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Ahmed* ist unterernährt und wird in einer Klinik von Save the Children in Somaliland behandelt.

Fragen und Antworten
zu Hunger und Mangelernährung

Eine Welt ohne Hunger ist möglich

828 Millionen Menschen sind von Hunger betroffen, 149 Millionen Kinder sind chronisch unterernährt – dabei gibt es genug Nahrung für alle auf der Welt. Mehr noch: Alle Menschen haben ein Recht auf Nahrung. Save the Children setzt sich dafür ein, dass kein Kind stirbt, weil es nicht genug oder nicht das richtige zu essen hat. Hier beantworten wir einige Fragen rund um das Thema Hunger und Mangelernährung.

Was ist Hunger?

Wenn ein Mensch hungert, bekommt er weniger Nahrung, als er es eigentlich benötigt. Es gibt unterschiedlichen Formen von Hunger:

Akuter Hunger bezeichnet Unterernährung über einen begrenzten Zeitraum. Es ist die extremste Form von Hunger und tritt häufig in Zusammenhang mit Krisen auf wie Dürren und Kriege.

Chronischer Hunger bezeichnet einen Zustand dauerhafter Unterernährung. Er ist global am weitesten verbreitet und tritt meist in Zusammenhang mit Armut auf. Betroffene haben zu wenig Geld für eine gesunde Ernährung, für sauberes Wasser oder eine Gesundheitsversorgung.

Verdeckter Hunger ist eine Form des chronischen Hungers und wird auch als Mangelernährung bezeichnet, denn Betroffenen fehlt es an wichtigen Nährstoffen und Vitaminen. Meist betrifft der verdeckte Hunger Kinder in ärmeren Familien, die keinen Zugang zu ausgewogener Ernährung haben. Der Mangel muss nicht zwangsläufig mit Unterernährung eingehen: Auch Menschen, die an Überernährung leiden, können von Mikronährstoffmangel betroffen sein.

Was ist Mangelernährung?

Mangelernährung herrscht vor, wenn Menschen sich zu einseitig ernähren und es ihnen an lebensnotwendigen Mikronährstoffen fehlt. Mangelernährung kann sich sowohl in Unter- als auch in Überernährung äußern. Es wird von folgenden Formen der Mangelernährung gesprochen:

Unterernährung bedeutet, dass ein Mensch über einen längeren Zeitraum weniger Energie zu sich nimmt, als er eigentlich benötigt, um sich gesund zu entwickeln. Besonders Kinder in Ländern des Globalen Südens leiden an dieser Form der Mangelernährung. Die Folgen können Wachstumsstörungen (Stunting) sein: Kinder sind für ihr Alter zu klein und leiden unter einer verzögerten geistigen Entwicklung, die sich zum Beispiel negativ auf die Schulleistungen auswirken kann. Betroffene leiden ebenfalls häufig an Entwicklungsverzögerungen (Wasting), die sich durch Abmagerung und Kräfteverfall äußert. Die Funktionalität des Immunsystems ist beeinträchtigt, wodurch das Risiko für Erkrankungen sehr hoch ist. Häufig geht Untergewicht sowohl mit Stunting, Wasting oder beidem einher.
 

Mikronährstoffmangel bedeutet, dass ein Mensch nicht genug Nährstoffe wie Mineralstoffe oder Vitamine zu sich nimmt. Auch die Unterversorgung mit Nährstoffen wirkt sich negativ auf die geistige und körperliche Entwicklung von Kindern und Heranwachsenden aus. Da der Mangel häufig nicht direkt sichtbar ist, wird auch von „verstecktem Hunger“ gesprochen. Mikronährstoffmangel ist weltweit verbreitet und kann sowohl mit Unter- als auch Überernährung einhergehen.
 

Überernährung bedeutet, dass ein Mensch über einen längeren Zeitraum mehr Energie zu sich nimmt, als er eigentlich benötigt. Die Folgen sind Übergewicht und in besonders schweren Fällen Fettleibigkeit. Fälschlicherweise wird Übergewicht häufig mit Wohlstand gleichgesetzt. Dabei sind weltweit immer mehr ärmere Menschen davon betroffen, weil sie öfter auf günstige Kalorien angewiesen sind, die meist fett- und zuckerhaltig sind.

Was passiert bei Hunger und Mangelernährung?

Kinder leiden besonders stark unter den Folgen von Hunger und Mangelernährung, da ihre geistige und körperliche Entwicklung beeinträchtigt wird. Dies kann zu Konzentrationsschwierigkeiten und Lernschwächen führen. Ein mangelernährtes Kind hat zudem häufig ein geschwächtes Immunsystem und ist somit anfälliger für Infektionskrankheiten.

Besonders in den ersten fünf Lebensjahren eines Menschen, aber auch in seiner Jugend ist es für die Entwicklung wichtig, die richtigen Nährstoffe zu sich zu nehmen. Erwachsene, die als Kinder an Unterernährung und Wachstumsstörungen litten, tendieren zu einer reduzierten körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit. Unterernährung bei werdenden Müttern kann dazu führen, dass ihre Kinder sich während der Schwangerschaft nicht richtig entwickeln können und zu früh sowie untergewichtig zur Welt kommen.

Weltweit sind laut dem "Global Nutrition Report" 6,7 Prozent der Kinder unter fünf Jahren von Entwicklungsverzögerungen betroffen und jedes fünfte Kind unter fünf Jahren leidet unter Wachstumsstörungen. Bis zu 45 Prozent der Sterblichkeit bei Kindern unter fünf Jahren ist auf Hunger und Mangelernährung zurückzuführen.

Wo gibt es Hunger und wie viele Menschen leiden darunter?

Auf dem afrikanischen Kontinent leidet laut UNICEF jeder fünfte Mensch an chronischem Hunger, das sind insgesamt 20,2 Prozent der gesamten Bevölkerung auf dem Kontinent. In den Ländern Somalia, Äthiopien und Kenia am Horn von Afrika ist die Hungersnot derzeit besonders schwer. Dort sind insgesamt mindestens 18,4 Millionen Menschen von akutem Hunger bedroht, darunter 7,1 Millionen Kinder. Auch im Südsudan, der zentralen Sahelzone und der Demokratischen Republik Kongo ist die Hungersituation alarmierend. Jemen, Afghanistan und Syrien sind ebenso von einer ernsten Hungerkrise betroffen.

In Bezug auf die Gesamtbevölkerung eines Landes ist der Anteil der hungerleidenden Menschen in der Zentralafrikanischen Republik, in Madagaskar und Haiti am größten: In diesen Ländern ist rund die Hälfte der Gesamtbevölkerung von chronischem Hunger betroffen.

Weltweit leiden laut des Welternährungsprogramms derzeit insgesamt 828 Millionen Menschen an Hunger. Das sind etwa zehn Prozent der Weltbevölkerung oder jeder zehnte Mensch. 276 Millionen Menschen sind mit akutem Hunger konfrontiert, darunter sind 13,6 Millionen Kinder lebensbedrohlich unterernährt und brauchen dringend humanitäre Hilfe.

Eine der schlimmsten Hungerkrisen war in Somalia im Jahr 2011. Damals starben 260.000 Menschen. Die Hälfte von ihnen waren Kinder.

Warum gibt es Hungerkrisen?

Die Ursachen für Hunger und Mangelernährung sind vielfältig. Eine Kombination aus den Folgen des Klimawandels, bewaffneter Konflikte und Kriege sowie der Covid-19-Pandemie machen die Ernährungssituation in zahlreichen Ländern schwer.

Klimawandel

Der Klimawandel sorgt für immer mehr Wetterextreme und Naturkatastrophen. Dürren und Überschwemmungen zerstören Ernten, sodass weniger Nahrungsmittel produziert werden können. Folglich werden die Lebensmittelpreise teurer und sind für ärmere Menschen nicht mehr erschwinglich.

Bewaffnete Konflikte und Kriege

Bewaffnete Konflikte und Kriege sind ebenso Hungertreiber: Sie zerstören Straßen und die landwirtschaftliche Infrastruktur. Transportwege und Lieferketten werden unterbrochen und der Zugang zu Lebensmitteln ist erschwert. Durch den Ukraine-Krieg fallen beispielsweise wichtige Lebensmittelimporte in Ländern des Globalen Südens aus, was zu Nahrungsmittelknappheit und Preissteigerungen führt.

Covid-19-Pandemie

Die Folgen der Covid-19-Pandemie haben dazu geführt, dass Menschen vor allem in Ländern des Globalen Südens weniger Geld zum Leben haben als vor der Pandemie. Ein niedrigeres Einkommen oder der Verlust von Arbeit wird in vielen Ländern des Globalen Südens nicht durch soziale Absicherungen aufgefangen. Folglich können ärmere Menschen sich und ihre Familie nicht mehr ernähren – und hungern.

Gibt es Hunger in Deutschland?

Auch in Deutschland gibt es Hunger, vor allem bei Menschen, die von Armut betroffen sind. Dabei handelt es sich häufig um versteckten Hunger. Aufgrund von finanzieller Not oder unzureichendem Wissen über gesunde Ernährung mangelt es Betroffenen an Vitaminen und Nährstoffen. In Deutschland ist etwa jedes fünfte Kind von Armut betroffen.

Was tut Save the Children gegen Hunger und Mangelernährung?

Aufgrund der verschiedenen Ursachen von Hunger und Mangelernährung verfolgen wir eine Vielzahl von Programmansätzen, um Kindern weltweit zu helfen. Dazu zählen:

Not- und Katastrophenhilfe

Unsere "Emergency Health Unit" ermöglicht in Konflikten und Katastrophen eine schnelle Reaktion auf akute Notfälle und versorgt betroffene Kinder und ihre Familien mit lebenswichtigen Ernährungs- und Gesundheitsmaßnahmen. Unsere Programme gewährleisten unter anderem, dass werdende Mütter und ihre Kinder genügend Nährstoffe erhalten und Kinder unter fünf Jahren, die an akuter Mangelernährung leiden, so schnell wie möglich behandelt werden.

Vorbeugung von Mangelernährung

Die ersten 1.000 Tage im Leben eines Kindes, beginnend mit der Schwangerschaft, sind besonders wichtig für die körperliche und geistige Entwicklung von Kleinkindern. Wir arbeiten mit lokalen Organisationen auf verschiedenen Ebenen, um Mangelernährung in dieser Zeit vorzubeugen.

Behandlung schwer mangelernährter Kinder

Für schwer mangelernährte Kinder unterstützt Save the Children Stabilisierungseinrichtungen, in denen die Kinder gesundheitlich und mit Spezialnahrung versorgt werden.

Durchführung von Ernährungsprogrammen

Wir unterstützen Mütter dabei, ihre Kinder zu stillen und bilden Gesundheitspersonal aus, Mütter und Erziehungsberechtige über die Vorteile des Stillens zu informieren. Durch ernährungsspezifische Bildungsmaßnahmen helfen wir Familien kennenzulernen, welche Nährstoffe wichtig für Kinder sind.

Cash-Programme

In Kombination mit diesen Maßnahmen unterstützen wir in einigen Regionen auch sogenannte Cash-Programme, in denen Mütter während ihrer Schwangerschaft und in den ersten zwei Jahren nach der Geburt finanziell unterstützt werden, um sich und ihre Kinder gesund ernähren zu können. Um dies langfristig zu gewährleisten, unterstützt Save the Children Familien bei der Verbesserung ihres Einkommens.

Du möchtest nachhaltig etwas gegen den Hunger tun? Dann unterstütze uns jetzt mit einer regelmäßigen Spende, danke! Mit 17 Euro monatlich können wir beispielsweise drei mangelernährte Kinder mit nährstoffreicher Erdnusspaste versorgen.  

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