölfjähriger Sohn, Amjad*, hat gerade lesen und schreiben gelernt. Aber wenn das Zentrum schließt, wird sich alles wieder zum Schlechten wenden“, erzählt mir seine Mutter Leila*. Amjad hat jahrelang auf der Straße gearbeitet und Metall gesammelt, um es zu verkaufen. Zur Schule gehen konnte er zum ersten Mal in unserem Zentrum, der Besuch ist für ihn kostenlos.
Dass Amjad* dort weiter lernen kann, können wir den Familien leider nicht versprechen. Durch die Kürzungen der Hilfsgelder durch die USA und andere Geberstaaten – auch Deutschland gehört dazu – werden wir gezwungen sein, einige unsere Angebote einzuschränken oder gar zu beenden. Dabei wünsche ich mir sehr, dass die Hoffnung, nicht die Not im Leben der Kinder überwiegen wird. Syrien hat jetzt eine echte Chance auf eine bessere Zukunft. Wir tun weiterhin alles, was wir können, um die Kinder nicht allein zu lassen auf diesem Weg.
Gemeinsam mit Ihnen können wir die notwendige humanitäre Hilfe weltweit leisten.






