Unsere Arbeit in Deutschland: Geflüchtete Kinder in ihren Rechten stärken
Die UN-Kinderrechtskonvention besagt, dass alle Kinder das Recht haben, gesund und sicher aufzuwachsen – unabhängig von Herkunft oder Aufenthaltsstatus. Dies gilt also auch für Kinder, die vor Krieg und Verfolgung fliehen mussten. Von den Menschen, die seit 2015 hierzulande Schutz suchen, ist etwa ein Drittel minderjährig. Die meisten der nach Deutschland geflüchteten Kinder kommen aus Kriegs- und Krisengebieten wie Syrien, Afghanistan und der Türkei. Seit der Eskalation des Krieges gegen die Ukraine mussten zusätzlich über 400.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren aus der Ukraine nach Deutschland flüchten. Davon sind 36 Prozent im Grundschulalter (Stand 2026, Quelle: Ausländerzentralregister).
Die Rechte dieser Kinder werden häufig missachtet: Die Erfahrungen, die sie in ihren Herkunftsländern und auf der Flucht machen, bedeuten meist extreme physische und psychische Belastung. Und auch hier in Deutschland sind geflüchtete Kinder vielfältigen Risiken ausgesetzt. So gibt es zum Beispiel keine einheitlichen Standards zu Unterbringung und Schutz von geflüchteten Kindern. In Unterkünften fehlt es oft an geschultem Personal und Strukturen, um Kinder mit belastenden Erfahrungen zu unterstützen. Ebenso mangelt es an Angeboten und Möglichkeiten zur psychotherapeutischen Versorgung.
Wir setzen uns dafür ein, die Rechte von Kindern und Jugendlichen in Unterkünften zu stärken und ihnen einen besseren Zugang zu psychosozialer Unterstützung zu ermöglichen.

Unser Ansatz
Ukraine Nothilfe
Zwischen 2022 und 2024 haben wir im Rahmen unserer Ukraine-Nothilfe-Projekte geflüchtete Kinder aus der Ukraine und ihre Familien beim Ankommen in Deutschland unterstützt und uns dafür eingesetzt, dass sie ihre Rechte auf Schutz, Bildung, Gesundheit und gesellschaftliche Teilhabe wahrnehmen können. Die damaligen Nothilfeprojekte wurden in unsere aktuellen Programme überführt.
Seit 2015 engagieren wir uns in verschiedenen Projekten unmittelbar und direkt vor Ort für geflüchtete Kinder in Deutschland. Die Erkenntnisse aus den Projekten fließen in unsere politische Arbeit ein, mit der wir ihre Situation nachhaltig und strukturell verbessern wollen. Unser Ziel ist es, Ansätze, Maßnahmen und Produkte zu entwickeln, die Fachkräfte und andere Verantwortliche dabei unterstützen, einen kinderrechtsbasierten Ansatz in der Arbeit mit geflüchteten Kindern zu realisieren.
Stärkung von geflüchteten Kindern durch direkte Arbeit vor Ort
Wir entwickeln und realisieren Projekte, um die Situation für geflüchtete Kinder unmittelbar vor Ort zu verbessern. Dafür befragen wir Kinder nach gewünschten Veränderungen. Unsere Projektansätze basieren auf den identifizierten Bedarfen. Durch die Zusammenarbeit mit unseren internationalen Kolleg*innen aus anderen Einsatzorten von Save the Children wissen wir um die Situation der Kinder in den Kriegs- und Krisengebieten sowie auf der Fluchtroute und können diese Erfahrungen bei unserer Arbeit in Deutschland berücksichtigen. Kinder stehen immer im Mittelpunkt unseres Handelns und werden als Expert*innen ihres eigenen Lebens partizipativ in die Entwicklung unserer Projekte und Maßnahmen miteinbezogen.
Nachhaltige Stärkung der Kinderrechte
Wir stärken Kinderrechte durch die gezielte Verknüpfung von praktischer Begleitung und politischer Gestaltung. Gemeinsam mit Unterkünften und Fachkräften entwickeln wir kindgerechte Standards und evaluieren die Qualität der Unterbringung mit praxiserprobten Instrumenten. Diese wertvollen Erkenntnisse nutzen wir als Basis für unsere politische Beratungsarbeit auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene, um Mängel sichtbar zu machen und Entscheidungsträger*innen zur Umsetzung verbindlicher Schutzkonzepte zu bewegen. Durch die ressortübergreifende Vernetzung aller Verantwortlichen schaffen wir die notwendigen gesetzlichen und administrativen Rahmenbedingungen für ein sicheres Aufwachsen geflüchteter Kinder.
Unsere Schwerpunkte

Damit geflüchtete Kinder in Deutschland gut ankommen, das Erlebte verarbeiten und neue Perspektiven entwickeln können, sind Zugang zu psychosozialen Versorgungsangeboten, das Aufwachsen in einer geschützten Umgebung und die Teilhabe an der Gesellschaft zentral. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass geflüchtete Kinder in ihren Bedürfnissen geachtet, ihren Ressourcen gestärkt und der Umsetzung ihrer Rechte unterstützt werden.
Mit unserer programmatischen Arbeit setzen wir uns für eine kindgerechte Unterbringung, psychosoziale Versorgung, Schutzstandards in Unterkünften und Zugang zu Regelsystemen für geflüchtete Kinder ein.
Kindgerechte Unterbringung
Kinder werden in Sammelunterkünften untergebracht, obwohl diese oft einer kindgerechten Unterbringung und entwicklungsfördernden Lebensumgebung widersprechen. Teilhabe, Bildung und Zugang zu weiteren Leistungen sind abhängig von Bundesland, Kommune und der Unterkunft, in der sie leben. Verbindliche und einheitliche Standards zur Unterbringung von Kindern existieren nicht. Damit bleibt die Sicherung des Kindeswohls abhängig von vielen Variablen.
Save the Children setzt sich dafür ein, dass Kinder ihre Rechte auf Gesundheit, Bildung, Schutz und Teilhabe im Unterbringungskontext wahrnehmen können. Dazu kooperieren wir mit Landesregierungen, um Mindeststandards für eine kindgerechte Unterbringung in Landesvorschriften und Betreiberverträgen einzuführen oder qualitativ weiterzuentwickeln. Unser Ziel ist es, langfristig einheitliche Mindeststandards für die Unterbringung geflüchteter Kinder und ihrer Familien in ganz Deutschland zu etablieren.
Psychosoziale Unterstützung
Geflüchtete Kinder haben in ihren Herkunftsländern und auf der Flucht oft stark belastende und traumatisierende Erfahrungen gemacht. Nach ihrer Ankunft in Deutschland sind sie auf ein stabilisierendes Umfeld angewiesen, das angesichts eines oft ungesicherten Aufenthaltsstatus, mangelnder Rückzugsmöglichkeiten in Unterkünften und eingeschränkten Zugangs zu Bildungseinrichtungen allerdings nur bedingt gegeben ist. Zusätzlich tragen Kinder oft die psychischen Belastungen ihrer Eltern mit und übernehmen früh ein hohes Maß an Verantwortung, beispielsweise für ihre jüngeren Geschwister. Mangelnde psychische Gesundheit wirkt sich wiederum negativ auf die Integration von Kindern in Regelsysteme wie Kindergarten oder Schule aus.
Der Zugang geflüchteter Kinder zu psychosozialer Versorgung ist aber oft stark eingeschränkt. Es sind nicht genügend Plätze vorhanden oder die Infrastruktur der Unterkunft gewährleistet eine derartige Betreuung nicht. Oftmals mangelt aus auch an personellen und zeitlichen Ressourcen oder an fachlicher Expertise, um Kinder in den Unterkünften psychosozial unterstützen zu können.
Wir setzen uns dafür ein, dass Kinder ihr Recht auf psychosoziale Versorgung realisieren können. Dazu nutzen wir niedrigschwellige, international erprobte Methoden der psychosozialen Unterstützung, die Fachkräfte direkt vor Ort einsetzen können, um die Resilienz von Kindern zu stärken und sie für ihren weiteren Lebensweg zu kräftigen. Außerdem bauen wir die Beratungs- und Behandlungskapazitäten für geflüchtete Kinder und Jugendliche in spezialisierten Psychosozialen Zentren aus.
Integration in Regelsysteme
Damit geflüchtete Kinder ihr Recht auf Teilhabe realisieren können, ist die Integration in gesellschaftliche Regelsysteme wie Kita, Schule und Gesundheitsversorgung zentral. Dieser Zugang erleichtert den Spracherwerb sowie die soziale Orientierung und sichert langfristig gleiche Rechte. Wir setzen uns daher nachdrücklich für die langfristige Anknüpfung junger Geflüchteter an reguläre Strukturen ein. Unsere Arbeit in den Psychosozialen Zentren verstehen wir dabei als Brückenfunktion: Wir füllen Versorgungslücken lediglich temporär und fokussieren uns auf die Stabilisierung der jungen Menschen, um sie anschließend erfolgreich in die Regelversorgung zu überführen. Nachhaltige Teilhabe gelingt nur, wenn Parallelstrukturen überwunden werden und der Übergang in das Regelsystem dauerhaft gewährleistet ist.










