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Vier Kinder, die nebeneinander spazieren. Ein fünftes Kind ist durch Umrisse angedeutet.

Kinderarmut
in Deutschland

Jedes 5. Kind in Deutschland ist von Kinderarmut betroffen

Aktuelle Umfrage zu Kinderarmut in Deutschland

Gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut forsa haben wir im Sommer 2025 eine Umfrage unter 1.003 Eltern in Deutschland zum Thema Kinderarmut und finanzielle Sorgen durchgeführt. 76 Prozent aller Befragten sind der Ansicht, dass es weitergehende Maßnahmen gegen Kinderarmut braucht als die, die Bundesregierung derzeit plant. Zudem zeigen sich steigende finanzielle Sorgen. 23 Prozent der Eltern mit geringem Einkommen berichten, dass diese auch ihre Kinder stark emotional belasten.


Neue Umfrage 2026: Die Auswertung unserer aktuellen Befragung läuft derzeit. Die Ergebnisse finden Sie ab September an dieser Stelle.

Mehr als drei Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren leben in Deutschland in Armut oder erfahren soziale Ausgrenzung. Nach den Kriterien des sogenannten AROPE-Indikators bedeutet das: Jedes fünfte Kind wächst in einem Haushalt auf, der sich den durchschnittlichen Lebensstandard nicht leisten kann. Oft haben die Erwachsenen dort keine Arbeit, teilweise fehlt sogar das Geld für Grundlegendes wie regelmäßige Mahlzeiten.

Konkrete Folgen für armutsbetroffene Kinder:

  • Sie können sich oft nicht gesund und ausgewogen ernähren, weil es schlicht zu teuer ist. So sind in den Regelsätzen der Grundsicherung (zuvor Bürgergeld) je nach Alter nur etwa 4 bis 7 Euro pro Tag für die Ernährung des Kindes vorgesehen.
  • Sie leben oft in beengten Wohnverhältnissen, in denen sie sich kaum oder gar nicht zurückziehen können, um zum Beispiel in Ruhe zu lernen.
  • Sie wachsen oft in Gegenden auf, in denen es nur wenige leicht zugängliche oder günstige Freizeitangebote gibt und sie sich kaum entfalten können.
  • Sie erfahren Benachteiligungen im Bildungssystem und haben ein höheres Rsiko, auch als Erwachsene Armut zu erleben.
  • Geburtstagsfeiern, Urlaube, Hobbys und Freizeitgestaltung wie Kino-, Restaurant- oder Freibadbesuche sind kaum bezahlbar.

Hinzu kommt, dass die psychische Belastung für armutsbetroffene Kinder oft enorm ist. Sie haben mit vielen Vorurteilen und Ausgrenzung zu kämpfen und ihre Familien müssen meist große Hürden überwinden, um ihnen zustehende Leistungen genehmigt zu bekommen.


Das denken Kinder über Armut

Wieso gibt es in Deutschland Kinderarmut?

Kinderarmut ist in der Regel Familienarmut, denn Kinder sind finanziell abhängig von ihren Eltern. Eine Hauptursache für Kinderarmut ist Arbeitslosigkeit. Es gibt aber auch viele Familien, die trotz Arbeit nicht ausreichend Geld zur Verfügung haben und gezwungen sind, ihr geringes Einkommen mit Sozialleistungen aufzustocken – weil sie zum Beispiel alleinerziehend sind, im Niedriglohnsektor arbeiten oder aus gesundheitlichen Gründen nur vermindert arbeiten können. Kinderarmut findet sich auch verstärkt in Familien mit Migrationsgeschichte wieder, da die Eltern zum Beispiel Diskriminierung ausgesetzt sind, lange um eine Arbeitserlaubnis kämpfen müssen müssen oder ihre Bildungs- und Berufs-Abschlüsse aus dem Ausland nicht anerkannt werden. Hinzu kommt: In Deutschland wird bei Kindern und Familien oft als erstes gespart und das Geld fehlt an allen Ecken und Enden. Wenn Familien Sozialleistungen zur Existenzsicherung erhalten (Grundsicherung bzw. zuvor Bürgergeld), sind diese nicht ausreichend, um ein gesundes Aufwachsen und soziale Teilhabe von Kindern sicherzustellen.

Wie die Inflation Kinderarmut verschärft

Weltweit hatten wir in den letzten Jahren mit der gravierendsten Lebenshaltungskostenkrise des 21. Jahrhunderts zu kämpfen. Auch in Deutschland haben die gestiegenen Kosten einen großen Tribut von Kindern und Familien gefordert, inbesondere von denen, die bereits von Armut betroffen sind. Gestiegene Lebensmittelpreise führen dazu, dass gesunde Ernährung von Kindern fast zum Luxus geworden ist. Das bedroht ihre Gesundheit akut und langfristig.

Kinderarmut geht uns alle an

Jugend und Politik im Austausch

Gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung und dem Deutschen Jugendinstitut brachte Save the Children bei einer Beteiligungsveranstaltung in Berlin rund 30 junge Menschen im Alter von 14 bis 28 Jahren sowie Verantwortliche aus Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft und Wissenschaft zusammen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie die Chancen benachteiligter junger Menschen verbessert werden können.

Um Kinderarmut wirksam zu bekämpfen, müssen sich vor allem die Bundesregierung und der Bundestag diesen Herausforderungen stellen und ganzheitlich Programme, Gesetze und sonstige Vorhaben gegen Kinderarmut angehen und verstärken. Denn die Armutsgründe sind strukturell und können durch Politik verändert werden. Wir fordern, dass die Bundesregierung die Situation von Kindern und Familien, die von Armut betroffen sind, bei allen Sozialreformen im Blick hat. Sie sollte die Reformen so gestalten, dass sich die Situation von Kindern und Familien, die von Armut betroffen sind, nicht verschlechtert, sondern verbessert. Außerdem darf wichtige Unterstützung für armutsbetroffene Kinder und Familien nicht gekürzt werden. Ein wichtiger Ansatz liegt dabei bei der Kindergrundsicherung, die Leistungen bündeln, erhöhen und ihren Zugang vereinfachen will. Um Kinderarmut abzuschaffen, braucht es jedoch auch ...

  • ... eine systematische Neubewertung des existenzsichernden Mindestbedarfs für Kinder, die echte Teilhabe ermöglicht.
  • ... die Weiterentwicklung des Nationalen Aktionsplans „Neue Chancen für Kinder in Deutschland“ als zentrale Initiative zur Bekämpfung sozialer Ausgrenzung.
  • ... Investitionen in die soziale Infrastruktur sowie in Bildungs- und Betreuungsangebote.
  • ... eine armutssensible sozialpolitische Förderstrategie.
  • ... eine Arbeitsmarktpolitik, die den Zugang zu existenzsichernder Erwerbsarbeit fördert und unterstützt.

Was wir tun

Sichtbarkeit für das Problem Kinderarmut!

Mit einer Kampagne machen wir auf die Situation in Deutschland aufmerksam. Die Motive zeigen, wie Armut Kinder ausgrenzen kann und warum für sie oft nicht mehr drin ist

Neben dem politischen Engagement arbeiten wir auch mit Projekten in Deutschland für gleiche Chancen für alle Kinder. Dabei setzen wir vor allem bei der Bildung an und unterstützen Kinder zum Beispiel in unseren LeseOasen- und LeseKita-Projekten beim Lesenlernen und in unserem MakerLabs-Projekt bauen sie ihre digitalen Kompetenzen aus. Hier konzentrieren wir uns auf Stadtteile, in denen viele Familien mit wenig Geld auskommen müssen. Denn dem deutschen Bildungssystem gelingt es bisher nicht ausreichend, Benachteiligungen zu vermeiden oder auszugleichen. 


Kinderarmut in Europa

Bericht zu Kinderarmut in Europa

Der Bericht „Child Poverty – the Cost Europe Cannot Afford” widerlegt einen Mythos: dass Kinderarmut unvermeidbar sei und Europa nicht genug Ressourcen habe, um sie zu beenden. Wir zeigen, wie erschreckend viel Kinderarmut Europa kostet – wirtschaftlich und sozial – und welche erprobten Lösungen es gibt. Eine Kurzfassung auf Deutsch mit einem besonderen Fokus auf die Situation in Deutschland finden Sie hier: „Kinderarmut: Kosten, die sich Europa nicht leisten kann”.

Nicht nur in Deutschland sind Kinder von Kinderarmut betroffen, sondern in ganz Europa. Mittlerweile sind 19,5 Millionen Kinder in der EU von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Das ist jedes vierte Kind. Die Europäische Union hat 2021 die Europäische Kindergarantie eingeführt, aus der jeder Mitgliedsstaat entsprechende nationale Aktionspläne abgeleitet hat. Die Kindergarantie sieht u. a. vor, dass die EU-Mitgliedstaaten armutsgefährdeten Kindern kostenlosen Zugang zu hochwertiger frühkindlicher Bildung und Betreuung, kostenlosen Unterricht und schulische Aktivitäten, mindestens eine gesunde Mahlzeit pro Schultag, Gesundheitsversorgung, angemessenen Wohnraum und gesunde Ernährung bieten sollen. Die Realität zeigt aber, dass die Politik immer noch viel zu oft an den Interessen der Kinder vorbei agiert und momentane Leistungs- und Unterstützungssysteme oft nicht ausreichen, um Kinderarmut in Europa wirksam zu bekämpfen.


Häufige Fragen zur Kinderarmut in Deutschland

Hier beantworten wir die häufigsten Fragen zur Kinderarmut in Deutschland.

Wie viel Prozent Kinderarmut gibt es in Deutschland?

Mehr als drei Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 leben in Deutschland in Armut oder erfahren soziale Ausgrenzung. Das bedeutet – nach den Kriterien des sogenannten AROPE-Indikators –, dass jedes fünfte Kind (23,5 %) in einem Haushalt aufwächst, der sich den durchschnittlichen Lebensstandard nicht leisten kann, in dem die Erwachsenen oft keine Arbeit haben oder sogar das Geld für Wesentliches wie regelmäßige Mahlzeiten fehlt.

Was sind die Hauptgründe für Kinderarmut in Deutschland?

Für Kinderarmut in Deutschland gibt es mehrere Gründe. Die Hauptursache ist meist die Armut von Familien. Diese kann zum Beispiel durch niedriges Einkommen, unsichere oder schlecht bezahlte Arbeit, Arbeitslosigkeit oder hohe Lebenshaltungskosten entstehen. Oft kommen mehrere Faktoren zusammen.

Welche Kinder sind besonders oft von Kinderarmut betroffen?

Kinderarmut betrifft besonders oft Kinder von Alleinerziehenden, kinderreichen Familien sowie Eltern, die im Niedriglohnsektor arbeiten oder aus gesundheitlichen Gründen gar nicht oder nur wenig arbeiten können. Ebenfalls verstärkt betroffen sind Kinder in Familien mit Migrationsgeschichte, da die Eltern oft Hürden auf dem Arbeitsmarkt erleben.

Welche Folgen hat Kinderarmut in Deutschland?

Kinderarmut betrifft viele Lebensbereiche. Die Kinder können sich oft nicht gesund ernähren, leben beengt und haben weniger Möglichkeiten für Hobbys. Auch Ausflüge oder Urlaube sind selten möglich. Sie haben schlechtere Bildungschancen und ein höheres Risiko, später selbst arm zu sein. Viele belastet all das außerdem psychisch, oft werden sie ausgegrenzt.

Welche Maßnahmen gibt es gegen Kinderarmut in Deutschland?

Gegen Kinderarmut in Deutschland helfen vor allem politische Maßnahmen. Dazu gehören eine ausreichende Grundsicherung für Kinder, also eine verlässliche finanzielle Unterstützung, bessere Bildungs- und Betreuungsangebote sowie Investitionen in Kitas, Schulen oder Freizeitmöglichkeiten. Wichtig sind auch eine Sozialpolitik, die Armut stärker berücksichtigt, und bessere Chancen auf existenzsichernde Arbeit für Eltern.

Ihre Ansprechperson zum Thema Kinderarmut in Deutschland

Porträtfoto von Eric Großhaus, Advocacy Manager Kinderarmut und Soziale Ungleichheit

Eric Großhaus

Advocacy Manager Kinderarmut und Soziale Ungleichheit