Kinderrechte-Check - Verbesserte Qualitätsstandards bei der Unterbringung schutzsuchender Minderjähriger schaffen
Ziel: Verbesserung der Aufnahme- und Unterbringungsbedingungen für geflüchtete Kinder und ihre Familien
Laufzeit: Seit 2020 (mit Vorgängerprojekten seit 2015)
Zielgruppe: Fachkräfte, Kinder, Jugendliche und Familien aus Unterkünften sowie Mitarbeitende der zuständigen Ministerien und Behörden
Regionen: Bundesweit (bisher in Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hessen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt)
Geber: Finanzierung durch Eigenmittel; bis Januar 2026 Kofinanzierung durch den Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds der Europäischen Kommission (AMIF)
Die Ausgangslage
Jedes Jahr verlassen Millionen Menschen auf der Flucht vor Gewalt, Not oder Verfolgung ihre Heimat, darunter auch zahlreiche Kinder und Familien. In Deutschland werden sie in zentralen Erstaufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Hier fehlt es oft an ausreichender Privatsphäre, Schutz sowie Bildungs- und Spielangeboten. Diese Situation – gepaart mit den Nachwirkungen der Flucht – gefährdet die gesunde Entwicklung der Kinder.
Deshalb gibt es das Qualitätsmessinstrument „Kinderrechte-Check“. Es stärkt Kinderrechte in Unterkünften und hilft, die Qualität der Unterbringung für geflüchtete Kinder und Familien zu verbessern.
Die Idee

Wir wollen es den Unterkünften und Behörden einfach machen, die Situation für Kinder und ihre Familien zu verbessern. Deshalb setzen wir auf einen digitalen Kinderrechte-Check, der durch das Scannen von QR-Codes jederzeit und ganz einfach durchgeführt werden kann.
Der Kinderrechte-Check ist ein hochwertiges (Selbstevaluations-) Tool, das es Unterkünften und Behörden ermöglicht, Daten zur Kinderrechtssituation in Unterkünften für Geflüchtete zu generieren und auszuwerten. Mit dem Befragungstool können Kinder, Jugendliche und Eltern sowie Fachkräfte und das Security- und Facility-Personal zu ihrem Befinden und ihrer Einschätzung der Situation vor Ort befragt werden. Die Ergebnisse der Befragung liefern einen fundierten Überblick über die spezifische Kinderrechtsituation in Unterkünften und unterstützen dabei, die Stärken und Herausforderungen der Unterbringung zu identifizieren. Handlungsempfehlungen und Praxis-Tipps sowie individuelle Beratungsangebote unterstützen bei der Entwicklung von Verbesserungsmaßnahmen, um Unterkünfte kinderfreundlicher zu gestalten.
Das Tool
Der Kinderrechte-Check ist ein bewährtes Qualitätsmessinstrument, das bereits seit 2020 in analoger Form existiert. Basierend auf der UN-Kinderrechtskonvention nimmt er die Rechte auf Schutz, Gesundheit, Bildung und Beteiligung genau in den Blick. Zusätzlich werden die Querschnittsthemen Infrastruktur (und Lage) sowie das Personal (selbst-) evaluiert. 2023/24 wurde der Kinderrechte-Check für die digitale Nutzung optimiert sowie auf weitere Zielgruppen ausgeweitet. Seit März 2025 können sich Unterkünfte auf folgender Webseite registrieren und das Tool kostenfrei nutzen: www.kinderrechte-check.de

Die Vorteile der Digitalisierung:
- Kinder, Eltern und Unterkunftspersonal können via QR-Codes einfach und anonym mit dem Handy teilnehmen.
- Für die Bewohner*innen stehen kurze, digitale Fragebögen mit Sprachauswahl- und Audiofunktion in 17 Sprachen bereit.
- Gamification: Altersgerechte Befragungsmethoden erlauben es, Kinder und Jugendliche als Expert*innen in eigener Sache einzubeziehen.
- Intuitive und barrierearme Nutzung durch leichte/einfache Sprache, farbliche Skalen (Ampelsystem) und kurze Erklärvideos.
- Der Log-In Bereich (Dashboard) bietet Materialien zur Bewerbung sowie anschauliche Ergebnisübersichten, die Grundlage für Verbesserungsmaßnahmen sein können.
- Alle Befragungsdaten werden anonym und datenschutzkonformgespeichert und ausgewertet. Die Hoheit über die Daten behält die teilnehmende Unterkunft selbst.
Neben der Beteiligung bietet der Kinderrechte-Check die Möglichkeit, verschiedene Zielgruppen zum Thema Kinderrechte zu sensibilisieren. Für die Bewohner*innen steht ein begleitendes Workshopkonzept inklusive kostenloser Materialien bereit.
Projekthistorie
Der Kinderrechte-Check blickt auf eine lange Genese zurück. Im ersten Vorgängerprojekt „Zukunft von Anfang an“ (2015-2018) untersuchte Save the Children die Situation von Kindern und ihren Familien in Unterkünften für geflüchtete Menschen in mehreren Bundesländern (Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt) und ermittelteIndikatoren für einen Qualitätsrahmen. Diese Indikatoren bildeten die Grundlage für ein Qualitätsmessinstrument, das Save the Children 2018 mit dem Titel „Unterbringungs-TÜV“ veröffentlichte. Ziel des „Unterbringungs-TÜVs“ war es, die Umsetzung von Kinderrechten in Unterkünften messbar zu machen. Der entwickelte Qualitätsrahmen hat sich im Folgeprojekt „Der Unterbringungs-TÜV – Qualität in der Vielfalt sichern“ (2018-2020) in der Praxis bewährt (Anwendung in Berlin und Sachsen-Anhalt). Im Rahmen eines breit angelegten Beteiligungsprozesses, der alle relevanten Akteure berücksichtigte, wurde das Instrument während der Projektlaufzeit kontinuierlich weiterentwickelt und überarbeitet. Der aus diesem Prozess und den aus der Praxis gesammelten Erfahrungen entstandene analoge Kinderrechte-Check untersucht noch zielgerichteter und umfassender die Unterbringungssituation geflüchteter Kinder und ihrer Familien.
Der Kinderrechte-Check dient der Messung von Mindeststandards in Erstaufnahmeeinrichtungen oder Gemeinschaftsunterkünften. Er nimmt insbesondere die Ausstattung, Leistungen und Angebote der Unterkunft in den Blick. Er ist aber nicht ausschließlich ein „Unterkunfts-Check“, sondern fragt auch nach dem Zugang zu externen Angeboten und Versorgungsleistungen. So wird beispielsweise gefragt, ob Kinder Zugang zum regulären Bildungssystem wie Kindertagesstätten und Schulen haben. Der Kinderrechte-Check versteht den Begriff Unterbringungssituation demnach weit.

Im Folgeprojekt „Der Kinderrechte-Check – Qualität steigern in der Unterbringung geflüchteter Kinder“(2020-2022)wurde der analoge Kinderrechte-Check in Kooperation mit zwei Landesregierungen in Niedersachsen und Bremen erprobt und angewendet. Save the Children unterstützte vier Unterkünfte im Qualitätsmanagement und entwickelte anhand der Resultate der Qualitätsmessung und Workshops mit Kindern und Jugendlichen gemeinsam mit Unterkünften und Landesbehörden konkrete Verbesserungsvorschläge. Zusätzlich erhielten die Mitarbeitenden die Gelegenheit, sich in Netzwerktreffen auszutauschen und voneinander zu lernen.
Zugleich zeigte die Pilotierung des analogen Kinderrechte-Checks, dass es einer Weiterentwicklung hin zu noch mehr Praxistauglichkeit im Unterkunftsalltag und Benutzerfreundlichkeit bedarf. Im Projekt wurde daher in Zusammenarbeit mit zwei Gemeinschaftsunterkünften erstmals ein digitaler Prototyp entwickelt. Dieser Prototyp bildete gemeinsam mit dem analogen Kinderrechte-Check die Grundlage für das aktuell laufende Projekt und die Finalisierung hin zum heutigen digitalen Kinderrechte-Check.
Das Projekt „Der Kinderrechte-Check digital – Verbesserte Qualitätsstandards bei der Unterbringung schutzsuchender Minderjähriger schaffen“ (2023-2026) zielte darauf ab, den Kinderrechte-Check zu digitalisieren. Durch die Digitalisierung können Kinder und Eltern sowie Fachkräfte niedrigschwellig befragt werden. In der Projektlaufzeit wurde die Anwendung des digitalen Tools in sechs Unterkünften in drei Bundesländern (Berlin, Niedersachsen, Baden-Württemberg) erprobt. Save the Children entwickelte gemeinsam mit den kooperierenden Unterkünften Ideen zur Verbesserung der Situation von Kindern und Familien vor Ort. Um eine nachhaltige Verankerung von Maßnahmen zu gewährleisten, wurden dabei die Landesbehörden in unsere Beratung einbezogen. Unterkunftsmitarbeitende tauschten sich im Rahmen von Netzwerktreffen aus. Alle Vorgängerprojekte von 2015 bis 2026 wurden aus Mitteln des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds der EU kofinanziert.
Seit Februar 2026 wird der Kinderrechte-Check mithilfe von Eigenmitteln von Save the Children fortgeführt. Ziel ist es, den Kinderrechte-Check in die Breite zu tragen und bundesweit Unterkünften eine Teilnahme zu ermöglichen. Save the Children bietet dazu eine umfassende Beratung an. Das breite Portfolio an Beratungsangeboten für Unterkünfte umfasst Vor-Ort-Begehungen inklusive Fachaustausch, Erarbeitung von Handlungsempfehlungen, Schulungen für Fachkräfte und Unterstützung zur Anwendung des Befragungstools. Wenn Sie Interesse an unseren Angeboten haben, kontaktierten Sie uns gerne jederzeit unter der folgenden Adresse: mail@kinderrechte-unterkunft.de
Publikationen & Materialien
Mehr Informationen über die Inhalte des Kinderrechte-Checks: www.kinderrechte-check.de
Interessieren Sie sich für Publikationen, Materialien und Konzepte?
- Analoge Version des Kinderrechte-Checks: Der Kinderrechte-Check für geflüchtete Kinder
- Trainingskonzept: Kinderrechte stärken durch Beteiligungs- und Beschwerdeverfahren für Fachkräfte
- Konzept für eine Kindersprechstunde in Erstaufnahmeeinrichtungen für geflüchtete Menschen
- Handreichung für Hausmeister*innen und Gebäudetechniker*innen
- Kindgerechte Hausordnung (Druckvorlage A1, Malvorlagen in Schwarz-Weiss)
- Leitfaden Kinderschutz in Unterkünften für geflüchtete Menschen (Albanisch, Arabisch, Kurdisch (Kurmanji), Serbisch, Türkisch)
Ihre Ansprechpersonen

Dieses Projekt wurde aus den Mitteln des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds der EU kofinanziert.








