Kinderrechte-Check
für geflüchtete Kinder

Willkommen

Im Jahr 2018 wurde im Rahmen des Projekt „Zukunft! Von Ankunft an.“ ein Qualitätsmessinstrument, der sogenannte „Unterbringungs-TÜVs“, veröffentlicht. Ziel des „Unterbringungs-TÜVs“ war es, die Umsetzung von Kinderrechten in Unterkünften messbar zu machen und für Qualitätsmanagement zuständigen Landesbehörden ein praxistaugliches Instrument zur Qualitätsmessung zur Verfügung zu stellen.

Im Projekt „Qualität in der Vielfalt sichern“ wurde das Qualitätsmessinstrument überarbeitet. Der daraus entstandene „Kinderrechte-Check für geflüchtete Kinder“ (hiernach: Kinderrechte-Check genannt) untersucht noch zielgerichteter und umfassender die Unterbringungssituation geflüchteter Kinder und ihrer Familien*. Er überprüft und bewertet die Einhaltung von Kinderrechten in Unterkünften und gibt Anregungen für konkrete Schritte, die zur Verbesserung der Situation eingeleitet werden können. Der Kinderrechte-Check prüft anhand von sieben Modulen die Einhaltung der dringlichsten Bedürfnisse in den Bereichen Schutz, Bildung, Gesundheit, Beteiligung, Lage, Infrastruktur und Personal.

Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick über den Kinderrechte-Check sowie die sieben Checklisten zum Herunterladen und online Ausfüllen. Des Weiteren finden Sie auf den jeweiligen Seiten auch die Verweise auf die relevanten Kapitel der Publikation. Für einen detaillierteren Einblick steht Ihnen hier die gesamte Publikation Kinderrechte-Check zum Download zur Verfügung.


Hintergrund

Mit dem Inkrafttreten des Übereinkommens über die Rechte des Kindes – kurz UN-Kinderrechtskonvention genannt – wurde international anerkannt, dass Kinder eigenständige Träger von Menschenrechten sind.1 Dies gilt auch für geflüchtete Kinder, denn die in der UN-Kinderrechtskonvention verbrieften Schutz-, Förder- und Beteiligungsrechte, stehen allen Kindern unabhängig von nationaler, ethnischer und sozialer Herkunft und Aufenthaltsstatus zu.2 Nach der Ankunft in Deutschland werden Kinder und ihre Familien zunächst in Erstaufnahmeeinrichtungen und anschließend in Gemeinschaftsunterkünften oder in privaten Wohnungen untergebracht. Aufgrund des Mangels an Wohnraum bleiben geflüchtete Kinder und ihre Eltern in einigen Bundesländern nicht nur kurzfristig in Gemeinschaftsunterkünften, sondern leben dort mehrere Monate oder gar Jahre. Save the Children lehnt eine zentrale Unterbringung von Kindern und Familien in Erstaufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften ab, da diese grundsätzlich nicht dem Kindeswohl (best interest of the child) – einem der Grundprinzipien der UN-Kinderrechtskonvention – entspricht. Da eine zeitweise Unterbringung in diesen Unterkünften in der derzeitigen Praxis unumgänglich ist, sollten Erstaufnahmen und Gemeinschaftsunterkünfte, die Kinder unterbringen, zumindest bestimmte Mindeststandards erfüllen.

Hier kommt der Kinderrechte-Check ins Spiel. Anhand dieses Qualitätsmessinstrument kann die Einhaltung von Mindeststandards in Erstaufnahmen und Gemeinschaftsunterkünften in den folgenden sieben Bereichen Mindeststandards, überprüft werden:

  • Schutzrechte
  • Recht auf Gesundheit
  • Recht auf Bildung
  • Recht auf Beteiligung
  • Lage
  • Infrastruktur
  • Personal

Unterbringung im Rahmen der Kinderrechte

Der Kinderrechte-Check dient der Überprüfung der Lebenssituation begleiteter geflüchteter Kinder, die in Erstaufnahmeeinrichtungen oder Gemeinschaftsunterkünften untergebracht sind, auf Grundlage des oben beschriebenen geltenden Kinderrechtsregimes. Das Qualitätsmessinstrument nimmt vorrangig die Unterbringung in der Unterkunft in den Blick. Ein Großteil der Indikatoren fragt nach dem Zustand, der Ausstattung und den Leistungen und Angeboten der Unterkunft. Eine kindgerechte Unterbringung geht jedoch über diese Angebote hinaus. Daher nimmt mit der Kinderrechte-Check neben der Qualität der Unterkunft auch andere Aspekte der Lebenssituation – wie den Zugang zu externen Angeboten und Versorgungsleistungen – in den Blick. Die Unterbringung geflüchteter Kinder und ihrer Familien ist nicht nur für das Ankommen in Deutschland relevant, sondern sie spielt eine wichtige Rolle für ihre weitere Integration.


Der Kinderrechte-Check

Mithilfe des Kinderrechte-Checks kann untersucht werden, wo bereits Erfolge oder aber Herausforderungen in der Unterbringungssituation bestehen. Dabei ermöglicht der Kinderrechte-Check nicht nur eine Überprüfung und Bewertung der Unterbringungssituation, sondern gibt auch Anregungen für eine qualitative Umsetzung der Kinderrechte vor Ort.

Was misst der Kinderrechte-Check?

Der Kinderrechte-Check dient der Messung von Mindeststandards in Erstaufnahmeeinrichtungen oder Gemeinschaftsunterkünften. Er nimmt insbesondere die Ausstattung, Leistungen und Angebote der Unterkunft in den Blick. Der Kinderrechte-Check ist aber kein „Unterkunfts-Check“, sondern das Qualitätsmessinstrument fragt auch nach dem Zugang zu externen Angeboten und Versorgungsleistungen. So wird gefragt, ob Kinder Zugang zum regulären Bildungssystem wie Kindertagesstätten und Schulen haben und ob es über örtliche Vereine oder Initiativen Freizeitmöglichkeiten gibt. Ebenso wird der Zugang zur Gesundheitsversorgung geprüft. Der Kinderrechte-Check versteht den Begriff Unterbringungssituation demnach weit. Gleichzeitig soll der Kinderrechte-Check ein praxistaugliches Instrument sein. Das Instrument strebt deshalb keine umfassende Kinderrechtssituationsanalyse an, sondern eine Überprüfung der Einhaltung der dringlichsten Bedürfnisse in der zentralen Unterbringung.

Wie ist der Kinderrechte-Check aufgebaut?

Der Kinderrechte-Check ist modular aufgebaut. Er setzt sich zusammen aus sieben thematischen Modulen (Qualitätsbereichen), anhand derer überprüft werden kann, inwieweit die Rechte geflüchteter Kinder in der Unterbringung geschützt und umgesetzt werden.

Die Module bilden die oberste Strukturierungsebene des Instruments und setzen sich aus vier zentralen Rechten der UN-Kinderrechtskonvention sowie drei Querschnittsbereichen zusammen:

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Rechts- und Querschnittsbereiche zusammen denken

Wenn nur ein Modul oder einzelne Module des Kinderrechte-Checks angewendet werden, sollten individuelle Indikatoren aus anderen Qualitätsbereichen ebenfalls abgefragt werden. Wir verweisen in der Publikation deshalb nach jeder Checkliste in einer Tabelle auf Indikatoren aus anderen Modulen, die für die Einhaltung des jeweiligen Kinderrechts relevant sind. Das Qualitätsmessinstrument verfolgt einen multiperspektivischen Ansatz, der die Perspektiven mehrerer Beteiligter einbezieht. Neben der Unterkunftsleitung und Mitarbeiter*innen sollten insbesondere Kinder und ihre Eltern sowie externe Partner*innen an der Evaluation teilnehmen.

Die Checklisten gehen insofern über die Verantwortlichkeiten und Leistungen der Unterkunft hinaus, denn für die Wahrung der Rechte geflüchteter Kinder sind nicht nur Unterkünfte und ihre Partner*innen, sondern auch verschiedene Behörden und andere Institutionen verantwortlich. In den Checklisten ist daher vermerkt, welche Akteure für die Erfüllung der jeweiligen Indikatoren bzw. die Schaffung entsprechender Rahmenbedingungen verantwortlich sind.

Jeder Qualitätsbereich ist in Qualitätskriterien untergliedert. Die Qualitätskriterien definieren Ansprüche geflüchteter Kinder und bilden die mittlere Strukturierungsebene des Instruments. Einen Überblick über alle Qualitätskriterien sowie eine vertiefte Beschreibung der Kriterien finden Sie im Kapitel 2 der Publikation „Der Kinderrechte-Check für geflüchtete Kinder“ (LINK/DOWNLOAD CHECK). Um die Qualitätskriterien messbar zu machen, werden ihnen sogenannte Qualitätsindikatoren (kurz: Indikatoren) zugeordnet. Indikatoren sind als Frage definiert und bilden die konkrete, messbare Untersuchungsebene der Checklisten.

Damit Sie die Situation vor Ort tatsächlich messen können, sind die Indikatoren der Checklisten mit einem Ampelsystem ausgestattet. Je Indikator werden drei Szenarien beschrieben, die die potenzielle Situation in der Unterbringung skizzieren und den Ampelfarben zugeordnet sind:


TABELLENÜBERSCHRIFT
TABELLENSPALTE 1 TABELLENSPALTE 2 TABELLENSPALTE 3 TABELLENSPALTE 4 TABELLENSPALTE 5
ZEILE 1 Inhalt 1:1 Inhalt 1:2 Inhalt 1:3 Inhalt 1:4 Inhalt 1:5
ZEILE 2 Inhalt 2:1 Inhalt 2:2 Inhalt 2:3 Inhalt 2:4 Inhalt 2:5
ZEILE 3 Inhalt 3:1 Inhalt 3:2 Inhalt 3:3 Inhalt 3:4 Inhalt 3:5
ZEILE 4 Inhalt 4:1 Inhalt 4:2 Inhalt 4:3 Inhalt 4:4 Inhalt 4:5

Bereiche des Kinderrechte-Checks

Die einzelnen Module finden Sie hier aufgegliedert.

Schutzrechte

Kinder sollen vor körperlicher oder geistiger Gewaltanwendung, Misshandlung, Verwahrlosung und Vernachlässigung geschützt werden. Diesen Anspruch sieht Artikel 19 der UN-Kinderrechtskonvention ausdrücklich vor. Er steht im Fokus des Qualitätsbereichs Schutzrechte. Für die Unterbringung von geflüchteten Kindern ergeben sich daraus mehrere Anforderungen: So sind insbesondere ihre Daten und besonderen Schutzbedarfe genau zu erfassen und jegliche Form von Kindeswohlgefährdungen zu verhindern.

Recht auf Gesundheit

Recht auf Bildung

Recht auf Beteiligung

Lage

Infrastruktur

Personal