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Publisher Save the Children04.03.2019

"Wir dürfen diese Generation von Kindern nicht verlieren"

Larissa Alles ist seit einem Jahr Advocacy-Managerin des Länderbüros von Save the Children im Jemen. Im Interview spricht sie über die Situation in dem von Krisen gezeichneten Land und die Perspektiven für Kinder dort.

© Mohammed Awadh / Save the Children

Bürgerkrieg, Hungersnot, Cholera – die Nachrichten, die über den Jemen in Deutschland ankommen, sind schon lange von diesen Schlagworten dominiert. Wie ist die aktuelle Lage dort, gerade mit Blick auf die Friedensverhandlungen?

Larissa Alles: Im Jemen spielt sich gerade eine der größten humanitären Krisen weltweit ab, die durch den Krieg, der 2015 begann, verursacht wurde. Mangel- und Unterernährung, ein Zusammenbruch des Gesundheitssystems und der Ausbruch von Cholera sind direkte Folgen davon. Auch die Wirtschaft ist nahezu zusammengebrochen. Ungefähr achtzig Prozent der Bevölkerung sind von dieser weitreichenden Krise betroffen. Die Friedensverhandlungen, die im Dezember 2018 angefangen haben, sind ein erster Hoffnungsschimmer in dieser Situation.

Wie kann man sich derzeit das Leben eines Kindes im Jemen vorstellen?

Larissa Alles: Es ist eine schwere Kindheit. Viele Kinder, gerade auf dem Land, leiden an Mangelernährung. Das beeinträchtigt oft nachhaltig ihre Chancen auf Bildung. Viele Kinder müssen arbeiten und verpassen die Schule. So ist es meist Aufgabe der Mädchen, Wasser von weit her zu holen. Und viele haben den Krieg miterlebt und sind traumatisiert. Die Kinder im Jemen dürfen viel zu früh kein Kind mehr sein.

Was kann man tun, um den Menschen im Jemen zu helfen?

Larissa Alles: Zunächst dürfen wir diese Krise nicht einfach vergessen, auch wenn sie sehr weit weg ist von uns hier. Es ist essentiell, unsere Projekte im Jemen mit Spenden zu unterstützen, um Kindern dort eine Chance auf ein gesundes Leben und Bildung zu geben. So sind sie vor Kinderarbeit und Frühverheiratung besser geschützt. Auf lange Sicht ist das auch sehr wichtig, um den Jemen als Land wiederaufzubauen. Wir dürfen diese Generation von Kindern nicht verlieren.

Was würden Sie denen antworten, die sagen, dass die Hilfe ohnehin nicht ankommt?

Larissa Alles: Sie kommt an. Als jemand, die vor Ort arbeitet, kann ich die Projekte und die Hilfe, die wir leisten, direkt sehen. Ermutigend ist, mit den Leuten, die beispielsweise in einer unserer Gesundheitsstationen in Tais im Südwesten des Landes arbeiten, zu sprechen. Sie ist eine unverzichtbare Anlaufstelle für die Gemeinschaft dort geworden. Ein von der lokalen Gemeinschaft verwaltetes Wasserprojekte war dort ebenfalls sehr erfolgreich. Dadurch, dass das Wasser direkt in die Häuser gepumpt werden kann, müssen Mädchen nicht mehr zum Wasser holen geschickt werden und können die Schule besuchen. Diese Projekte verbessern das Leben der Menschen im Jemen ganz unmittelbar.

Welche Herausforderungen stellen sich bei der Arbeit vor Ort?

Larissa Alles: Die Finanzierung stellt natürlich immer ein gewisses Problem dar, was die Planung langfristiger Projekte schwierig macht. Unruhen in der Region erschweren den Zugang zu unseren Projekten zusätzlich. Aber die Zusammenarbeit mit meinen jemenitischen Kolleginnen und Kollegen motoviert mich jeden Tag. Sie sind wahnsinnig engagiert und wollen wirklich etwas erreichen für ihr Land. Das ist sehr beeindruckend. Die Arbeit im Jemen ist deswegen zugleich bereichernd und herausfordernd.


Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit im Jemen. 85 Euro reichen aus, um eine Familie sechs Wochen lang mit Grundnahrungsmitteln wie Mehl, Öl und Reis zu versorgen.

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