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Ein Kind wird in Kenia auf Anzeichen von Mangelernährung untersucht.  © Tommy Trenchard / Save the Children

10 Dinge, die man über eine
Hungersnot wissen sollte

Hungerkrise oder Hungersnot - wo ist der Unterschied?

Immer wieder lesen wir in den Schlagzeilen von Hungerkrisen, Hungerkatastrophen oder gar von einer Hungersnot. Doch wo liegen die Unterschiede? Und welche Auswirkungen hat die Situation auf Kinder und ihre Familien? Wir haben 10 Dinge aufgelistet, die man über eine Hungersnot wissen sollte. 

1. Was ist eine Hungersnot?

Von einer Hungersnot sprechen wir, wenn Haushalte  nicht genug zu essen haben, obwohl sie schon zu so drastischen Mitteln gegriffen haben wie z. B. ihr Haus zu verkaufen. Eine Hungersnot ist u. a. an erhöhten Sterberaten und extrem vielen Fällen von akuter Mangelernährung ersichtlich, die mindestens 30 Prozent der Kinder betrifft. Es ist die schlimmste Situation, in der sich Menschen in Bezug auf Ernährung befinden können. 

Die Integrated Food Security Phase Classification (IPC) ordnet die Ernährungssicherheit von Haushalten in einer Region in eine fünfstufige Skala ein. Diese Phasen reichen von Phase 1: Gesicherte Ernährungslage bis zu Phase 5: Hungersnot.  

2. Welche Bedingungen müssen erfüllt sein, um eine Hungersnot ausrufen zu können? 

Eine Hungersnot wird ausgerufen, wenn in einem Gebiet mindestens 20 Prozent der Haushalte mit einem extremen Nahrungsmangel konfrontiert sind, mindestens 30 Prozent der Kinder akut mangelernährt sind und zwei von 10.000 Menschen jeden Tag an Hunger oder der Wechselwirkung von Hunger und anderen Krankheiten sterben. 

3. Was ist die IPC-Skala?  

Die IPC (Integrated Food Security Phase Classification) ist eine Methode, um die Ernährungssituation in einer Region zu messen. Sie wird unter anderem von Regierungen, der UN und von Nichtregierungsorganisationen verwendet. Es gibt fünf Phasen, die das Ausmaß und die Schwere von Hun­ger und Unterernährung in einer Region aufzeigen: von „Minimal“ in Stufe 1 bis zu „Hungersnot“ in Stufe 5. 

Ab IPC-Phase 3 wird von einer Krise gesprochen, IPC 4 bedeutet eine drohende Hungersnot und wenn IPC 5 er­reicht ist, herrscht akuter Hunger – dann kommt Hilfe oft schon zu spät. Bereits in IPC-Phase 3 oder 4 sterben vie­le Kinder an den Folgen von Hunger und Unterernährung

4. Warum gibt es die IPC-Skala? 

Das Hauptziel der IPC-Skala besteht darin, die Ernährungslage weltweit nach den gleichen Kriterien zu erfassen. Auf dieser Grundlage können Entscheidungsträger*innen Maßnahmen ergreifen, um eine Hungersnot zu verhindern.  

Mithilfe der IPC-Skala können Notfallmaßnahmen sowie mittel- und langfristige Strategien ergriffen werden. 

5. Wer entscheidet, wann eine Hungersnot ausgerufen wird? 

Die Entscheidung eine Hungersnot auszurufen, wird in der Regel von mehreren Instanzen getroffen – in  erster Linie von der Regierung des betroffenen Landes und den Vereinten Nationen. Grundlage ist normalerweise die IPC-Skala und eine Analyse durch das „Famine Early Warning Systems Network" (FEWSNET). 

Das FEWSNET wurde 1985 von der US-Regierung eingerichtet, um Daten aus verschiedenen Quellen nach verheerenden Hungersnöten in Ost- und Westafrika zu sammeln und zu analysieren, einschließlich des Todes von etwa einer Million Menschen in Äthiopien im Jahr 1984. Die Entscheidung, eine Hungersnot auszurufen, ist hochpolitisch. In vielen Fällen wird eine Hungersnot nicht offiziell erklärt, obwohl alle Indikatoren dafür sprechen.

6. Wer ist nach Ausrufen einer Hungersnot verpflichtet zu handeln? 

Niemand. Das Ausrufen einer Hungersnot verpflichtet weder die UN noch die Mitgliedsstaaten zum Handeln.  Es dient dazu, die globale Aufmerksamkeit auf das Problem zu lenken. 

 

7. Wann wurde das letzte Mal eine Hungersnot ausgerufen? 

Im Februar 2017 wurde in Teilen des Südsudans eine Hungersnot ausgerufen. Dort waren fast 80.000 Menschen betroffen (IPC-Skala 5). Die Situation einer weiteren Million Menschen wurden als Notlage eingestuft (IPC-Skala 4). Die Hungersnot war das Resultat aus drei Jahren Bürgerkrieg, der die Existenzgrundlagen vieler Menschen zerstört hatte, gepaart mit einer schwachen Wirtschaft und hohen Lebensmittelpreisen. 

8. Was kann unternommen werden, um eine Hungersnot zu verhindern? 

Vier Maßnahmen sind entscheidend, um eine Hungersnot zu verhindern:  

  1. Funktionierende Frühwarnsysteme,  
  2. eine international koordinierte Reaktion,  
  3. vollständiger und ungehinderter humanitärer Zugang zur betroffenen Region und  
  4. die Beendigung von Konflikten. 

Nur wenn diese Maßnahmen greifen, kann sichergestellt werden, dass die Menschen in Not weiterhin Zugang zu Lebensmitteln, landwirtschaftlichen Produkten, Futter für ihr Vieh, Wasser, sanitären Einrichtungen und Gesundheitsangeboten haben. Vollständiger und ungehinderter humanitärer Zugang ist besonders wichtig, um Anlaufstellen einzurichten und Güter und Personal dorthin zu bringen, wo sie benötigt werden. Dies ist insbesondere in Konfliktzonen eine große Herausforderung.  

Auch wenn schnelle Nothilfe wichtig ist, um Leben zu retten: Langfristige Lösungen sind ebenso wichtig. Nur so können die Ursachen von Hunger, Mangelernährung und Ernährungsunsicherheit, einschließlich Konflikten und der Klimakrise nachhaltig entgegengewirkt werden. Langfristig müssen die Menschen, ihre Gemeinden und Versorgungsstrukturen widerstandsfähiger werden. Regierungen sollten dringend darin investieren.  

Petition: Kein Kind darf Hungern

Portrait Junge Khalil

Alle 13 Sekunden stirbt ein Kind an Mangelernährung. Zum Beispiel in Äthiopien, Somalia und Kenia, wo rund 20 Millionen Menschen unter extremem Hunger leiden. Wir fordern: Jedes Kind hat das Recht auf Nahrung! Bitte unterstützen Sie unsere Petition mit Ihrer Unterschrift, danke!

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9. Warum ist Hunger für Kinder besonders gefährlich? 

Kinder, die aufgrund von Hunger unterernährt sind, sind viel anfälliger für Durchfallerkrankungen wie Cholera oder auch Malaria und Lungenentzündung. Fehlt es ihnen an ausreichend nahrhaften Lebensmitteln oder können sie Nährstoffe aufgrund von Krankheiten nicht aufnehmen, sind Kinder unter fünf Jahren einem hohen Risiko einer akuten Mangelernährung ausgesetzt, die zum Tod führen kann. Überlebt ein Kind, so kann Hunger langfristig zu Wachstumsverzögerungen führen und die geistige und körperliche Entwicklung ein Leben lang beeinträchtigen. 

Hungersnöte führen auch dazu, dass Familien drastische Maßnahmen ergreifen, um das Überleben zu sichern. So kommt es verstärkt zu Frühverheiratungen jüngerer Kinder gegen Essen oder Geld oder die Kinder können nicht mehr zur Schule, sondern müssen stattdessen arbeiten. 

10. Warum sollte man mit dem Begriff Hungersnot vorsichtig umgehen?  

Hunger hat sowohl eine menschliche und eine politische Komponente. Menschen, die von Hunger betroffen sind, leben in einer absoluten Ausnahmesituation. Ihre Lebensgrundlage ist zerstört, es kommt vermehrt zu Unterernährung, Krankheitsausbrüchen und übermäßig vielen Todesfällen.  

Für Organisationen wie Save the Children ist eine Hungersnot eine Katastrophe, die mit den richtigen Maßnahmen hätte verhindert werden können. Darum ist der Begriff auf politischer Ebene oft umstritten, da er als Versagen oder Unfähigkeit verstanden werden kann.  

Wir können etwas gegen den Hunger tun!

Eine Welt ohne Hunger ist möglich: Denn es gibt genug Essen für alle Menschen. Kein Kind sollte sterben, weil es nicht genug zu essen hat. Save the Children kämpft dafür, diesen Missstand zu beenden.

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