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InterviewCoronaSudanPublisher Save the Children31.03.2022Interview

Über diese Krise berichtet niemand

Im Sudan und Südsudan spitzt sich die humanitäre Lage immer weiter zu. Das fatale: In den Medien wird kaum berichtet. Joachim Rahmann, Mitarbeiter von Save the Children erklärt im Interview, warum Kinder und ihre Familien jetzt dringender denn je unsere Unterstützung brauchen.

Starke Überschwemmungen wie hier in Khartum, der Hauptstadt des Sudans, sind einer der Gründe, warum immer mehr Menschen im Land humanitäre Hilfe benötigen. © Khaled Abfulfattah / Save the Children

Vor welchen Herausforderungen stehen die Menschen im Sudan und Südsudan aktuell?

Joachim Rahmann: Wir haben es in beiden Ländern mit einer Kombination aus verschiedenen Krisen zu tun. Im Südsudan flammt der Bürgerkrieg lokal wieder auf, Zivilist*innen werden getötet, Menschen fliehen. Es gibt dort mittlerweile 1,6 Millionen Binnenvertriebene, von denen 300.000 Kinder bereits an Hunger und Mangelernährung leiden. Hinzu kommen starke Überschwemmungen, die wiederum Ernten zerstören und die ohnehin schon unsichere Ernährungssituation weiter verschlimmern. Auch die Corona-Pandemie trägt dazu bei, dass sich die Lage vor allem für Kinder zuspitzt, denn viele Schulen wurden geschlossen. Nicht zuletzt sind die Lebensmittelpreise durch die Inflation in den vergangenen Monaten so stark gestiegen, dass immer mehr Menschen von humanitärer Hilfe abhängig sind. 

Was beudetet das für Kinder?

Joachim Rahmann: Allein im Südsudan sind 3,4 Millionen Kinder von Covid-19-bedingten Schulschließungen betroffen. Hinzu kommt, dass weitere Schulen wegen den Überschwemmungen schließen mussten und das in einem Land, in dem es eh schon viel zu wenig Schulen gibt. Vor Corona sind im Sudan viele Kinder auf islamische Internate gegangen, die oft weit weg von ihren Familien waren. Als diese Schulen auf Grund der Covid-19 Restriktionen schließen mussten, bestand die große Herausforderung darin, Kinder mit ihren Familien wieder zusammenzuführen.

In beiden Ländern leiden viele Kinder an Hunger und Mangelernährung. Ihre Behandlungsmöglichkeiten sind sehr eingeschränkt, weil sich der Zugang zu Gesundheitsleistungen um 90 Prozent verteuert hat. Viele Familien können es sich schlicht nicht leisten, zum Arzt zu gehen. 

Joachim Rahmann, Mitarbeiter von Save the Children Deutschland

Wie hilft Save the Children?

Joachim Rahmann: Aktuell helfen wir den Familien vor allem durch Bargeldprogramme, damit sie ausreichend Lebensmittel kaufen können und Zugang zum Gesundheitssystem haben. Außerdem betreiben unsere Teams weiterhin viel Aufklärung zur Corona-Pandemie, denn die Einschränkungen haben auch dort für viele Menschen starke wirtschaftliche Folgen. Save the Children setzt zudem verstärkt auch die Ausbildung und Arbeit mit Community-Health-Workern. Das sind Gesundheitshelfer*innen, die auch in abgelegenen Regionen in den Gemeinden arbeiten und dort Kindern und ihren Familien kostenfrei helfen. Im Südsudan wird ein großes Schul-Wiederaufbauprogramm geplant, da hier viele Schulen durch die Überschwemmungen zerstört wurden. Im Sudan stehen wir vor der Herausforderung, dass seit dem Fall der Diktatur immer mehr Landesteile befriedet und Gebiete nun erreichbar sind, die vorher viel zu gefährlich waren. Hier leben viele Menschen, die humanitäre Hilfe benötigen, doch es fehlt schlichtweg an Geldern. 

Wie kann ich helfen?

Joachim Rahmann: Das eine Krise dieses Ausmaßes kaum mediale Aufmerksamkeit bekommt, ist fatal. Darum hilft es schon, sich weiter zu informieren und auch über Social Media auf die Lage aufmerksam zu machen, damit mehr und mehr Menschen davon erfahren. Natürlich hilft es auch, unsere Arbeit mit einer Spende zu unterstützen. Außerdem kann man unsere aktuelle Petition unterschreiben, in der wir fordern, dass jedes Kind ein Recht auch Nahrung hat. Unser Ziel ist es, dass im 21. Jahrhundert kein Kind mehr an Hunger sterben soll. 

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