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© Dominic Nahr / Save the Children

Ich lebe -
Zehn Kinder, zehn Kriege, zehn Dekaden – ein Baby

Unser weltweites Fotoprojekt zu 100 Jahren Save the Children

2018 fahre ich mit dem Fotografen Dominic Nahr in den Libanon. In einem Flüchtlingslager treffen wir Amal*, ein Mädchen aus Syrien. Ein Kind das durch die Kriegserfahrung nahezu verstummt ist. Doch vor der Kamera erleben wir eine überraschende Verwandlung: Amal „spricht“ mit dem Fotografen. Es tut ihr gut, gesehen zu werden. Dominic Nahr und ich schauen uns staunend an. Im Rückblick ist das der Moment, in dem unser Jubiläumsprojekt „Ich lebe“ beginnt.

In jedem Krieg leiden Kinder am meisten. Wie überleben, wie leben sie danach weiter? Wie prägt es sie, wenn sie Hilfe erfahren? Diesen Fragen spürten wir nach und suchten 10 Kinder aus den 10 schlimmsten Kriegen des letzten Jahrhunderts. Sie zu finden, von Überlebenden des Ersten und Zweiten Weltkrieges bis hin zum aktuellen Rohingya-Konflikt, erwies sich als Mammutaufgabe mit weltumspannender Recherche.

Auf der Suche nach Zeitzeugen

Unsere Spurensuche führt uns über die Metropolen Berlin, Seoul und Phnom Penh in die hügelige Grenzregion zwischen Ruanda und dem Kongo, die trockene Berglandschaft Afghanistans und in die Abgeschiedenheit des kolumbianischen Regenwalds.

Und wir fanden sie tatsächlich: 10 „Kinder des Krieges“ – und ein Baby der Hoffnung im Millionencamp der Rohingya in Bangladesch. Unser ältester Zeitzeuge ist 106 Jahre alt, das Baby war 15 Tage auf der Welt, als wir es trafen. So verschieden die Biographien, so vergleichbar sind die Erfahrungen einer Kindheit im Krieg. Die Kinder erleiden Flucht und Verlust, kämpfen gegen ihre Traumata, behaupten sich mit Hoffnung, Stolz und einer ungeheuren Widerstandskraft. So entfalten unsere Protagonisten ein bezwingendes Panorama des vergangenen kriegerischen Jahrhunderts. Indem sie uns ihre Geschichte anvertrauen, ermutigen sie uns, auch künftig Kinder in Kriegen zu schützen und ihre Rechte zu verteidigen.

Dieses Projekt verdanken wir dem hingebungsvollen Einsatz aller Beteiligten: Neben dem Fotografen Dominic Nahr waren dies: die Journalistin Anna Kerber, unsere Kollegen in den Länderbüros und unser Berliner Team um Ineke Sass. Gemeinsam verbeugen wir uns vor unserer revolutionären britischen Gründerin Eglantyne Jebb, die schon 1919 den bis heute gültigen Satz prägte: „Jeder Krieg ist ein Krieg gegen Kinder“.

Martina Dase, Kommunikationsdirektorin Save the Children Deutschland e.V.

Erich Karl, 106 Jahre, aus Deutschland

Herr Karl ist 106 Jahre alt. Er wurde 1913 geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen in Weimar auf. Er erinnert sich gut, wie er nach dem Krieg einen Blechnapf an seinen Schulranzen band, weil es in der Schule Kakaosuppe für bedürftige Kinder gab.

Nach Kriegsende 1918 sind Hunderttausende Kinder der Verliererstaaten Deutschland und Österreich durch die Wirtschaftsblockade der Alliierten vom Hungertod bedroht. Das Foto eines hungernden Babys aus Wien rüttelt die Britin Eglantyne Jebb so auf, dass sie Save the Children gründet. Dank ihres leidenschaftlichen Appels sammelt die Organisation innerhalb eines Jahres Spenden im heutigen Wert von 25 Millionen Pfund. Damit konnte sie den notleidenden Kindern sofort landesweit helfen.

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Erich Karl: „106? Ich kann Dir nicht sagen, wie man das erreichen kann. Ich habe ja nicht nur ein schönes Leben gehabt. Da waren elende Stücke dabei. Es kann schon sein, dass man dann nicht so viele Ansprüche hat.“
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Amal*, 11 Jahre, aus Syrien

Amal floh mit ihrer Familie aus Syrien in den Libanon. Ihr Vater arbeitet als Lehrer in einer Vorschule von Save the Children, um Amal und ihren acht Geschwistern das Überleben zu sichern. Sie ist sehr ernst und weint viel, vermisst ihre Großmutter, die in Syrien zurückblieb. Doch in der Begegnung mit dem Fotografen Dominic Nahr verwandelt sich das stille Mädchen, agiert plötzlich selbstbewusst vor der Kamera. Amal ist so stark vom Krieg traumatisiert, dass sie nicht spricht. Das folgende Zitat stammt von ihrem Vater.

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Amals Vater: „Frieden ist, wenn ich keine Angst mehr habe meine Kinder aus dem Haus zu lassen. Wenn ich keine Flugzeuge mehr höre.“
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Rajiya*, geboren im März 2019, staatenlos

Rajiya, 15 Tage alt, geboren 2019 im Primary Health Center von Save the Children im Millionenlager der Rohingya-Flüchtlinge in Bangladesch. Mehr als 745.000 Rohingya sind seit August 2017 vor brutaler Gewalt aus Myanmar geflohen. Rajiyas 20-jährige Mutter war unter ihnen. Die Zukunft des kleinen Mädchens ist ungewiss. Das Baby ist staatenlos, das armutsgeplagte Bangladesch will die Rohingya nicht dauerhaft ansiedeln. Wie wird Rajiyas Zukunft aussehen?

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Zitat Rajiyas Mutter: „Mein Kind wird hier lernen. Was immer Allah will, wird irgendwann passieren. Wenn mein Kind etwas größer ist und laufen kann, werde ich arbeiten.“
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Über Dominic Nahr



Ausstellung "Ich lebe"

Ort: Auswärtiges Amt (Lichthof),
Werderscher Markt 1, 10117 Berlin
Zeitraum: 22.10. - 28.11.2019
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 10-19 Uhr

Dominic Nahr (1983, geboren in der Schweiz, aufgewachsen in Hongkong) berichtet seit mehr als zehn Jahren von den Krisenherden der Welt, unter anderem über den Bürgerkrieg im Südsudan, über Rebellen und Kindersoldaten im Kongo, über Terrorismus und Dürre in Somalia. Seine Bilder wurden unter anderem auf den Titeln von Time Magazine und Wall Street Journal veröffentlicht, für National Geographic Magazine, den Spiegel und den Stern fotografierte er große Reportagen. Seit 2017 arbeitet Dominic Nahr mit Save the Children zusammen. 


* Name zum Schutz geändert.


Roter Luftballon mit Logo von 100 Jahre Save the Children

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