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ThemenJemenPublisher Save the Children04.07.2022Themen

Jemen-Krieg: Auch 2022 kein Ende der Not in Sicht

Im Jemen herrscht seit fast sieben Jahren Krieg. Kaum ein Tag vergeht, an dem es nicht zu weiteren Gewaltausbrüchen und Bombenangriffen unter den sich bekämpfenden Konfliktparteien kommt. Hunderttausende Menschen haben bereits ihr Leben verloren, darunter viele Kinder. Ihr Leid geht weiter, mit jedem Tag, an dem dieser Krieg anhält. Wir stehen Kindern im Jemen und ihren Familien von Beginn an zur Seite.

Afrah* lebt in einer ländlichen Region im Jemen. Um Wasser zu holen, war sie bis zu drei Stunden ins nächste Tal unterwegs. Der Konflikt belastet sie und ihre Familie in allen Lebensbereichen.

Im Zuge des Arabischen Frühlings im Jahr 2015 eskalierte die Gewalt im Jemen. Leider sollten die Angriffe von mehreren Seiten kein nahes Ende finden: Im März 2022 geht der Konflikt bereits ins siebte Jahr. Eine politische Lösung ist weiterhin nicht in Sicht.

Fast jedes vierte zivile Opfer im Jemen ist ein Kind

Für die Jemenit*innen bedeuten diese knapp sieben Jahre ein Leben im Ausnahmezustand. Seit Ausbruch des Kriegs ist für sie nichts mehr wie zuvor. Die humanitäre Krise im Jemen ist nach Angaben der UN nach wie vor die schlimmste der Welt. Die andauernde Gewalt zerstört neben zahlreichen Menschenleben auch die Wirtschaft und Infrastruktur des Landes. Die Lebensmittelpreise im Jemen sind heute bis zu 200 Prozent höher als vor dem Konflikt. Millionen Menschen stehen am Rand einer Hungersnot. Schätzungsweise 20,7 Millionen Menschen – 66 Prozent der Bevölkerung – benötigen irgendeine Form von humanitärer Hilfe oder Schutz, darunter 11,3 Millionen Kinder. Zudem ergab eine Analyse von Save the Children, dass in den vergangenen drei Jahren fast jedes vierte zivile Opfer im Jemen ein Kind war.

Der Großteil der Bevölkerung ist durch den Konflikt in Armut geraten. Es fehlt am Nötigsten wie Grundnahrungsmitteln, saubererem Trinkwasser und medizinischer Versorgung, aber auch an Schutz- und Spielräumen für Kinder. Schulen sind solche wichtigen Schutzräume für Kinder, doch im Krieg wurden viele von ihnen zerstört, oft sogar gezielt.

Ländliche Regionen besonders unterversorgt

Für den Lehrer und Familienvater Hussein* ist mit dem Krieg ebenfalls alles zusammengebrochen. Er lebt mit seiner Frau und seinen Kindern in einer ländlichen Region im Jemen. Vor dem Krieg war sein Einkommen stabil, erzählt Hussein*. Doch mit der fortschreitenden Zerstörung des öffentlichen Lebens wurde auch sein Gehalt ausgesetzt, die einzige Einkommensquelle seiner Familie. Seitdem hat sich ihre Situation sehr verschlechtert. Um seine Kinder zu ernähren, verkaufte Hussein* die meisten der Gegenstände aus ihrem Haus, darunter auch ihren Stromgenerator. Nun kocht die Familie wieder mit Feuerholz, Strom gibt es nur für wenige Stunden am Abend.

Durch die Luftangriffe und die Zerstörungen wird auch der psychische Zustand von Erwachsenen und Kindern beeinträchtigt. Die Situation wird von Tag zu Tag schlimmer, vor allem in finanzieller Hinsicht.

Hussein*, Familienvater aus dem Jemen

Die Versorgung mit Trinkwasser stellte die Familie ebenfalls vor große Herausforderungen. Oft holte die junge Afrah* das Wasser aus der nächsten Quelle. Dafür brauchte sie etwa drei Stunden, zunächst um die Wasserkanister auf ihren Esel zu laden und dann, um in das Tal zu gelangen, in dem sich der Brunnen befand. Danach kam Afrah* oft erst so spät zurück, dass sie die Schule verpasste.

Vor einigen Jahren wäre sie fast nicht mehr von einem ihrer Gänge zurückgekehrt. Eine Überschwemmung riss die damals neunjährige Afrah* fort, als sie das Tal erreichte und gerade ihre Kanister auffüllen wollte. Da der Brunnen so weit entfernt lag, konnte sie nicht wissen, dass es über Nacht zu starken Regenfällen gekommen war. Zum Glück wurde sie von einem Mann aus der Gegend gefunden und aus den Fluten gezogen. Er brachte sie auch zurück zu ihrer Familie. Hussein* machte sich danach sofort auf den Weg, um Medikamente für Afrahs* Verletzungen zu besorgen. Da die örtliche Gesundheitsklinik keine Kapazitäten mehr hatte, musste Afrah* zuhause behandelt werden.

Dank des neuen Wassertanksystems direkt vor ihrer Haustür hat Afrah* eine große Sorge weniger.

Nothilfe macht den Unterschied

Heute muss Afrah* den langen und gefährlichen Weg zur nächsten Wasserquelle nicht mehr zurücklegen. Im Rahmen eines Nothilfeprojekts von Save the Children wurde ihre Gemeinde mit einem neuen Wassertanksystem und einer solarbetriebener Pumpleitung versorgt. Nun haben die Haushalte direkten Zugriff auf sauberes Trinkwasser beliefert. Dadurch kehren wieder mehr Kinder wie Afrah* in die Schule zurück. Darüber hinaus wurde die örtliche Gesundheitsstation ausgebaut und finanziell unterstützt. Save the Children hilft weiterhin mit Medikamenten und Gesundheitsangeboten.

Solche Initiativen unterstützen Kinder und Familien im Jemen in einer unhaltbaren Notlage. Unsere Nothilfe versorgt zudem mangelernährte Kinder mit Spezialnahrung und Vitaminpräparaten. Wir verteilen Nahrungsmittel, Hygiene-Sets und errichten Schutzräume für Kinder, in denen sie spielen und lernen können.

Kein Kind auf dieser Welt sollte im Krieg aufwachsen müssen. Um unsere Hilfe auch in diesem Jahr fortzusetzen, brauchen wir Ihre Unterstützung: Damit Kinder im Jemen wieder Kinder sein können.

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