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Lächelnde Frau mit Regenbogenflagge

5 Tipps wie man mit Kindern
über Queerness spricht

Was heißt queer?

Queer ist ein Sammelbegriff, der sexuelle Orientierungen beschreibt, die nicht heterosexuell sind, Geschlechtsidentitäten, die nicht-binär oder nicht-cisgender sind, sowie Lebens- und Liebesformen, die von der heteronormativen Norm abweichen.

von Vera Sultani

Kinder sind neugierig – und sie stellen oft Fragen, die Erwachsene kurz innehalten lassen. Themen wie Gender, Sexualität und Queerness können dabei ebenfalls zur Sprache kommen. Wie erklärt man einem Kind zum Beispiel, was „nicht-binär“ bedeutet? Die gute Nachricht: Kinder brauchen keine komplizierten Erklärungen. Sie brauchen Ehrlichkeit, Vorbilder – und Erwachsene, die Vielfalt als etwas ganz Normales zeigen.

Hier sind 5 Tipps, wie man mit Kindern offen und kindgerecht über Queerness sprechen kann – nicht nur im Pride Month Juni.


1. Früh anfangen – kindgerecht und ehrlich

Kinder stellen oft direkte Fragen: „Können zwei Frauen auch heiraten?“ oder „Warum trägt der Mann ein Kleid?“ – Das sind wertvolle Gesprächsanlässe. Nutzen Sie diese! Statt auszuweichen oder die Frage umzulenken, hilft eine einfache, ehrliche Antwort. Zum Beispiel: „Ja, Menschen können sich in wen auch immer verlieben – das ist ganz normal.“

Wichtig: Es geht nicht darum, Kindern „alles“ zu erklären, sondern ihnen ein Gefühl für Offenheit, Respekt und Vielfalt zu geben – von Anfang an.

2. Vielfalt sichtbar machen

Kinder lernen durch das, was sie sehen. Wenn in den Büchern, Serien oder Bildern, die Sie gemeinsam anschauen, auch queere Menschen vorkommen, zeigt das: Vielfalt gehört einfach zum Leben dazu. Es muss auch nicht immer das große „Aufklärungsgespräch“ sein. Manchmal reicht es, wenn die Hauptfigur im Lieblingsbuch zwei Papas hat oder ein Kind sich mit der eigenen Geschlechtsidentität auseinandersetzt – und selbstverständlich geliebt wird und sein darf.

 

3. Sprache bewusst wählen

Sprache formt Wirklichkeit. Aussagen wie „Mädchen machen das nicht“ oder „Später wirst du mal eine Frau heiraten“ grenzen ungewollt aus. Versuchen Sie stattdessen Formulierungen wie: „Wenn du mal jemanden liebst…“ oder „Jeder Mensch darf so sein, wie er ist.“

Auch das ist ein Zeichen: Queerness muss nicht besonders erklärt oder ausgeschlossen werden – sie darf einfach mitgedacht sein.

4. Fragen zulassen – auch wenn Sie keine Antwort haben

Manchmal stellen Kinder Fragen, auf die wir selbst keine Antwort wissen und das ist okay. Sagen Sie zum Beispiel: „Gute Frage – da bin ich mir nicht sicher. Wollen wir das zusammen herausfinden?“ Das zeigt: Lernen hört nie auf. Und Offenheit ist wichtiger als Perfektion. Kinder merken sich nicht immer, was wir sagen – aber wie wir damit umgehen.

5. Vorbild sein

Kinder schauen sich Vieles von ihrem Umfeld ab. Wenn Sie respektvoll und offen über queere Menschen sprechen, ihre Lebensrealitäten nicht in Frage stellen und Vielfalt aktiv leben, lernen Kinder: Queerness ist nichts Besonderes – sondern einfach ein Teil unserer Welt. Ein Kind, das erlebt, dass Unterschiede wertgeschätzt werden, wird selbst empathischer und offener auf andere zugehen.

+++ Bonus-Tipp: Wie reagiert man, wenn das eigene Kind sagt, dass es queer ist? +++

Ein Coming-out ist für viele Kinder und Jugendliche ein großer Schritt – und für Eltern oft ein emotionaler Moment. Hier einige Impulse, wie Sie damit liebevoll und unterstützend umgehen können:

  • Ruhig bleiben und zuhören. Ein einfaches „Danke, dass du mir das sagst“ zeigt: Ich bin da.
  • Das Kind bestärken. Sagen Sie klar: „Ich liebe dich, so wie du bist.“ Das gibt Halt.
  • Offene Fragen stellen. Z. B.: „Wie fühlst du dich?“ oder „Was brauchst du gerade von mir?“
  • Informieren Sie sich selbst. Niemand weiß alles – aber man kann immer dazulernen.
  • Seien Sie ein aktiver Ally. Sprechen Sie sich für Ihr Kind aus – zu Hause, in der Schule, im Alltag.

Sie brauchen weitere Informationen?

Gemalter Bücherstapel

Diese Bücher könnten Ihnen helfen:

  • Zwei Papas für Tango von Edith Schreiber-Wicke (ab vier Jahren)
  • Raffi und sein pinkes Tutu von Riccardo Simonetti (ab vier Jahren)
  • Das Zebra unterm Bett von Markus Orth (ab sechs Jahren)
  • Das Wunder von R. von Francesca Cavallo (ab acht Jahren)
  • Ach so ist das?! von Martina Schradi (ab 13 Jahren)