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Publisher Save the Children26.04.2018

"Wenn Tiere überleben, haben Kinder eine Chance"

Save the Children Mitarbeiterin Maya Dähne hat die Existenzsicherungsprogramme im Süden Äthiopiens besucht. Die Hälfte der Bevölkerung sind Kinder unter 15 Jahren. Fast 40 Prozent der Kinder unter fünf Jahren sind mangelernährt. Ziel von Save the Children ist es nicht nur in Notsituationen kurzfristig schnell zu helfen, sondern die Lebensgrundlagen der Familien langfristig zu sichern.

Die staubige Schotterpiste führt vorbei an runden, strohgedeckten Lehmhütten. Ein kleiner Junge treibt eine Herde abgemagerter Ziegen mit einem Stock über die Straße. Mädchen und Frauen schleppen schwere Stapel Feuerholz oder Grasbündel auf dem Rücken, manche tragen gelbe Wasserkanister auf dem Kopf.

Worku und Darmi haben neun Kinder. Die Jungen sind schon erwachsen. Nur die drei Mädchen, Terisa, Sharuke und Warkiye leben noch zu Hause bei den Eltern. Ihre fensterlose runde Hütte, der Tukul, besteht aus zwei winzigen, engen Räumen, in der Mitte des ersten Raumes glimmt ein Feuer. Außer einer Pritsche an der Wand gibt es keine Möbel. Der hintere Raum ist mit Schlafmatten ausgelegt. „Früher hatten wir 40 Kühe“, erzählt Worku. „Aber durch die anhaltenden Dürren der vergangenen Jahre haben wir fast alles Vieh verloren.“ Heute hat die Familie nur noch drei Tiere. Die Milch, die früher Hauptnahrungsmittel für die Kinder war, reicht nicht mehr zum Überleben. Deshalb bekommt die Familie Weizen, Linsen und Pflanzenöl von Save the Children.

Ein paar Meter weiter wohnt die sechsjährige Dhaki mit ihren fünf Geschwistern und ihrem Vater. Dhaki ist krank und sichtbar unterernährt. Apathisch sitzt sie in der Hütte, zu schwach um aufzustehen. Sie ist mit ihrer Familie erst vor kurzem in die Gegend gezogen. „Wir haben alles verloren“, sagt Dhakis halbblinder Vater. Hier hofft er Hilfe zu bekommen: etwas zu Essen für seine Kinder, Medikamente für seine kranke Tochter  - und zwei oder drei Ziegen.


Vieh als Lebensversicherung

„Für die Nomadenfamilien in dieser Region ist ihr Vieh überlebenswichtig“, erklärt Dr. Axel Weiser, Leiter der Existenzsicherungsprogramme von Save the Children in Äthiopien. „Ziegen, Kühe und Kamele sind Nahrungsmittelquelle und Bankkonto der Menschen. Wenn sie Tee, Zucker oder Kleidung, kaufen oder einen Arzt bezahlen müssen, verkaufen sie Vieh. Milch, Fleisch, und die Lederhaut  einer Kuh werden genutzt. Wenn aufgrund der Dürre Tiere verenden, ist die Existenz der Menschen bedroht.“ Viele andere Möglichkeiten haben die Familien auch nicht. Ackerbau ist in den extremen Trockengebieten, die immerhin 60 Prozent des Landes ausmachen, nur sehr schwer möglich.

„Um den Menschen in Dürrezeiten zu helfen, müssen wir die Lebensgrundlage der Familen erhalten. Worku und Darmi bekommen deshalb nicht nur Lebensmittel für ihre Kinder, sondern auch Futter für ihr Vieh“, sagt Axel Weiser. Auf einer mit dornigen Büschen eingezäunten Weide am Dorfrand drängen sich 200 Kühe. Die meisten von ihnen sind bis auf die Knochen abgemagert. „Vor ein paar Wochen konnten sich die meisten Tiere nicht mehr auf den Beinen halten und gaben nur noch sehr kleine Mengen wässriger Milch. Inzwischen sind sie schon kräftiger und die Milch wird besser. Das ist gut für die Kinder“, erzählt Adi Guyo. Er überwacht das Notfütterungsprogramm für Save the Children vor Ort. Gemeinsam mit den Ältesten der Gemeinde werden besonders bedürftige Familien ausgesucht. Diejenigen, die ihr gesamtes Vieh verloren haben, bekommen von den reichen Familien im Dorf ein oder zwei Kühe. Save the Children sorgt für das Spezialfutter. 


Wasser für alle

Der Brunnen in Elole, 150 Kilometer östlich von Wachille, ist eigentlich nicht mehr als ein Loch im Boden. Das Loch ist „ acht Menschen tief“, also ungefähr 16 Meter. Eine Pumpe gibt es nicht. Um Wasser zu holen, müssen die Mädchen und Frauen ihre Kanister an langen Seilen herunterlassen und wieder hochziehen. Wenn in Dürrezeiten täglich 2.200 Tiere Vieh getränkt werden, klettern Männer hinunter und bilden eine Menschenkette. Dann wird in Schichten 12 Stunden lang geschöpft. Das ist Knochenarbeit. Stolz zeigt der Aba herega, der Vater des Brunnens, die neue gemauerte Viehtränke. Dank der Hilfe von Save the Children ist auch der Brunnen rundherum mit Steinen und Zement befestigt. „Es ist sicherer und einfacher geworden, Wasser zu holen, weil man nicht mehr so leicht ausrutscht am Brunnenrand. Außerdem fallen jetzt nicht mehr so viel Steine und Schmutz ins Wasser“, erzählen die 12-jährige Tume und die anderen Mädchen Frauen des Dorfes. Durch die gemauerte Tränke versickert weniger Wasser im Boden und wilde Tiere können sie nicht mehr so leicht zerstören. Es sind die kleinen Veränderungen, die große Wirkung erzielen.

 „Natürlich hätten wir hier auch eine moderne Pumpe einbauen können, aber das hätte fatale Folgen gehabt. Mit mehr Wasser hätte man mehr Vieh tränken können. Aber für mehr Vieh reicht das umliegende Weideland nicht aus. Und was würde passieren wenn die Pumpe kaputt geht? Hier gibt es keinen Reparaturdienst, der kommt“, erklärt Axel Weiser. Stattdessen übernehmen die Menschen selbst Verantwortung. Sie sind es, die den Brunnen bauen und den Zugang zum Wasser organisieren.

Noternährungsprogramme für Mensch und Vieh, Brunnenbau – das sind wichtige Bausteine unserer Existenzsicherungsprogramme, die am Ende dafür sorgen, dass mehr Kinder überleben.

Dr. Axel Weiser, Leiter der Existenzsicherungsprogramme von Save the Children in Äthiopien

Auch Dhaki und ihre fünf Geschwister werden überleben. Die Familie hat von Save the Children inzwischen fünf Ziegen bekommen – Startkapital für eine neue Zukunft.

  

Hier können Sie unsere Existenzsicherungsprogramme in Äthiopien direkt unterstützen. 

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