Jedes 5. Kind lebt in Konfliktgebiet
Seit dem Zweiten Weltkrieg waren noch nie so viele Länder in bewaffnete Konflikte involviert wie heute: Jedes fünfte Kind weltweit – rund 520 Millionen – lebte 2024 in einem Konfliktgebiet.
Das bedeutet oft: Not statt Nahrung. Schusslinie statt Schule. Trauma statt Träume. Krieg statt Kindheit.
Das erleben Kinder in Kriegen
Tod, Rekrutierung und sexualisierte Gewalt
Dunkelziffer höher
Die Zahlen stammen aus dem Jahresbericht des UN-Generalsekretärs zu Kindern und bewaffneten Konflikte (UN CAAC), der die Verbrechen dokumentiert und einen Anhang mit einer Liste der Verantwortlichen enthält. Doch: Die Dunkelziffer ist überall hoch. So werden z. B. Fälle sexualisierter und geschlechtsspezifischer Gewalt oft nicht gemeldet. Betroffene fürchten Stigmatisierung. Die Statistik zeigt daher nur die Spitze des Eisbergs.
Jedes Jahr veröffentlicht Save the Children einen Bericht, der die Situation von Kindern in Kriegen in den Fokus rückt: „Krieg gegen Kinder“ (englischer Name: „Stop the War on Children“) benennt aktuelle Zahlen und ordnet sie ein.
Dazu zählen auch Verbrechen an Kindern in bewaffneten Konflikten. Im Jahr 2024 dokumentierten und bestätigten die Vereinten Nationen 41.763 solcher Verbrechen, die in sechs Kategorien unterteilt werden:
- 6.359 Kinder wurden im Jahr 2024 in Konflikten getötet, 8.480 verstümmelt.
- 7.405 Kinder wurden von bewaffneten Gruppen rekrutiert und in Konflikten eingesetzt.
- 4.572 Kinder wurden von bewaffneten Gruppen entführt.
- 1.982 Fälle sexualisierter Gewalt gegen Kinder in Konflikten wurden im Jahr 2024 dokumentiert.
- 2.694-mal wurden Schulen und Krankenhäuser angegriffen.
- In 7.906 Fällen haben Streitkräfte oder bewaffnete Gruppen Kindern den Zugang zu lebensrettender Hilfe verweigert.

Mehr als die Hälfte der Verbrechen an Kindern in Konflikten ereignete sich 2024 in nur vier Regionen: den besetzten Palästinensischen Gebieten, der Demokratischen Republik Kongo, Nigeria und Somalia.
Save the Children hilft in Kriegen und Konflikten
Unsere Teams sind weltweit in rund 100 Ländern für Kinder da – in Krisen und Konflikten, aber auch darüber hinaus. Sie verteilen Lebensmittel, bauen Notunterkünfte oder helfen mit Bargeld für das Nötigste. Sie behandeln Verletzungen, lindern Schmerzen und spielen mit den Kindern. Sie hören ihnen zu, fangen Sorgen auf und schaffen Raum für Kindheit.
Im Jahr 2025 konnte Save the Children so 13,6 Millionen Kinder in akuten Krisen unterstützen, darunter viele Kinder in Kriegen, Konflikten und Naturkatastrophen.
Mit unserer Advocacy-Arbeit setzen wir uns auch für politische Veränderungen ein: Wir fordern die politisch Verantwortlichen auf, ihren Verpflichtungen nachzukommen und Kinder vor Waffengewalt und den Auswirkungen von Konflikten zu schützen. Wir appellieren an Konfliktparteien, das humanitäre Völkerrecht einzuhalten und zu gewährleisten, dass Kinder jederzeit Zugang zu humanitärer Hilfe haben.
Fragen und Antworten zu Kindern in Kriegen und Konflikten
Wie viele Kinder leben im Krieg?
2024 lebten rund 520 Millionen Kinder – jedes fünfte Kind weltweit – in einem Konfliktgebiet. Zum dritten Mal in Folge ist dies ein neuer Rekordwert. (Quelle: Bericht „Krieg gegen Kinder“ 2025)
Wo leben die meisten Kinder im Krieg?
2024 war Afrika der Kontinent mit den meisten betroffenen Kindern: 218 Millionen Minderjährige lebten dort im vergangenen Jahr in Konfliktgebieten. Erstmals seit 2007 war der Anteil betroffener Kinder dort höher als im Nahen Osten: Jedes dritte Kind in Afrika wuchs in unmittelbarer Nähe eines aktiven Konfliktes auf. (Quelle: Bericht „Krieg gegen Kinder“ 2025)
Wo sterben am meisten Kinder im Krieg?
6.359 Kinder wurden im Jahr 2024 in Konflikten getötet, 8.480 verstümmelt. An keinem anderen Ort waren so viele Kinder betroffen wie in den besetzten Palästinensischen Gebieten: Jedes dritte Kind, das im vergangenen Jahr getötet oder verstümmelt wurde, lebte dort. Auch im Sudan und Myanmar gab es viele dokumentierte Fälle. (Quelle: Bericht „Krieg gegen Kinder“ 2025)
Wie erleben Kinder Krieg?
Kinder erleben Krieg unterschiedlich. Manche haben unmittelbar Kämpfe erlebt, wurden selbst verletzt oder haben Menschen verloren, die ihnen wichtig sind. Andere sind möglicherweise geflohen, bevor die Gewalt sie und ihre Familie erreicht hat. All diese Erlebnisse sind schwer zu verarbeiten, daher leisten unsere Teams auch psychosoziale Unterstützung.
Darüber hinaus leben viele Kinder in langanhaltenden Konflikten. Das heißt:
- Kinder leben dauerhaft in Camps für Geflüchtete oder in Häusern, die z. B. nicht mehr mit Strom versorgt werden.
- Kinder können lange Zeit nicht mehr zur Schule gehen und kaum mit anderen Kindern zusammen sein.
- Kinder erhalten keine medizinische Grundversorgung mehr, ihnen fehlen u. a. wichtige Impfungen.
- Da Kriege oft Vorräte und Felder verwüsten und die Preise für Lebensmittel in die Höhe treiben, hungern Kinder.
Unser Bericht „Krieg gegen Kinder“ 2025 (Englisch: Report „Stop the War on Children“ 2025) zeigt zudem Unterschiede zwischen den Geschlechtern auf: Unter den Kindern, die von schweren Verbrechen betroffen sind, zählen wir mehr Jungen als Mädchen. 60 Prozent der Kinder, die getötet oder verstümmelt wurden, die rekrutiert oder entführt wurden oder sexualisierte Gewalt erfuhren, waren im Jahr 2024 Jungen. 37 Prozent waren Mädchen und in drei Prozent der Fälle war das Geschlecht nicht bekannt oder nicht angegeben.
Ebenso weisen wir im Bericht darauf hin, dass Kinder mit Behinderungen besonders betroffen sind: Eines von zehn Kindern weltweit hat eine Behinderung – und manche davon sind direkt auf bewaffnete Konflikte zurückzuführen, etwa auf den Einsatz von Explosivwaffen. Diese Kinder sind in Konflikten einem höheren Risiko ausgesetzt, zum Beispiel, wenn sie im Fall von Evakuierungen nicht schnell fliehen können. Dennoch wird ihre Situation oft nicht ausreichend in den Blick genommen.
Was ist ein Konfliktgebiet?
Unter einem Konfliktgebiet versteht der Bericht „Krieg gegen Kinder“ (Englisch: Report „Stop the War on Children“) den Bereich im Radius von 50 Kilometern um einen Ort, an dem in einem Jahr mindestens ein Konfliktereignis stattfand. Also eine Einzelsituation mit Toten – entweder durch die Auseinandersetzung zwischen bewaffneten Gruppen oder durch einen Anschlag auf die Zivilbevölkerung.
„Was ist Krieg?“ für Kinder erklärt
Wie erklärt man kindgerecht, was ein Krieg ist? Auf dieser Seite finden Sie fünf Tipps, wie man mit Kindern über Krieg sprechen kann, inkl. Tipps für passende Kinderbücher.
In welchen Kriegen hilft Save the Children?
All unsere aktuellen Nothilfe-Einsätze finden Sie hier. Dazu zählt Unterstützung für Kinder und Familien …
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