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Publisher Save the Children26.03.2020Jemen

Fünf Jahre Krieg im Jemen zeigen verheerende Auswirkungen

Fünf Jahre Krieg im Jemen hinterlassen tiefe Spuren. Vor allem Kinder leiden psychisch sehr unter dem andauernden Konflikt. Eine neue Studie von Save the Children zeigt: Mehr als die Hälfte der jemenitischen Kinder fühlt sich traurig und depressiv. Fast ein Fünftel leidet außerdem unter ständiger Angst.

Abed* (11) hält ein Bild seiner verstorbenen Brüder in der Hand. Sie wurden letztes Jahr bei einem Luftangriff getötet. Abed* bekommt psychosoziale Unterstützung von Save the Children. Außerdem unterstützen wir seine Familie mit Lebensmittelgutscheinen und Schulmaterialien. © Sami Jassar / Save the Children

Der 10-jährige Abed* aus Saada verlor seine beiden älteren Brüder bei einem Luftangriff auf die Apotheke, in der sein Vater arbeitete. Er sagt: „Mein Leben hat sich seit dem Tod meiner Brüder verändert. Wenn ich mich an sie erinnere, bin ich traurig. Zur Ablenkung gehe ich dann spielen oder versuche etwas anderes zu machen. Kinder im ganzen Jemen trauern wegen der Luftangriffe um ihre getöteten Brüder, Väter und Mütter."

Fünf Jahre Krieg

Am 26. März jährt sich der Jemen-Krieg zum fünften Mal. Die Befragung von Save the Children unter mehr als 1.250 Kindern, Eltern und Betreuerinnen und Betreuern zeigt: Diese fünf Jahre Krieg haben verheerende Auswirkungen auf die psychische Gesundheit einer ganzen Generation von Kindern. 

Angst, Trauer und Verlust – diese Gefühle bestimmen nach einem halben Jahrzehnt Krieg eine Kindheit im Jemen. Das kann nicht ohne Folgen für die Psyche eines Kindes sein. Die Kinder, mit denen wir gesprochen haben, spielen nicht mehr im Freien. Sie nässen sich ein, wenn sie Flugzeuge über sich hören. Wir können unter keinen Umständen zulassen, dass dieser Krieg gegen Kinder weitergeht. Wir fordern alle Konfliktparteien auf, eine politische Lösung zu finden und Frieden möglich zu machen!

Susanna Krüger, Vorstandsvorsitzende von Save the Children Deutschland

Die Umfrage ergibt, dass:

  • 16 Prozent der Kinder sich nie oder sehr selten entspannen können.
  • Viele der befragten Kinder Anzeichen von Angsterkrankungen wie erhöhter Herzfrequenz, Bauchschmerzen, schwitzenden Handflächen und ein Gefühl des Zitterns haben.
  • Jedes fünfte Kind konstant und täglich Angst hat, 52 Prozent sich nicht sicher fühlen, wenn sie von ihren Eltern getrennt sind und 56 Prozent, wenn sie allein im Freien unterwegs sind.
  • 18 Prozent der Kinder dauerhaft, 51 Prozent zeitweise Trauer empfinden.
  • 36 Prozent der Kinder davon berichten, dass sie mit niemandem in ihrem Umfeld sprechen können, wenn sie traurig oder verärgert sind.
  • 38 Prozent der Betreuer von einer Zunahme der Albträume der Kinder erzählen.
  • 8 Prozent der Betreuenden von einem Anstieg des Bettnässens berichten.

Kinder besonders betroffen

Kinder zahlen im Jemen-Konflikt einen besonders hohen Preis. Seit Dezember 2017 wurden mindestens 2.047 Mädchen und Jungen getötet oder verstümmelt. Im gesamten Land sind 10,3 Millionen Kinder von Ernährungsunsicherheit betroffen, 2,1 Millionen leiden unter akuter Unterernährung. Mehrere Millionen Kinder mussten vor den Kämpfen fliehen.

Save the Children bietet Kindern Unterstützung und Halt

Um psychische Belastungen und das Risiko chronischer Krankheiten der Kinder zu reduzieren, hat Save the Children 50 kinderfreundliche Räume im Jemen eingerichtet. Dadurch konnten seit der Eskalation des Konflikts fast 250.000 Kinder unterstützt werden. Ebenfalls werden Betreuer für Kinderrechte sensibilisiert, Resilienz-Sitzungen mit Kindergruppen organisiert und Spezialisten für die Behandlung besonders belasteter Kinder herangezogen. Zusätzlich bietet Save the Children seinen Partnern und Gesundheitsfachkräften Schulungen in psychologischer Erster Hilfe, um Kinder zu unterstützen, die traumatischen Ereignissen ausgesetzt waren.

Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit im Jemen mit einer Spende, damit wir weiterhin vor Ort im Einsatz sein können, danke!

Neue Gefahr durch COVID-19

Sollte die Corona-Pandemie den Jemen erreichen, hätte dies verheerende Auswirkungen auf die gemsamte Bevölkerung im Land. Es gäbe kaum Möglichkeiten, das Virus einzudämmen, da das Gesundheitssystem bereits jetzt überlastet ist und die Möglichkeit der humanitären Helfer, die am meisten gefährdeten Kinder medizinisch zu versorgen, jetzt schon stark eingeschränkt ist.

Covid-19 ist eine Pandemie, die schon Länder mit gut ausgerüstetem Gesundheitssystem stark an ihre Grenzen bringt. Wir fordern deshalb dringend Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung. Regierungen mit Einfluss auf die Konfliktparteien müssen jetzt Druck ausüben und sie an den Verhandlungstisch bringen. Eine politische Lösung ist der einzig nachhaltige Weg, nach fünf Jahren endlich alle Kampfhandlungen zu beenden und das Leiden der Kinder zu stoppen. 

Susanna Krüger, Vorstandsvorsitzende von Save the Children Deutschland

Save the Children im Einsatz gegen Corona

Wir arbeiten mit Hochdruck an Lösungen, wie Kinder und ihre Familien in unseren Einsatzgebieten bestmöglich geschützt werden können. Unsere Sofort-Maßnahmen umfassen spezielle Schulungen für unsere Gesundheitsteams sowie die Verteilung von Hygieneartikeln und Schutzausrüstungen. Es ist extrem wichtig, die Menschen schnell und umfassend darüber aufzuklären, wie sie sich trotz widriger Umstände schützen und die Ausbreitung des Virus vermindern können.  

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