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Save the Children hilft mit Bargeldzahungen

BARGELDHILFEN
FÜR FAMILIEN IN NOT

Effizient und sebstbestimmt: Bargeldzahlungen in der Nothilfe

Viele Familien kämpfen weltweit täglich darum, ihre Kinder mit dem Nötigsten zu versorgen wie aktuell in der Ukraine, in Afghanistan, Somalia. Save the Children unterstützt Familien, die in Not geraten sind, etwa weil sie fliehen mussten oder unter Hungerkrisen und Armut leiden: zum Beispiel mit Nahrungsmitteln, sauberem Wasser, medizinischer Versorgung, aber auch mit Bargeldhilfen (auf Englisch Cash Transfers), damit sie sich das Nötigste leisten können.

Bargeldhilfen sind Geldzahlungen an Familien, damit sie ihre dringendsten Bedarfe abdecken können. Sie werden meist über einen Zeitraum von drei Monaten ausgezahlt, können aber auch eine einmalige oder längerfristige Zahlung sein. Hierbei gibt es verschiedene Modalitäten: von einem bedingungslosen Transfer über die Verknüpfung mit bestimmten Konditionen bis hin zu sogenannten „Cash for Work“-Programmen.  

Die Bargeldzahlungen können parallel zur Verteilung von Nahrungsmitteln, Kleidung oder Grundausstattung des Haushaltes geleistet werden oder diese Formen der Unterstützung komplett ersetzen. Dies ermöglicht es Familien, genau die Dinge zu kaufen, die sie im Moment am dringendsten benötigen. Denn sie sind es, die am besten wissen, was ihren Kindern fehlt und was ihnen am meisten hilft. Studien zeigen, dass Bargeldhilfen sich aber über die akute Nothilfe hinaus auch positiv auf andere Aspekte im Leben von Kindern – wie beispielsweise auf ihre Bildung – auswirken.

Wie gelangen Bargeldhilfen zu den Familien?

Bargeldhilfe in Afghanistan

Es gibt verschiedene Wege, wie Bar­geld­hilfen ausgezahlt werden können – je nach den Gegeben­heiten vor Ort. Grund­sätzlich betrachten wir vor jeder Entscheidung: Wie sicher und schnell sind die einzelnen Möglich­keiten, haben die Familien Zugang und wie hoch sind die Kosten?

Eine direkte Aus­zahlung ist oft die schnellste, günstigste oder einzig ver­füg­bare Option. Vor allem in Gegen­den, in denen es kein aus­rei­chen­des Banken­system gibt. Die Auszahlung kann direkt durch Mitarbeitende von Save the Children oder über Postämter, Mikro­finanz­unterneh­men und lokale Händler erfolgen.

Auch Banken können zur Auszahlung genutzt werden: zum Beispiel mithilfe eines Kontos oder durch Smartkarten oder Mobiltelefone. Smartkarten können ein- oder mehrmalig aufgeladen werden. Familien können hiermit direkt an Geldautomaten Bargeld abheben oder bei registrierten Händlern einkaufen. Auf dem Mobiltelefon können Familien das Geld in Form von Gutscheinen oder mobilem Geld empfangen. Zudem dient das Telefon als Mittel zur wechselseitigen Kommunikation zwischen dem Programmteam und den Familien.

Wir sprechen nicht nur mit den Eltern darüber, ob die Cash Transfers geholfen haben und sich die Lage für ihre Kinder verbessert hat. Wir fragen auch die Kinder, die in der Regel schonungslos ehrlich sind.

Andrea Janssen, Programmdirektorin Save the Children Somalia

Bargeldhilfen können einen lebenswichtigen Unterschied machen:

Mehr Bildung

Kinder gehen häufiger zur Schule, wenn ihre Familien Unterstützung in Form von Bargeld erhalten. Denn davon können Materialien zum Lernen gekauft werden. Auch Mädchen, die sonst häufiger die Schule abbrechen müssen, bleiben länger dabei.

Familien in Kenia sind gezwungen, ihre Kinder aus der Schule zu nehmen – weil der Schulbesuch zu teuer ist, oder damit sie arbeiten und so helfen, die Familie zu versorgen. © Jordi Matas / Save the Children

Im Bezirk Turkana in Kenia, wo die 12-jährige Zipporah lebt, können 75 Prozent der Frauen nicht lesen oder schreiben; fast alle Menschen leben in Armut. Familien sind gezwungen, ihre Kinder aus der Schule zu nehmen – weil der Schulbesuch zu teuer ist, oder damit sie arbeiten und so helfen, die Familie zu versorgen.

In solchen Situationen unterstützen wir Frauen in der Gegend mit Bargeld – so auch Zipporahs Mutter Veronica*: Mit einer Smartkarte kann sie monatlich etwas Geld direkt in einem nahegelegenen Laden abheben und einkaufen. Besonders wichtig ist es ihr, dass Zipporah zur Schule gehen kann.

Weniger Kinderarbeit

Auch die Zahl der Kinder, die zusätzliches Geld verdienen müssen, nimmt ab. Damit sinkt die Gefahr, dass sie sich bei zu schweren Arbeiten verletzen, und sie können oft stattdessen zur Schule gehen.

Weniger Frühverheiratungen

Weniger Mädchen müssen früh heiraten. Schätzungen zufolge passiert das jährlich rund zwölf Millionen Mädchen. Der Grund ist oft wirtschaftliche Not. In Bangladesch zum Beispiel konnte die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mädchen früh verheiratet wird, mithilfe von Bargeldtransfers um 25 Prozent gesenkt werden.

Weniger Mangelernährung

Fehlt es an Geld, können Familien ihren Kindern häufig nicht ausreichend zu Essen geben. Wenn mehr Geld zur Verfügung steht, können sie sich ausgewogenere Mahlzeiten leisten und das Risiko für Mangelernährung sinkt. Außerdem können sich Kinder besser konzentrieren und damit auch mehr lernen, wenn sie satt und gut mit Nährstoffen versorgt sind.

Durch die Bargeldhilfe kann die Mutter dieses Mädchens in Nicaragua nun dafür sorgen, dass sie genug und vor allem nahrhaftes Essen bekommt. © Elvis Gonzalez / Save the Children

Dank Cash Transfers können Familien in Notlagen genau die Dinge kaufen, die sie am dringendsten benötigen. So auch Frania, die Mutter der 2-jährigen Aleska aus Nicaragua. Die Familie kommt aufgrund der wirtschaftlichen Lage im Land kaum über die Runden. Das Essen ist oft knapp und das Mädchen musste vor einem Jahr schon einmal wegen Unterernährung behandelt werden. Durch die Bargeldhilfe kann ihre Mutter nun dafür sorgen, dass Aleska genug und vor allem nahrhaftes Essen bekommt „Es hilft ihr dabei, zu wachsen und Gewicht zuzunehmen“, sagt Frania. „Mein Kind ist glücklich, wenn es sein Müsli isst.“

Existenzsicherung

Eine Bargeldhilfe von Save the Children kann in Somalia den Grundstein für eine neue Existenz legen. © Mustafa Saeed / Save the Children

Bargeld wird nicht nur in akuten Notlagen verteilt. Es kann auch einen Weg aus anhaltender Armut bieten. Vielen Menschen gelingt es mit dieser Anschubfinanzierung, zum Beispiel Waren für einen kleinen Verkaufsstand oder erste Tiere für eine Zucht anzuschaffen und langfristig damit auszukommen.

"Wir haben in diesen Laden investiert und einige Lebensmittel gekauft. Diejenigen, die kein Geschäft eröffnet haben, sind unsere Kunden geworden", erzählt Sagal*. Die Mutter von sechs Kindern aus Somalia verkauft in ihrem Laden Grundnahrungsmittel und Haushaltsartikel wie Seife verkauft – und kann so nun ihre Familie versorgen.

Sagal verwendet das Geld, um ihren Laden wieder aufzufüllen und Wasser zu kaufen, das teuer und schwer zugänglich ist, da es per Lastwagen geliefert wird.

Auch Bakari und ihre Familie in Somalia konnten sich dank Bargeldhilfen wieder eine Existenz aufbauen:

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