Inklusive Schutzkonzepte: Kinder beteiligen, Schulen stärken
Ziel: Schutz von Kindern mit Behinderungen vor Gewalt innerhalb und außerhalb der Schule
Projektlaufzeit: Mai 2025 – April 2027
Projektpartner: Kinderschutzbund Landesverband Hamburg, Fachstelle Schutzkonzepte
Umsetzungsort: Hamburg
Geber: EU CERV Daphne
Hintergrund
Jedes dritte Kind in Deutschland erlebt mindestens eine Form von Gewalt. Besonders gefährdet sind Kinder mit Behinderungen – laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben sie ein doppelt so hohes Risiko, Gewalt zu erfahren wie Kinder ohne Behinderung.
Gewalt geschieht dabei nicht nur im familiären Umfeld – auch im schulischen Kontext kann Gewalt stattfinden. Gerade Schulen sollten jedoch geschützte Orte sein, die Sicherheit bieten und an denen Kinder angstfrei lernen, sich entfalten und ihre Potenziale entwickeln können.
Im Bereich Kinderschutz tragen Schulen eine doppelte Verantwortung: Zum einen müssen sie Kinder innerhalb der Institution vor Gewalt schützen. Zum anderen sind sie verpflichtet, mit den relevanten Akteuren des Kinder- und Jugendschutzes zusammenzuarbeiten, wenn Anzeichen für eine mögliche Kindeswohlgefährdung vorliegen.
DIE IDEE
Nach dem Projekt „As soon as possible! Schule als sicherer Ort für alle“ startete in 2025 das Projekt „Inklusive Schutzkonzepte: Kinder beteiligen - Schulen stärken“, das die zentralen Themen weiterverfolgt und die im Vorgängerprojekt gewonnenen Erfahrungen gezielt weiterentwickelt. Mit diesem Projekt leistet Save the Children gemeinsam mit der Fachstelle Schutzkonzepte vom Deutschen Kinderschutzbund Landesverband Hamburg einen Beitrag zum Schutz von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen – sowohl in der Schule als auch im außerschulischen Umfeld. Das Projekt wird dabei unterstützt von der Beratungsstelle Gewaltprävention der Hamburger Schulbehörde. Ziel des Projekts ist es, Schulen in ihrer Rolle als aktive Akteure im Kinderschutzsystem zu stärken und sie zu begleiten, zu sicheren Orten für alle Kinder zu werden.
Ein Schwerpunkt des Projekts liegt auf der Sensibilisierung des schulischen Personals für das Thema Kinderschutz. Insbesondere Fachkräfte sollen dabei gezielt in ihren Kompetenzen gestärkt werden. Ebenso zentral ist die aktive Einbeziehung der Schüler*innen selbst, denn Kinderschutz kann nur nachhaltig wirken, wenn Kinder und Jugendliche an der Entwicklung von Schutzkonzepten beteiligt werden. In kindgerechten Beteiligungsworkshops bringen sie ihre Erfahrungen, Perspektiven sowie Anliegen mit ein. So entstehen Schutzkonzepte, die sich an den realen Lebenswelten der Kinder orientieren und tatsächlich wirksam sind.
DIE UMSETZUNG
Das Projekt richtet sich an die sogenannten speziellen Sonderschulen und Schwerpunktschulen in Hamburg. Die Zielgruppen des Projekts sind:
- Schulleitungen, Lehrkräfte und anderes Schulpersonal, das direkt mit Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen arbeitet (Schulsozialarbeiter*innen, Schulpsycholog*innen usw.)
- Schüler*innen mit Behinderung
- Zivilgesellschaftliche Organisationen, die im Themenfeld „Kinderschutz an Schule“ tätig sind
Das Projekt umfasst fünf Komponenten, die nachfolgend näher erläutert werden.

Komponente 1: Online Fortbildungsreihe
Die Fortbildungsreihe umfasst neun Module, wovon einige (Module 1, 5 und 7) jeweils zwei Trainingseinheiten erfordern. Jedes Modul wird insgesamt zweimal angeboten, sodass insgesamt 24 Trainingseinheiten durchgeführt werden. Die einzelnen Module haben eine Dauer von 3-4 Stunden. Alle Trainings werden jeweils von zwei erfahrenen Trainer*innen geleitet und kombinieren fachlichen Input mit interaktiven Methoden für Einzel- und Gruppenarbeit.
Die neun Module gliedern sich inhaltlich wie folgt auf:
Module 3-8
Die Module 3-8 wenden sich an Fachpersonal im Schulbetrieb und bieten zielgerichtetes sowie bedarfsorientiertes Fachwissen und praktische Impulse zur Erarbeitung des eigenen schulischen Schutzkonzeptes.
Modul 3: Risiko- und Ressourcenanalyse
Modul 4: Nähe und Distanz in pädagogischen Beziehungen
Modul 5: Kinderrechte und Partizipation
Modul 6: Sexualpädagogisches Konzept
Modul 7: Beschwerdemanagement
Modul 8: Vorgehen bei Verdachtsfällen (Leitungen)

Komponente 2: Prozessbegleitung zur Schutzkonzeptentwicklung
Zwei Schulen erhalten eine intensive und individuell zugeschnittene Prozessbegleitung, um sie Schritt für Schritt bei der Entwicklung des Kinderschutzkonzepts zu unterstützen – praxisnah, nachhaltig und passgenau für den jeweiligen Schulkontext. Durch diese enge, kontinuierliche Begleitung entsteht an jeder Schule ein maßgeschneiderter Prozess der Entwicklung eines Kinderschutzkonzepts - fundiert auf fachlichem Wissen, gemeinsamen Reflexionsprozessen und konkreten Umsetzungsschritten – für mehr Sicherheit und Teilhabe von Kindern im Schulalltag.

Komponente 3: Beteiligung von Kindern und Jugendlichen
Ein wirksames Kinderschutzkonzept für Schulen kann nur dann entstehen, wenn Kinder und Jugendliche selbst aktiv mit einbezogen werden. Das Projekt legt daher besonderen Wert auf die Beteiligung von Kindern – insbesondere von Kindern mit Behinderungen. Ihre Perspektiven, Erfahrungen und Bedürfnisse sind zentral für die Entwicklung tragfähiger Konzepte, die Schule zu einem sicheren und beteiligungsorientierten Ort für alle machen. Vor diesem Hintergrund werden im Rahmen des Projekts kindgerechte Beteiligungsformate entwickelt und an den Projektschulen praktisch umgesetzt.
Um die nachhaltige Beteiligung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen an der Entwicklung von Schutzkonzepten auch über das Projekt hinaus zu stärken, entwickeln die Projektpartner ein praxisorientiertes Toolkit. Es enthält erprobte Methoden zur Kinderbeteiligung für pädagogisches Schulpersonal und zielt darauf ab, Beteiligung als festen Bestandteil eines institutionellen Kinderschutzes zu verankern.

Komponente 4: Informationsmaterialien für Schulpersonal und Schüler*innen
Um die Zielgruppe über die Schulungen und die Prozessbegleitung hinaus zu stärken, werden im Rahmen des Projekts praxisnahe Bildungs- und Informationsmaterialien entwickelt, die sich einfach in den Schulalltag integrieren lassen.
Geplant sind unter anderem:
- Informationsmaterialien für die Schulgemeinschaft zur Sensibilisierung für Gewalt gegen Kinder und vorhandene Unterstützungsangebote
- kindgerechte Informationsmaterialien für Kinder mit Behinderungen zu ihren Rechten – insbesondere zum Recht auf Schutz vor Gewalt
Die Materialien bieten konkrete Orientierung und Handlungsmöglichkeiten für Schulpersonal, Eltern und Kinder in Hamburg - und leisten so einen wichtigen Beitrag zum Aufbau eines inklusiven, sicheren und unterstützenden Schulumfelds.

Komponente 5: Vernetzung und Austausch
In speziell konzipierten Live-Online-Seminaren werden die zentralen Projektergebnisse vorgestellt – darunter Schulungsmaterialien, das Mentoring-Konzept, das Toolkit zur Kinderbeteiligung sowie weitere praxisnahe Bildungsangebote.
Die Seminare bieten Raum für fachlichen Austausch, Diskussionen und Vernetzung. Gemeinsam mit den Teilnehmer*innen werden Erfahrungen geteilt, Herausforderungen reflektiert und Fragen zur praktischen Umsetzung erörtert – mit dem Ziel, Kinderschutzstrukturen an Schulen langfristig zu stärken.
Durch die aktive Einbindung zivilgesellschaftlicher Organisationen wird die Verbreitung und praktische Nutzung der entwickelten Materialien gezielt unterstützt. So können auch über das Projekt hinaus Schulen unterstützt und inklusive Kinderschutzkonzepte in ganz Europa nachhaltig gestärkt werden.
Unser Partner
Das Gemeinschaftsprojekt bündelt die Expertise von Save the Children und dem Kinderschutzbund Landesverband Hamburg, Fachstelle Schutzkonzepte (KSB).
Der Kinderschutzbund Landesverband Hamburg ist ein 1953 gegründeter eingetragener gemeinnütziger Verein, der sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Kindern, Jugendlichen, Eltern und Familien engagiert.






