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Publisher Save the Children20.04.2020Interview

Corona und die Folgen - Susanna Krüger im Interview

Das neue Corona-Virus trifft sowohl gut versorgte als auch arme Länder weltweit. In Europa und den USA ist zu sehen, wie selbst Gesundheitssysteme von Industrienationen massiv überfordert sind. Die Ausbreitung des Virus stellt auch die Arbeit von Save the Children vor enorme Herausforderungen. Susanna Krüger, Geschäftsführerin von Save the Children Deutschland, erklärt, wie die Organisation ihre Aktivitäten ausweitet.

Adriana* aus Mexiko lebt derzeit mit ihrer Mutter und ihren beiden älteren Schwestern in einem Flüchtlingscamp an der Grenze zu den USA. Sie hat an einem von Save the Children organisierten Workshop zum Thema: 'Was ist der Corona-Virus' teilgenommen und ein Hygiene-Set bekommen. © Save the Children Mexico

Unzählige Mädchen und Jungen weltweit brauchen dringend Hilfe. In der Corona-Krise muss so schnell und umfassend wie möglich gehandelt werden. Was unternimmt Save the Children konkret?

Susanna Krüger: Im ersten Schritt gilt es, Leben zu retten durch Vorbeugung und Eindämmung der Pandemie. Save the Children sorgt weltweit mit mehr als 500.000 lokalen Fachkräften in 44 Ländern für eine grundlegende Gesundheitsversorgung. In 14 Ländern betreiben wir insgesamt rund 1.500 Gesundheitseinrichtungen. Entscheidend wird sein, die bestehenden lebensrettenden Gesundheitsdienste aufrecht zu erhalten, damit die Pandemie nicht bereits erreichte Fortschritte etwa bei Mangelernährung oder Kinder- und Müttergesundheit wieder zunichte macht. Wir planen, neben den vorhandenen medizinischen Fachkräften in den kommenden sechs Monaten zusätzliche 100.000 lokale Gesundheitsmitarbeiter speziell für den Einsatz gegen Corona auszubilden.

Gibt es Schwerpunkt-Regionen, wo Hilfsmaßnahmen mit besonderer Priorität umgesetzt werden?

Susanna Krüger, Vorstandsvorsitzende von Save the Children Deutschland trägt den Schal fürs Leben 2019.

Wir müssen insbesondere Vertriebene, Geflüchtete und von Konflikten betroffene Menschen unterstützen. Denn für sie sind Kontaktsperren, gründliche Hygienemaßnahmen und rechtzeitige Arztbesuche praktisch nicht umsetzbar.

Susanna Krüger, Vorstandsvorsitzende von Save the Children Deutschland

Susanna Krüger: Deshalb werden wir, wo nötig, gemeinsam mit lokalen Gesundheitsbehörden Isolierstationen einrichten, um Infizierte behandeln zu können. Dies gilt beispielsweise für Regionen in Syrien oder auch Bangladesch, mit den riesigen Flüchtlings-Camps der Rohingya.

Wie sehen weitere konkrete Hilfen aus?

Susanna Krüger: Save the Children wird auch kurzfristige finanzielle Hilfen leisten, um eine Grundsicherung für besonders arme Familien zu ermöglichen. Wir verteilen Lebensmittel und andere Hilfsgüter an Familien, die sich aufgrund von Quarantäne oder Erkrankung nicht selbst versorgen können. Wir suchen den engen Erfahrungsaustausch mit Behörden, damit möglichst alle erreicht werden können – und Familien nicht durch die sozialen Netze fallen.

Neben den akuten Gesundheits- und Versorgungsproblemen sind weitere Herausforderungen zu meistern – etwa im Bildungsbereich. Warum ist dies so wichtig?

Susanna Krüger: Wir müssen Kinder weltweit unbedingt dabei unterstützen, dass sie so schnell wie möglich wieder Zugang zu Bildung erhalten. Denn nur so sichern wir ihre Zukunftschancen. Wir werden gemeinsam mit Behörden, Lehrern und Eltern verschiedene Möglichkeiten zum Fernunterricht schaffen, je nach Gegebenheiten online oder auch per Radio und Fernsehen. Und über diese Kanäle wollen wir zugleich über Themen der Gesundheit, Hygiene und Sicherheit aufklären.  Zusammen mit den Bildungsministerien werden wir Lehrerinnen und Lehrer unterstützen, weiter arbeitsfähig zu bleiben und, wenn nötig, ihre Kompetenzen für den Fernunterricht erweitern. Ebenso sind wir dabei, Schulen besser auszustatten, damit die Kinder nach ihrer Rückkehr sicheren Zugang zu sauberem Trinkwasser und Sanitäranlagen haben.

Was unternimmt Save the Children, um Kinder angesichts Corona vor möglicher zunehmender Gewalt zu schützen?

Susanna Krüger: Wir setzen alles daran, Familien und andere, die Kinder betreuen, so zu unterstützen, dass Mädchen und Jungen seelisch und körperlich unversehrt bleiben - auch in dieser Ausnahme- und Krisenzeit. Hier stehen besonders Frauen und Kinder im Fokus, die von häuslicher Gewalt bedroht sind. So müssen wir in der aktuellen Situation geeignete neue Wege finden, damit Kinderschutzdienste den Kontakt zu besonders gefährdeten Kindern halten und die Kinder, die Schutz benötigen, sie erreichen können. Zudem sollen spezifische Hilfen für traumatisierte Kinder entwickelt werden. Auch gilt es, Kinder zu versorgen, die nicht mehr bei ihren Eltern leben können: Hier werden bestehende Systeme erweitert werden müssen, wenn Kinder durch Krankheit, Quarantäne oder Todesfälle plötzlich auf sich allein gestellt sind.

Wie können Menschen helfen und unterstützen?

Susanna Krüger: Global haben wir gerade für die Arbeit im Kampf gegen das Corona-Virus einen Spendenaufruf in Höhe von 100 Millionen Dollar gestartet. Das entspricht rund 92 Millionen Euro – es ist der größte Aufruf in der 100-jährigen Geschichte von Save the Children. Ob von Unternehmen, Prominenten oder auch Privatpersonen: Jede Spende zählt! Gemeinsam können wir Kinder und Familien weltweit entscheidend unterstützen! Meine dringende Bitte: Helfen Sie jetzt! Vielen Dank!

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