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Ich lebe
10 Kinder, 10 Kriege, 10 Dekaden – und ein Baby

Unser weltweites Fotoprojekt zu
100 Jahren Save the Children

Sie haben zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Orten gelebt. Und doch haben diese 11 Menschen mindestens zwei Gemeinsamkeiten. Sie haben als Kind einen Krieg überlebt. Und ihnen wurde von Save the Children geholfen.

Für Save the Children haben der preisgekrönte Fotograf Dominic Nahr und die Journalistin Anna Mayumi Kerber auf der ganzen Welt Überlebende der verheerendsten Konflikte der vergangenen 100 Jahre getroffen.

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Dies sind ihre Geschichten.
Nachzulesen ab Herbst 2020 in unserem Fotobuch "Ich lebe" im Kerber Verlag.
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Eine Reise in die Vergangenheit

Martina Dase, Kommunikationsdirektorin bei Save the Children und Initiatorin des Projekts „Ich lebe“ spricht im Interview über die Inspiration zu dem Projekt, die weltweite Suche nach Zeitzeugen und die universellen Erfahrungen, die sie alle verbindet.

Kindheitsfoto Theophilus Amadi, © Dominic Nahr / Save the Children

Worum geht es in dem Projekt „Ich lebe“?

In jedem Krieg leiden Kinder am meisten, heute genauso wie vor 100 Jahren. Wie überleben sie? Was macht die Kriegserfahrung mit ihnen? Wie prägt es ihr weiteres Leben, wenn sie Hilfe erfahren? Das wollten wir in unserem Jubiläumsjahr in der Tiefe ergründen und künstlerisch anspruchsvoll umsetzen. Und dann eine möglichst große Öffentlichkeit daran teilhaben lassen. Denn wahre Geschichten und wahrhaftige Bilder können besser als alles andere vermitteln, welchem Horror Kinder in Kriegen ausgesetzt sind. Die Geschichten unserer Zeitzeugen ergeben, so hoffen wir, ein eindringliches Plädoyer für mehr Menschlichkeit. Übrigens bestimmt die Arbeit mit Fotografie unsere Organisation schon seit der ersten Stunde: Es war das aufrüttelnde Foto von einem verhungernden Kleinkind aus Wien, das unsere Gründerin Eglantyne Jebb 1919 dazu brachte, Save the Children zu gründen und sich für die Kinder der Feinde einzusetzen, für notleidende Kinder in Deutschland und Österreich.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, weltweit nach den ehemaligen Kriegskindern zu suchen?

Die Idee entstand 2018, auf einer Reise in den Libanon mit dem Fotografen Dominic Nahr, den ich von unserer Pressereise ins dürregeplagte Somalia kannte. In einem Flüchtlingslager in der Bekaa-Ebene trafen wir Amal*, ein 11-jähriges Mädchen aus Syrien. Wir erlebten ein Kind, das durch die Kriegserfahrung nahezu verstummt war. Doch vor Dominics Kamera wurden wir Zeugen einer wundersamen Verwandlung: Amal stand plötzlich selbstbewusst da, posierte sogar ein bisschen, „sprach“ mit dem Fotografen. Wir begriffen: Es tat ihr gut, gesehen zu werden. Das war der Moment, in dem unser Jubiläumsprojekt „Ich lebe“ begann. Wir nahmen uns vor, nach überlebenden Kindern des Krieges zu suchen, die uns ihre Geschichte erzählen wollten. Um den unzähligen Einzelschicksalen, die hinter jedem Konflikt stecken, ein Gesicht und eine Stimme zu geben.

Amal, © Dominic Nahr / Save the Children

Das Foto von Amal sieht fast aus wie eine Modefotografie. Wie kam es dazu?

Ja, das stimmt, das Portrait von Amal wirkt fast wie ein Studio-Shooting. Der silberne Hintergrund, die intensiven Farben ihrer Kleidung, der ernste, aber souveräne Blick des Mädchens. Das alles unterscheidet diese Fotografie von vielen Bildern, die in unserem Arbeitskontext sonst entstehen. Tatsächlich ist das Porträt an einem authentischen Ort, nämlich im Familienzelt von Amal entstanden. Ihr Vater hat es mit silberner Alufolie ausgeschlagen, als Schutz vor der sengenden Hitze. Auch hat Dominic nur mit natürlichem Licht gearbeitet. Aber durch den Zufall dieses besonderen Ortes und durch seine große Kunst entstand dieses „Fashion-Foto“. Es erinnert durch die Positionierung von Amal in der Ecke sogar an einen der ganz großen Modefotografen, an Irving Penn und dessen berühmte Corner-Portraits. Dieses Foto zeigt am intensivsten, was wir aussagen wollen: Alle Menschenkinder, alle Überlebenden von Kriegen sind, egal wo sie leben, was sie durchgemacht haben, in erster Linie Menschen mit Stolz und Würde, und mit einem Recht auf Schönheit.

Wie haben Sie all’ die anderen Zeitzeugen gefunden? Es war doch sicherlich nicht leicht Menschen aufzuspüren, die sich noch an ihre Kindheit im Ersten Weltkrieg oder im Biafra-Krieg erinnern…

Ja, das war wirklich eine Mammutaufgabe. Zumal wir uns ja zusätzlich vorgenommen hatten, Kinder zu finden, die mit Save the Children in Berührung gekommen sind. Also die berühmte Nadel im Heuhaufen. Je länger wir in der Zeit zurückgegangen sind, desto schwieriger war es natürlich. Bei der Suche nach einem Überlebenden des Ersten Weltkriegs hätten wir fast aufgegeben. Geholfen haben intensive Recherchen, weltweite Zeitzeugenaufrufe und manchmal auch ein Quäntchen Glück. Wir haben in vielen Ländern unsere eigenen historischen Dokumente durchforstet, aber auch in öffentlichen Archiven recherchiert. Wir haben mit ehemaligen Mitarbeitern von Save the Children gesprochen. Unsere Kollegen in den Länderbüros haben uns bei der Suche unterstützt. In einigen Fällen blieb uns nichts anderes übrig, als vor Ort zu recherchieren. In Ruanda beispielsweise führte uns ein vergilbtes Polaroid zu der inzwischen 29 Jahre alten Genozid-Überlebenden Vanessa Ntakirutimana. Am Ende fanden wir sie tatsächlich alle: 10 „Kinder des Krieges“ – und unser „Baby der Hoffnung“ im Millionencamp der Rohingya in Bangladesch, geboren im 11. Jahrzehnt von Save the Children.

Kindheitsfoto Evelyne Brix, © Dominic Nahr / Save the Children

Was können wir aus den Geschichten der 11 Überlebenden lernen?

Unser ältester Zeitzeuge ist 106 Jahre alt, das Baby war 15 Tage auf der Welt, als wir es trafen. So verschieden die Lebensgeschichten, so vergleichbar sind ihre Erfahrungen einer Kindheit im Krieg. Kinder, die im Krieg aufwachsen, erleiden Hunger und Durst, Flucht und Verlust, kämpfen gegen ihre Traumata. Aber sie behaupten sich mit ihrer Hoffnung, ihrem Stolz und ihrer ungeheuren Widerstandskraft. Wenn dann noch Hilfe von außen kommt, so wie von Save the Children oder den vielen anderen Hilfsorganisationen, wenn die Kinder merken, dass jemand sie sieht und ihnen hilft, dann können selbst versehrte Biographien eine gute Wende nehmen. So entfalten unsere Protagonisten ein bezwingendes Panorama des vergangenen kriegerischen Jahrhunderts. Indem sie uns ihre Geschichte anvertrauen, ermutigen sie uns, auch künftig Kinder in Kriegen zu schützen und ihre Rechte zu verteidigen.  

Haben Sie auch persönlich etwas mitgenommen aus dem Projekt?

Am meisten hat mich beeindruckt, was mir der charmante 106-jährige Herr Karl während unserer Ausstellung im Auswärtigen Amt auf die Frage antwortete, was das Geheimnis seines langen Lebens ist. An seine Antwort denke ich noch oft: „Ich habe zwei Weltkriege überlebt, ich habe meine Frau vor langer Zeit verloren. So habe ich gelernt, von Tag zu Tag zu leben. Ich lasse die Dinge auf mich zukommen und gräme mich nicht vorab über Dinge die kommen könnten. Das habe ich auch meinen Nachbarn gesagt, als sie Angst vor den Flüchtlingen hatten, die ins Containerdorf nebenan gezogen sind: ‚Lasst sie doch erst einmal kommen. Es sind Menschen in Not.’ “

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Amal*, 11 Jahre,
Überlebende des Syrien Krieges
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„Was machst du gern?“
„Ich male gern.“
„Was malst du?“
„Haus, Garten, Tiere. Zum Beispiel einen Vogel und eine Kuh.“
„Warum den Vogel?“
„Weil er fliegen kann.“
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Viel mehr sagt Amal* nicht während des Besuchs von Martina Dase und Dominic Nahr. Das 11-jährige Mädchen floh mit ihrer Familie aus der belagerten syrischen Stadt Homs ins Nachbarland Libanon. Seitdem hat sie sich vor der Welt zurückgezogen. Sie schweigt meistens und weint viel. Sie vermisst ihre Großmutter, die in Syrien zurückblieb. Ihre Eltern wissen nicht, wie sie ihre Tochter trösten können.

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„Krieg ist mehr als eine militärische Operation. Dieser Krieg ist ein Krieg gegen die Kinder."
Amals Vater
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"Man of the Camp"

Flüchtlingscamp im Libanon, © Dominic Nahr / Save the Children

Amals Vater arbeitet als Lehrer an einer Vorschule von Save the Children. Er ist beliebt, ein gefragter Schlichter in Streitfällen. Seine ausgleichende Art Probleme zu lösen hat ihm den Spitznamen „Man of the Camp“ eingetragen. Amals Mutter, eine warmherzige Frau, bemüht sich nach Kräften, ihren neun Kindern Hoffnung und Zuversicht vorzuleben. Es schmerzt sie, das Verstummen ihrer Tochter mitzuerleben. Beide Eltern können sich nicht vorstellen, dass ihre Tochter fotografiert werden möchte.
Doch in der Begegnung mit dem Fotografen Dominic Nahr verändert sich etwas in Amal. Das sonst so verschlossene Mädchen kommt plötzlich aus sich heraus. Sie stemmt die Hand leicht in die Hüfte, schaut direkt in die Kamera. So als würde sie sagen: Schaut her, hier bin ich.

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Es ist diese wundersame Verwandlung vor einer silbernen Zeltwand aus Alufolie, die den Startpunkt für das Projekt „Ich lebe“ markiert.
Amal ist die Inspiration.
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Erich Karl, 106 Jahre,
Überlebender des Ersten Weltkriegs
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Erich Karl und seine Frau © Dominic Nahr / Save the Children

Der Jahrhundertzeuge

Erich Karl wurde 1913 kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs in Weimar in eine einfache Arbeiterfamilie geboren. Nach Kriegsende erhielt er als 6-jähriger Junge in der Schule sogenannte „Kakao-Trunks“. Finanziert wurden diese mit Spendengeldern von Save the Children aus London, ausgegeben in Weimar von den Quäkern, für Kinder aus bedürftigen Familien, um ihre durch Krieg und Hunger gezeichneten Kinderkörper wieder aufzupäppeln.

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„Wir sprachen zuhause sehr wenig über den Krieg. Wir wurden als politische Analphabeten erzogen. ‚Kümmert euch bloß nicht um Politik! Das bringt gar nichts‘, sagten meine Eltern. Der Krieg war ein Tabu-Thema.“
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„Die Leute machten sich Sorgen, würde es Unruhen geben, Gewalttaten. Ich habe dann versucht sie zu beruhigen: ‚Lasst die doch erst einmal kommen. Lasst uns abwarten, wie es geht. Erst einmal sind es Menschen in Not.‘ “
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„Ich bin der Meinung, dass die Menschen hier in Deutschland ruhiger und zufriedener leben könnten. Könnten sie. Das ist nicht immer der Fall.“
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Vichuta Ly, 54 Jahre,
Überlebende des Pol-Pots Regimes
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Vichuta war erst 9 Jahre alt, als sie am 17. April 1975 gemeinsam mit ihrer Familie ihre Heimatstadt Phnom Penh verlassen musste. An diesem Tag übernimmt Pol Pot, Anführer der Roten Khmer, gewaltsam die Macht, um einen kommunistischen Arbeiter-und-Bauern-Staat einzuführen. Mindestens 1,7 Millionen Menschen fielen seiner fast vier Jahre dauernden Schreckensherrschaft zum Opfer. Sie verhungerten oder starben an Krankheiten, wurden auf sogenannten „Killing Fields“ erschossen oder zu Tode gefoltert.

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„Da waren Granaten, Bomben – überall wurde geschossen. Wir konnten nicht schlafen. Als ich aufwachte sah ich wie meine Schwester und meine Mutter weinen. Sie sagten, dass mein Vater weggebracht worden sei. Ich verstand nicht, was passierte.“
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Kindheitsfoto von Vichuta Ly, © Dominic Nahr / Save the Children

Rastlos

Die Rote Khmer betrachtet die bürgerlichen und gebildeten Bewohner der Stadt als „Feinde der Revolution“. Vichutas Vater, Justizminister der verjagten Regierung, verschwindet bereits zu Beginn des Regimes. Die Bevölkerung der Hauptstadt wird innerhalb weniger Tage zur Umerziehung aufs Land gezwungen. Vichutas Familie irrt über drei Jahre von Ort zu Ort, muss auf Reisfeldern arbeiten oder Dämme bauen. Vichuta wird neben der erzwungenen Feldarbeit zur Kindersoldatin ausgebildet, täglich trainiert sie mit Waffenattrappen aus Holz. Von den ursprünglich 35 Mitgliedern der Familie Ly überleben nur fünf Hunger und Zwangsarbeit. Ihnen gelingt 1979 die Flucht nach Thailand. Im Flüchtlingscamp Sa Keao lernt Vichuta Anne Watts kennen, eine Krankenschwester von Save the Children. Sie nimmt Vichuta unter ihre Fittiche. Eine lebenslange Freundschaft entsteht.

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Im Camp in Thailand ist es die Begegnung mit dem kanadischen Botschafter, die Vichuta und ihrer Familie einen Weg aus der desolaten Lage öffnet. Ermutigt durch ihre Mutter schlüpft Vichuta durch die Absperrung und spricht den Botschafter auf Französisch an, das sie als gebildetes Mädchen beherrscht. Der Botschafter ist berührt vom Leidensweg der Familie. Wenige Wochen später verlässt die Familie im Rahmen eines Umsiedlungsprogramms der UN das Land in Richtung Kanada. Vichuta beendet dort die Schule und studiert Jura. Heute ist Vichuta Ly Menschenrechtsanwältin. 20 Jahre nach dem Verlassen ihrer Heimat kehrt sie regelmäßig nach Kambodscha zurück, um Frauen und Kindern in Notsituationen zu helfen.

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„Andere sagen ich sei verrückt. Unsere ganze Familie wurde hier getötet, warum sollte ich zurückkommen? Aber ich sage, die Menschen hier sind nicht die Khmer Rouge. Sie sind genauso Opfer wie ich. Ich kann hier etwas Sinnvolles tun.“
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Vanessa Ntakirutimana, 29 Jahre,
Überlebende des Genozids gegen die Tutsi
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Vanessa war fünf Jahre alt, als beim Völkermord gegen die Tutsis in Ruanda 1994 innerhalb von 100 Tagen rund eine Million Menschen getötet wurden. Wie Hunderttausende andere floh auch sie vor der beispiellosen Gewalteruption. Ihre Mutter band sie und zwei ihrer Geschwister an den Hemdsärmeln zusammen, damit sie einander in dem Menschenstrom nicht verlieren.

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„Meine Mutter rief: ‚Aufwachen! Wir müssen weg! Es ist Krieg.‘ Meine Mutter packte ein paar Sachen zusammen und wir rannten los. Ich weiß nicht mehr, wie wir uns verloren haben. Aber seither habe ich sie nicht mehr gesehen.“
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Polaroid von Vanessa aus Ruanda, um ihre Eltern wiederzufinden. Fotoprojekt Save the Children

Mit ihren Geschwistern zieht Vanessa ohne Eltern oder Familienangehörige von Ort zu Ort. Wohin sie gehen sollen wissen sie nicht. Also laufen sie einfach weiter, gemeinsam mit Hunderttausenden von Flüchtenden. Sie haben Hunger, ab und zu gibt ihnen jemand einen Schluck Wasser in die Hand. Irgendwann kommen sie an einen Ort, an dem Save the Children tätig ist. Die Organisation sucht wie viele andere auch nach dem Völkermord Angehörige für die insgesamt wohl 300.000 umherirrenden Kinder, die von ihren Familien getrennt wurden.
Dazu hängt Save the Children Polaroid Fotos an öffentlichen Orten aus. Geschulte Teams suchen landesweit nach deren Familien. Auch Vanessa und ihre Geschwister werden fotografiert. Die Polaroids existieren heute noch. Doch was oft glückt, gelingt in Vanessas Fall nicht. Was mit ihren Eltern geschehen ist, hat Vanessa nie erfahren.

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„Ich wünsche mir, meine Mutter zumindest beerdigen zu können. Das konnte ich nie tun. Oftmals sehe ich Menschen bei Begräbnissen und denke daran, dass ich meine Mutter nie beerdigt habe.“
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„Meine Tochter hat einen Vater und eine Mutter. Der Vater tut was er kann, damit sie zur Schule gehen kann. Ich richte ihre Kleider her, zeige ihr meine Liebe. Ich hatte nichts davon. Ich hoffe, dass meine Kinder ein besseres Leben haben als ich"
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Yong Woong Jo, 76 Jahre,
Überlebender des Koreakriegs
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Wenn man Yong Woong Jo heute trifft, würde man nicht denken, dass er früher ein kränkliches Kind aus armen Verhältnissen war. Der 76-jährige sprüht vor Energie, es ist schwer mit ihm Schritt zu halten. Heute lebt er in der Nähe von Seoul. Ursprünglich wurde er in Nordkorea geboren – und erlebte als 6-jähriger den Koreakrieg und die Teilung des Landes hautnah.  

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„Ich war arm, aber ich fühlte mich nicht so.“
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Yong Woong Jo wuchs nach der Flucht seiner Familie aus Nordkorea ins südlichere Incheon bei seiner Mutter auf. Der Vater trat dem südkoreanischen Militär bei und kümmerte sich wenig um die Familie. Den Koreakrieg, der innerhalb von drei Jahren fast vier Millionen Todesopfer fordert, bemerkt der damals 6-jährige Junge am meisten an der Abwesenheit der Väter und an der Armut, in der er aufwächst. Irgendwann steht der Konflikt aber direkt vor der Tür, als die alliierten Truppen in Incheon landen. An die Flugblätter, die vom Himmel fallen, an das Donnern der Kriegsschiffe, an die anschließende Militärparade der US- und UN-Truppen – daran kann er sich noch ganz genau erinnern. 

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„Naomi Middaugh ermutigte mich. Sie übte keinen Druck aus und wollte, dass ich studiere, was immer ich wollte. Als ich beschloss, Veterinärmedizin zu studieren, wusste sie nicht viel darüber. Aber das machte nichts. Sie spornte mich immer an."
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Die Freundschaft über den Atlantik reicht weit bis ins Erwachsenenalter. Yong Woong Jo nimmt sich Botschaften seiner Patin zu Herzen. Aus dem armen Jungen wird ein erfolgreicher Mann in leitenden Positionen in der Wirtschaft. Persönlich kennen gelernt hat er Naomi Middaugh nie.   

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José, 17 Jahre,
Überlebender des kolumbianischen Bürgerkriegs
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Seit 50 Jahren steckt Kolumbien in einem blutigen Bürgerkrieg, ausgetragen zwischen Streitkräften der Regierung, Guerilla Gruppierungen, Paramilitärs und organisierten kriminellen Banden. Zwei Millionen Kinder und Jugendliche sind Opfer dieses Konflikts. Sie mussten fliehen, verloren Angehörige oder gerieten selber in die Schusslinie. José ist einer von ihnen.

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„Ich konnte mein Bein nicht bewegen. Ich sah nach und merkte, dass ich angeschossen worden war. Dann beginn ich zu schreien: ‚Papa!' Dann hörten die Schüsse plötzlich auf. Vielleicht, weil sie gemerkt hatten, dass wir Zivilisten waren."
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Jose als Kind mit seiner Familie, Foto von Dominic Nahr, Ausstellung 'Ich lebe'

In der Schusslinie

In dieses Gefecht zwischen Guerillagruppen und Regierungstruppen geriet José mit knapp 9 Jahren. Eine Kugel traf ihn im linken Arm, eine zweite durchschlug zunächst den rechten, dann den linken Oberschenkel. José verlor an diesem Tag einen Cousin. Ein weiterer wurde an der Hand verletzt, er verlor zwei Finger.

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Dann hört er von dem Jugendprogramm von Save the Children. Das Motto: „Yo participo, yo ommunicco“ – ich nehme teil, ich kommuniziere. Anfangs ist José skeptisch. Doch schnell findet er Gefallen, denn dieses Programm ist anders als andere die er schon erlebt hat. Die Jugendlichen diskutieren, sie sprechen über die Rechte der Kinder, über Gleichstellung zwischen Männer und Frauen. Für einen Youtube Kanal erstellen sie Videos, lernen, vor und hinter der Kamera zu agieren.

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„Ich habe gelernt, kritisch zu denken und gleichzeitig zu sehen, dass Veränderung möglich ist.”
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Dominic Nahr

 

Dominic Nahr

Dominic Nahr, geboren 1983 in der Schweiz, aufgewachsen in Hongkong, berichtet seit mehr als zehn Jahren von den Krisenherden der Welt, unter anderem über den Bürgerkrieg im Südsudan, über Rebellen und Kindersoldaten im Kongo, über Terrorismus und Dürre in Somalia. Seine Bilder wurden auf den Titeln von Time Magazine und New York Times Magazine veröffentlicht. Für National Geographic, den Spiegel, Die Zeit und den Stern fotografierte er große Reportagen. 

Er ist Preisträger eines World Press Photo Award, Pictures of the Year Award, Oskar Barnack Newcomer Award, Swiss Press Photo Award. Er war Schweizer Fotograf des Jahres 2015 und ist heute Leica-Botschafter der Schweiz.
Dominic Nahr war mit seinen fotografischen Werken bereits auf den Rencontres de la Photographie d’Arles vertreten und hatte zahlreiche Einzelausstellungen.
Seit 2017 arbeitet Dominic Nahr mit Save the Children zusammen.

 

Anna Mayumi Kerber

Anna Mayumi Kerber, geboren 1983 in Österreich, arbeitet seit mehr als zehn Jahren auf dem afrikanischen Kontinent. Sechs davon lebte sie in Kenia, wo sie unter anderem das Ostafrika-Büro der Deutschen Presse-Agentur leitete. Als freie Journalistin berichtete sie für zahlreiche Print-, Online- und Rundfunkmedien. Sie studierte an der FH Wien Journalismus und Medienmanagement und später Wissenschaftsjournalismus an der Columbia Universität in New York, wo sie mit dem Robert Wood Johnson Award ausgezeichnet wurde.

Seit 2018 arbeitet Anna Mayumi Kerber mit Save the Children an dem Jubiläumsprojekt.

Martina Dase

Martina Dase

Martina Dase leitet seit 2016 die Stabsstelle Strategische Kommunikation bei Save the Children Deutschland. Die Filmemacherin und Kommunikationsexpertin hat über 50 Reportagen und Dokumentationen für das öffentlich-rechtliche Fernsehen (ARD, Arte, 3sat) realisiert und war danach in Führungspositionen bei Greenpeace und der Welthungerhilfe tätig. Für das Jubiläumsjahr von Save the Children entwickelte sie u.v.a. das internationale Fotoprojekt "Ich lebe" und Kooperationen mit Filmfestivals. „Wenn Fotografie und Film sich gesellschaftspolitischer Themen annehmen, kann dabei große Kunst entstehen“, davon ist Martina Dase überzeugt. „Fotografie ist für mich das kongeniale Medium, um relevante Themen einem breiten Publikum näher zu bringen.“

Ihre Ansprechpartnerin

Ineke Sass

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