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Publisher Save the Children26.04.2018

Kinder im Katastrophengebiet: Es fehlt an Wasser und warmer Kleidung

„Mir ist schrecklich kalt. Ich möchte nach Hause.“ Die sechsjährige Karen ist mit ihren Eltern und ihrem Bruder in einer Grundschule in Ishinomaki untergekommen. Ihr Haus wurde von Erdbeben und Tsunami komplett zerstört.

„Ich möchte meinen Kindern nicht antun, sich die Trümmmer unseres Hauses anzuschauen“, erzählt der Vater von Karen, Koichi dem Save the Children Team vor Ort. Im Evakuierungszentrum gibt es Decken und einen kleinen Kerosinofen für die frierenden Menschen.

Knapp zwei Wochen nach dem verheerenden Erdbeben geraten die Hilfsmaßnahmen zunehmend ins Stocken. Lebensmittel, Wasser und Heizmaterial werden allmählich knapp.

„Wir sehen Kinder, die unter extrem schwierigen Bedingungen leben. Da das Benzin vielerorts knapp wird, können dringend benötigte Hilfsgüter gar nicht mehr oder nicht schnell genug in die Katastrophengebiete gebracht werden“, erklärt Stephen McDonald, Leiter des Save the Children-Katastrophenteams in Sendai. Wegen der nuklearen Bedrohung könnte sich die Versorgungslage weiter verschärfen.

Gestern erkundeten Save the Children-Mitarbeiter die Situation nördlich von Sendai. „Wir sind zehn Stunden durch Schneematsch und Regen gefahren. Von einigen Orten, zum Beispiel Onagawa, ist praktisch nichts mehr übrig. In Ishinomaki trafen wir Kinder, die sich um eine einzige Kerosinlampe im Evakuierungszentrum drängten, um sich etwas zu wärmen.”

Save the Children-Mitarbeiter konnten mit Kindern über ihre Ängste sprechen. Die achtjährige Kazuki Seto, die in einem Evakuierungszentrum in der Nähe von Sendai untergebracht ist, erzählt: "Wir machen uns Sorgen wegen des Kernkraftwerks. Wir haben große Angst vor der Strahlung. Deshalb spielen wir auch nicht mehr draußen.“ Yasu Hiro (10) sagt: “Wir wissen, was mit den Bomben in Hiroshima und Nagasaki passiert ist und wir haben schreckliche Angst. Wenn das Kernkraftwerk explodiert, wird das eine Riesenkatastrophe.“
    
„Die Situation in Fukushima hat definitiv Einfluss auf die Hilfsmaßnahmen im Katastrophengebiet. Durch die Ausweitung der Evakuierungszone sind noch mehr Familien obdachlos geworden und müssen in Schulen und öffentlichen Gebäuden, die noch intakt sind, untergebracht werden. Auch der Einsatz von zusätzlichen Hilfskräften im Katastrophengebiet ist durch die nukleare Bedrohung schwierig”, erklärt Save the Children-Teamleiter Stephen McDonald.

Save the Children richtet derzeit Kinderschutzzentren (Child Friendly Spaces) in Sendai ein. Dort können traumatisierte und unter Schock stehende Kinder ihre schrecklichen Erlebnisse verarbeiten und mit anderen Kindern in einem geschützten Raum spielen. Vermutlich haben bis zu 100.000 Kinder durch das Erdbeben und den dadurch ausgelösten Tsunami ihr Zuhause verloren.

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